Weltweite Gesundheitsversorgung: Frauen tragen das System, doch 34 Millionen Fachkräfte fehlen

Dominik Hübenthal
Gesundheitswesen weltweit: Frauenanteil bei fast 70 Prozent, massiver Fachkräftemangel

Das weltweite Gesundheitswesen ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen – und wird heute maßgeblich von Frauen getragen. Nahezu 70 Prozent aller Beschäftigten in der medizinischen Versorgung und Pflege rund um den Globus sind weiblich. Trotz dieser enormen Entwicklung klafft jedoch weiterhin eine dramatische Lücke in der Versorgung: Weltweit fehlen mehr als 34 Millionen Fachkräfte, um eine grundlegende medizinische Versorgung für alle Menschen sicherzustellen.

Historischer Zuwachs durch weibliche Arbeitskräfte

Die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitssektor hat sich in den letzten drei Jahrzehnten fast verdreifacht – von knapp 41 Millionen im Jahr 1990 auf mehr als 122 Millionen Fachkräfte. Mehr als 70 Prozent dieses personellen Zuwachses entfallen auf Frauen. Insbesondere in der Krankenpflege, der Geburtshilfe und der kommunalen Gesundheitsversorgung stellen Frauen den überwiegenden Teil der Belegschaft.

Diese Entwicklung unterstreicht, dass das globale Gesundheitsnetz ohne den Einsatz von Frauen längst zusammengebrochen wäre. Gleichzeitig offenbaren die Erhebungen jedoch strukturelle Ungleichgewichte: Während Frauen in Pflege- und Assistenzberufen dominieren, sind sie in hoch dotierten Facharztpositionen und Führungsebenen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert.

34,4 Millionen Fachkräfte für eine flächendeckende Versorgung nötig

Trotz des personellen Wachstums steht die Gesundheitsversorgung international vor gewaltigen Herausforderungen. Um das Ziel einer verlässlichen Basisversorgung ohne unüberwindbare finanzielle Hürden für Patientinnen und Patienten zu erreichen, fehlen weltweit schätzungsweise 34,4 Millionen Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen sowie Apothekenpersonal.

Die Engpässe verteilen sich dabei extrem ungleich über den Globus:

  • Südostasien und Subsahara-Afrika: In diesen Regionen ist der Mangel an medizinischem Personal am gravierendsten. Viele Gesundheitssysteme verfügen dort über dramatisch niedrige Personaldichten pro Kopf.
  • Industrienationen: Auch wohlhabendere Staaten kämpfen mit dem demografischen Wandel, einer alternden Gesellschaft und zunehmenden Belastungen des bestehenden Personals.
  • Strukturelle Hürden: Schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichende Bezahlung und fehlende Karrierechancen führen vielerorts dazu, dass ausgebildete Fachkräfte den Beruf vorzeitig verlassen.

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und Gleichstellung

Experten warnen davor, dass reines Personalwachstum nicht ausreicht, um die weltweite Versorgungskrise zu bewältigen. Notwendig seien gezielte Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie nachhaltige Strategien, um Pflege- und Gesundheitsfachkräfte langfristig im Beruf zu halten.

Dazu gehören neben einer spürbar besseren Vergütung auch faire Karrierechancen, moderne Arbeitszeitmodelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Abbau von Hierarchien, um weiblichen Fachkräften den Weg in Führungsverantwortung zu ebnen.

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