Kampfansage dem Papierkram: KBV fordert 23 Maßnahmen zum Bürokratieabbau
Unzählige Formulare, langwierige Prüfverfahren und eine Flut an Einzelfallanfragen: Der bürokratische Aufwand in deutschen Arzt- und Psychotherapiepraxen bindet Tag für Tag enorme zeitliche und finanzielle Ressourcen. Um diesen Zustand zu beenden, bekräftigt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ihre Forderungen an die Bundespolitik und legt einen konkreten Maßnahmenkatalog mit 23 Vorschlägen vor.
400 Millionen Euro und acht Arbeitstage Einsparpotenzial
Die aktuellen Entlastungspläne des Bundesgesundheitsministeriums werden von der KBV zwar als richtiger und überfälliger Schritt anerkannt, greifen aus Sicht der Standesvertretung jedoch noch zu kurz. Nach Berechnungen der KBV könnten durch die Umsetzung des gesamten 23-Punkte-Katalogs pro Jahr bundesweit rund 400 Millionen Euro an Verwaltungskosten eingespart werden. Noch entscheidender ist der Zeitgewinn: Pro Praxis würden rechnerisch etwa acht volle Arbeitstage à zehn Stunden frei, die direkt der Versorgung von Patientinnen und Patienten zugutekommen könnten.

Schwerpunkte: Anfragenflut stoppen und Prüfverfahren reformieren
Ein wesentlicher Hebel liegt nach Ansicht der Ärztevertreter bei den zahllosen behördlichen und kassenärztlichen Anfragen. Täglich erreichen Praxen zeitaufwendige Fragebögen von Krankenkassen, Medizinischen Diensten oder Sozialämtern. Die KBV fordert hier:
- Einheitliche digitale Abfragen: Standardisierte Schnittstellen und Formate sollen das zeitintensive manuelle Ausfüllen von Formularen ersetzen.
- Verbot doppelter Datenabfragen: Daten, die den anfragenden Kostenträgern oder Ämtern bereits vorliegen, dürfen nicht erneut von Praxen angefordert werden.
- Klare Bagatellgrenzen bei Prüfungen: Neben der geplanten 300-Euro-Grenze bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen soll eine vergleichbare Grenze auch für Abrechnungsprüfungen gelten.
- Aufwandsentschädigung für ungerechtfertigte Anträge: Müssen sich Praxen mit unbegründeten Prüfanträgen auseinandersetzen, sollten Krankenkassen hierfür finanziell in die Pflicht genommen werden.
Rückenwind für mehr Versorgungsqualität
Die überbordende Bürokratie gilt seit Jahren als eine der größten Hürden für junge Medizinerinnen und Mediziner, eine eigene Praxis zu gründen oder zu übernehmen. Gleichzeitig treibt der Dokumentationsdruck viele ältere Praxisinhaber in den vorzeitigen Ruhestand. Eine konsequente Entlastung durch digitale, schlanke Verfahren ist daher nicht nur eine finanzielle Erleichterung, sondern eine unverzichtbare Säule zur Sicherung der ambulanten und pflegerischen Versorgung in Deutschland.
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