Immer mehr Angehörige übernehmen die Pflege zu Hause

Djamal Sadaghiani
Report Pflegebedürftigkeit 2025: Pflege durch Angehörige steigt rasant

Die Entscheidung, einen geliebten Menschen zu pflegen, ist eine der größten Herausforderungen für Familien. Aktuelle Daten zeigen nun deutlich: Die Pflege in den eigenen vier Wänden ohne professionelle Pflegedienste nimmt in Deutschland massiv zu. Das geht aus dem neuen „Report Pflegebedürftigkeit 2025“ hervor, den der Medizinische Dienst Bund aktuell veröffentlicht hat.

Neun von zehn Pflegebedürftigen bleiben zu Hause

Laut dem Medizinischen Dienst Bund verbringen neun von zehn pflegebedürftigen Menschen ihren Alltag weiterhin in der eigenen Häuslichkeit. Bemerkenswert ist dabei, wie diese Pflege organisiert wird: Im vergangenen Jahr beantragten knapp 60 Prozent der Betroffenen (genau 59,6 Prozent) ausschließlich Pflegegeld. Diese Leistung ist speziell dafür vorgesehen, die Versorgung durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn eigenständig zu sichern.

Ein Blick auf die Lebenssituation zeigt zudem geschlechterspezifische Unterschiede. Während 44,1 Prozent der pflegebedürftigen Frauen allein leben, sind es bei den Männern nur 26,1 Prozent.

Professionelle Pflegedienste als alleinige Hilfe seltener

Die klassische Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst (sogenannte ambulante Sachleistungen) wurde lediglich von 11,2 Prozent der Pflegebedürftigen als alleinige Hilfe angefordert. Viele Familien setzen stattdessen auf Kompromisse:

  • Kombinationsleistungen: 19,3 Prozent der Antragssteller wählten eine Mischung aus Pflegegeld und der Unterstützung durch einen Pflegedienst.
  • Vollstationäre Pflege: Nur 9,4 Prozent stellten einen Antrag auf die Unterbringung in einem Pflegeheim.

Anträge werden oft spät gestellt

Ein weiteres zentrales Ergebnis des Reports: Viele Betroffene und ihre Familien zögern lange, bevor sie Hilfe einfordern. Etwa die Hälfte der Versicherten beantragte erst dann Leistungen aus der Pflegeversicherung, wenn ihre Selbstständigkeit bereits stark eingeschränkt war und mindestens die Voraussetzungen für Pflegegrad 2 vorlagen.

Bei den Erstbegutachtungen im Jahr 2025 ergab sich folgendes Bild:

  • Pflegegrad 1: 29,0 Prozent
  • Pflegegrad 2: 34,5 Prozent
  • Pflegegrad 3: 11,7 Prozent
  • Pflegegrad 4: 2,7 Prozent
  • Pflegegrad 5: 0,9 Prozent

Rund ein Fünftel der Antragsteller erhielt nach der Begutachtung keinen Pflegegrad.

Neuer Rekord bei Begutachtungen

Der Medizinische Dienst verzeichnete im Jahr 2025 mit rund 3,1 Millionen Pflegebegutachtungen einen neuen historischen Höchststand. Diese Zahlen unterstreichen, wie sehr das Thema Pflege die Mitte der Gesellschaft erreicht hat und welch immense Last auf den Schultern der pflegenden Angehörigen ruht.

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