Kampf gegen Blutvergiftung: Grüne fordern nationale Sepsis-Strategie

Dominik Hübenthal
Nationale Sepsis-Strategie: Grüne wollen Notfallplan im Bundestag

Eine Blutvergiftung gehört zu den unterschätztesten medizinischen Notfällen und zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Rund 230.000 Erwachsene erkranken Schätzungen zufolge jedes Jahr an einer Sepsis, mindestens 85.000 Betroffene verlieren dabei ihr Leben. Um diese alarmierenden Zahlen wirksam zu senken, fordert die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in einem aktuellen Beschluss die zügige Einführung einer bundesweiten Sepsis-Strategie.

Verbindlicher Notfallplan innerhalb eines Jahres gefordert

Die Grünen verlangen von der Bundesregierung, innerhalb der kommenden zwölf Monate ein konsolidiertes Maßnahmenpaket mit klaren Zuständigkeiten, gesicherter Finanzierung und überprüfbaren Qualitätszielen vorzulegen. Trotz einer Resolution der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2017 fehle Deutschland bis heute ein übergeordneter nationaler Handlungsrahmen, während Länder wie Schweden, Großbritannien oder Australien durch strukturierte Programme ihre Sterblichkeitsraten bereits spürbar senken konnten.

Nach Ansicht der Gesundheitsexperten der Fraktion sind viele der schweren Verläufe und Todesfälle vermeidbar. Häufig gehe wertvolle Zeit durch unklare Schnittstellen im Gesundheitssystem und verzögerte Diagnosen verloren. Eine Sepsis müsse im klinischen und präklinischen Alltag ausnahmslos als zeitkritischer Notfall anerkannt und behandelt werden, ähnlich wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Pflegekräfte und medizinisches Personal stärken

Ein zentraler Pfeiler der geforderten Strategie ist die Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften, Rettungsdiensten und ärztlichem Personal. Da eine Sepsis oft schleichend oder mit unspezifischen Symptomen beginnt, kommt dem Pflegepersonal in stationären Einrichtungen und ambulanten Diensten eine Schlüsselrolle zu. Pflegende sind meist die Ersten, die Veränderungen im Allgemeinzustand von gefährdeten Menschen feststellen.

Der Forderungskatalog umfasst unter anderem:

  • Verbindliche Schulungskonzepte: Regelmäßige Fortbildungen für Beschäftigte in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeheimen zur Früherkennung seltener und atypischer Symptome.
  • Einheitliche Behandlungsstandards: Verbindliche Leitlinien für die Akutversorgung sowie den rationalen und schnellen Einsatz von Breitbandantibiotika.
  • Bessere Aufklärung der Bevölkerung: Kampagnen, die das Bewusstsein für Warnsignale wie Verwirrtheit, extreme Atemnot, starkes Krankheitsgefühl oder plötzlichen Blutdruckabfall schärfen.
  • Zentrale Erfassung beim RKI: Aufbau einer Koordinierungsstelle und eines Überwachungssystems am Robert Koch-Institut, um Versorgungsergebnisse, Folgeschäden und den Rehabilitationsbedarf systematisch zu erfassen.

Hohe Relevanz für den Pflegealltag

Besonders ältere, pflegebedürftige und immungeschwächte Menschen tragen ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen. Aus einer scheinbar harmlosen Blasenentzündung, einer Lungenentzündung oder einer infizierten Wunde kann sich binnen weniger Stunden ein lebensbedrohliches Organversagen entwickeln. Einheitliche Screening-Instrumente und klare Alarmierungsketten in der Alten- und Krankenpflege könnten daher tausende Leben retten und schwere Folgeschäden verhindern.

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