Gefahr im Unterholz: Zecken breiten sich durch mildes Klima rasant aus

Djamal Sadaghiani
Zecken in Deutschland 2026: Ausbreitung, FSME-Risikogebiete & Schutz

Der Klimawandel hinterlässt zunehmend Spuren in unserer heimischen Natur – und begünstigt dabei auch Lebewesen, auf die wir lieber verzichten würden. Durch die immer milderen Wintertemperaturen sind Zecken mittlerweile fast ganzjährig in Deutschland aktiv. Sie erschließen sich stetig neue Lebensräume und bringen gesundheitliche Risiken mit sich, die nicht unterschätzt werden dürfen.

Überlebenskünstler im Unterholz

Dass Zecken sich von Bäumen fallen lassen, ist ein weit verbreiteter Mythos. Tatsächlich lauern die kleinen Spinnentiere in der sogenannten Krautschicht, also in hohem Gras, Farnen und im Gestrüpp. Dort warten sie geduldig, bis ein potenzieller Wirt vorbeistreift. Laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sind die Parasiten wahre Überlebenskünstler: Sie überstehen problemlos einen Waschgang bei 40 Grad Celsius, können bis zu drei Wochen unter Wasser überleben und halten sogar Temperaturen von minus 12 Grad Celsius aus.

Neue FSME-Risikogebiete im Jahr 2026

Die Ausbreitung der Zecken geht mit einem Anstieg der durch sie übertragenen Krankheiten einher. Zu den gefährlichsten zählen die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wie das Robert Koch-Institut berichtet, breiten sich die FSME-Risikogebiete weiter in Richtung Norden und Osten Deutschlands aus. Im Jahr 2026 wurden mit dem Landkreis Nordsachsen und dem Stadtkreis Halle (Saale) zwei neue Risikogebiete ausgewiesen, womit die Zahl bundesweit auf 185 gestiegen ist.

Besonders für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen kann eine FSME-Infektion schwere neurologische Folgen haben. Da die Impfquoten gerade in der Altersgruppe über 60 Jahren in vielen Risikogebieten noch immer zu niedrig sind, raten Gesundheitsexperten dringend zur Vorsorge.

So schützen Sie sich und Ihre Angehörigen

Ob beim Spaziergang im Wald, bei der Gartenarbeit oder beim Ausflug mit Pflegebedürftigen ins Grüne – ein bewusster Umgang mit der Zeckengefahr ist unerlässlich. Folgende Maßnahmen helfen, das Risiko eines Bisses zu minimieren:

  • Richtige Kleidung: Tragen Sie lange Hosen und langärmlige Oberteile. Das Hineinstecken der Hosenbeine in die Socken erschwert es den Zecken, an die Haut zu gelangen. Auf heller Kleidung lassen sich die winzigen Tiere zudem leichter entdecken.
  • Repellents nutzen: Spezielle Insektensprays können Zecken für einige Stunden fernhalten. Sie bieten jedoch keinen hundertprozentigen Schutz.
  • Körper absuchen: Nach jedem Aufenthalt in der Natur sollte der gesamte Körper gründlich abgesucht werden. Zecken bevorzugen warme, gut durchblutete Körperstellen wie Kniekehlen, Achseln, den Haaransatz und den Leistenbereich.
  • FSME-Impfung: Für Personen, die in Risikogebieten leben oder dorthin reisen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Schutzimpfung gegen das FSME-Virus. Gegen Borreliose gibt es derzeit noch keine Impfung, weshalb das schnelle Entfernen der Zecke hier der beste Schutz ist.

Schnelles Handeln nach einem Biss

Sollte es dennoch zu einem Zeckenstich kommen, ist schnelles Handeln gefragt. Die Zecke sollte mit einer speziellen Zeckenkarte, einer Pinzette oder einer Zeckenzange hautnah gegriffen und langsam herausgezogen werden. Verzichten Sie auf Hausmittel wie Öl oder Klebstoff, da diese die Zecke in Stress versetzen und sie dadurch vermehrt Krankheitserreger in die Wunde abgeben könnte. Beobachten Sie die Einstichstelle in den darauffolgenden Wochen: Tritt eine ringförmige Rötung (Wanderröte) auf oder kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

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