Kampf gegen Fachkräftemangel: AGVP fordert Bürokratieabbau, Bremen startet Welcome Center

Dominik Hübenthal
Pflege-Fachkräftemangel: AGVP fordert Entlastung, Bremen eröffnet Welcome Center

Der Mangel an qualifiziertem Personal in der Alten- und Krankenpflege spitzt sich bundesweit weiter zu. Um dem wachsenden Versorgungsengpass entgegenzuwirken, fordern Verbände und Träger seit Langem spürbare Erleichterungen bei der Beschäftigung und Integration von internationalen Fachkräften. Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) drängt auf einen konsequenten Abbau bürokratischer Hürden, während das Land Bremen nun konkrete Maßnahmen ergreift und eine neue zentrale Anlaufstelle für ausländische Pflegekräfte ins Leben ruft.

AGVP warnt vor bürokratischen Blockaden bei der Personalgewinnung

Nach Ansicht des Arbeitgeberverbands Pflege scheitert die zügige Integration dringend benötigter Fachkräfte aus dem Ausland noch immer viel zu oft an zähen Behördenprozessen und komplizierten Anerkennungsverfahren. Monatelange Wartezeiten auf Visa, unübersichtliche Dokumentenanforderungen und uneinheitliche Regelungen zwischen den einzelnen Bundesländern lähmen die Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet.

Der Verband mahnt, dass Pflegeheime und ambulante Dienste angesichts des demografischen Wandels auf einen verlässlichen und unkomplizierten Zuzug angewiesen sind. Wenn bürokratische Auflagen nicht spürbar abgebaut und Prüfungen digitalisiert sowie beschleunigt werden, droht vielen Trägern der personelle Kollaps. Pflegekräfte müssten schneller am Pflegebett ankommen, statt wertvolle Monate in Warteschleifen von Behörden zu verlieren.

Pilotprojekt in Bremen: Welcome Center soll Hürden abbauen

Dass praktische Unterstützung vor Ort den Unterschied machen kann, soll ein neues Modellprojekt im Land Bremen unter Beweis stellen. Der Bremer Senat hat den Start eines spezialisierten Welcome Centers für ausländische Pflegekräfte beschlossen. Das Vorhaben soll zugewanderten Pflegekräften sowie jenen, die eine Tätigkeit in Bremen planen, den Start maßgeblich erleichtern.

Die neue Anlaufstelle begleitet internationale Fachkräfte strukturiert und Schritt für Schritt durch die ersten Monate im deutschen Berufs- und Lebensalltag. Das Beratungs- und Unterstützungsangebot deckt wesentliche Hürden ab:

  • Anerkennung von Abschlüssen: Individuelle Begleitung durch die behördlichen Prüfungs- und Gleichwertigkeitsverfahren.
  • Behörden- und Visumsfragen: Hilfestellung bei aufenthaltsrechtlichen Belangen und notwendigen Formalitäten.
  • Alltagsintegration: Unterstützung bei der Kontoeröffnung, der Wohnungssuche sowie der Vermittlung von Betreuungsplätzen für Kinder.
  • Berufliche Orientierung: Gezielte Vorbereitung auf die Besonderheiten des deutschen Gesundheitssystems.

Starke Trägerkooperation für eine gelungene Integration

Umgesetzt wird das Bremer Welcome Center in enger Kooperation mit erfahrenen Partnern aus der Praxis, darunter das Paritätische Bildungswerk sowie die Bremische Schwesternschaft vom Roten Kreuz. Beide Organisationen verfügen über jahrelange Expertise bei der Qualifizierung und Begleitung zugewanderter Arbeitskräfte.

Für die Umsetzung des Modellprojekts werden bis Ende 2027 rund 580.000 Euro bereitgestellt. Die Erfahrungen aus diesem Vorhaben sollen im Anschluss detailliert evaluiert werden, um das Konzept gegebenenfalls dauerhaft zu etablieren und auf weitere medizinische Fachberufe zu übertragen.

Entlastung als Schlüssel für die Zukunft der Pflege

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen zwei Seiten derselben Medaille: Während politische Initiativen wie das Bremer Welcome Center einen wichtigen Baustein für eine gelebte Willkommenskultur darstellen, bleibt der Ruf nach einer bundesweit schlankeren Verwaltung unüberhörbar. Nur wenn zügige Verfahren bei den Migrations- und Anerkennungsbehörden mit einer verlässlichen Begleitung vor Ort Hand in Hand gehen, kann die pflegerische Versorgung nachhaltig abgesichert werden.

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