Antibiotika in Kliniken: RKI warnt vor Stillstand beim Einsparziel

Djamal Sadaghiani
Antibiotikaverbrauch in Kliniken stagniert: RKI schlägt Alarm

Der Einsatz von Antibiotika auf deutschen Krankenhausstationen verharrt auf einem unverändert hohen Niveau. Wie aktuelle Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) verdeutlichen, gibt es im stationären Sektor derzeit kaum messbare Fortschritte bei der Reduzierung der verabreichten Wirkstoffe. Damit droht Deutschland, ein zentrales gesundheitspolitisches Etappenziel aus den Augen zu verlieren.

Nationales Reduktionsziel bis 2030 in weiter Ferne

Die Bundesregierung und Gesundheitsexperten hatten ein klares Ziel formuliert: Bis zum Jahr 2030 soll der Verbrauch von Antibiotika in deutschen Kliniken um insgesamt neun Prozent gegenüber dem Basisjahr 2019 sinken. Die aktuellen Daten des RKI zeigen jedoch eine Seitwärtsbewegung ohne nennenswerten Abwärtstrend. Trotz wachsenden Bewusstseins für einen rationalen Arzneimitteleinsatz bleibt der Gesamtverbrauch im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant.

Warum der stagnierende Verbrauch zum Problem wird

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Säulen der modernen Medizin. Werden sie jedoch zu häufig, zu lange oder ungezielt verabreicht, beschleunigt dies die Entstehung und Verbreitung gefährlicher resistenter Erreger. Für Pflegebedürftige, immungeschwächte Personen und ältere Patienten stellen sogenannte multiresistente Keime (MRE) eine lebensbedrohliche Gefahr dar.

Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass die Stagnation des Verbrauchs verschiedene Ursachen hat:

  • Veränderte Patientenstrukturen: Immer mehr multimorbide und hochbetagte Menschen mit komplexen Infektionen benötigen eine stationäre Behandlung.
  • Diagnostische Unsicherheiten: Aus Vorsicht wird bei unklaren Krankheitsbildern mitunter frühzeitig zu Breitspektrum-Antibiotika gegriffen.
  • Unterschiede im Verschreibungsverhalten: Die Umsetzung strukturierter Programme zum rationalen Einsatz von Antibiotika (Antibiotic Stewardship) ist in den Kliniken noch nicht flächendeckend auf demselben Niveau etabliert.

Forderung nach mehr Unterstützung und gezielter Steuerung

Um die Trendwende zu schaffen, braucht es nach Ansicht von Fachleuten verstärkte Anstrengungen im Klinikalltag. Neben einer schnellen Erregerdiagnostik spielt die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzteteams, Pflegekräften und Infektiologen eine entscheidende Rolle. Nur wenn medizinisches und pflegerisches Personal über ausreichende Ressourcen und zeitnahe Laborbefunde verfügt, lässt sich eine zielgenaue Therapie sicherstellen und eine unnötige Gabe von Reserveantibiotika vermeiden.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.