Klinik-Beben in Brandenburg: Rauswurf des Geschäftsführers schürt Privatisierungsängste

Benedikt Hübenthal
Krankenhausreform Brandenburg: Eklat um Elbe-Elster-Klinikum

Die bundesweite Krankenhausreform wirft ihre Schatten voraus und sorgt in vielen Regionen für erhebliche Unruhe. Besonders drastisch zeigen sich die Auswirkungen derzeit in Brandenburg: Im Landkreis Elbe-Elster hat sich ein handfester politischer Eklat rund um die Zukunft der lokalen Gesundheitsversorgung entzündet.

Im Zentrum des Konflikts steht die überraschende Entlassung des bisherigen Geschäftsführers des kommunalen Elbe-Elster-Klinikums. Der parteilose Landrat Marcel Schmidt stellte den langjährigen Klinikchef mit sofortiger Wirkung frei. Als Begründung führte Schmidt an, dass die strategischen Weichenstellungen für die Zukunft des Krankenhauses nicht ausreichend an die aktuellen Anforderungen und bestehenden Kreistagsbeschlüsse angepasst worden seien. In Zeiten, die unbedingtes Vertrauen in die Unternehmensführung erforderten, sah sich der Landrat zu diesem drastischen personellen Schritt gezwungen.

Angst vor schleichender Privatisierung

Für weitaus mehr Zündstoff als die Entlassung selbst sorgt jedoch die Personalie des Nachfolgers. Als Interimsgeschäftsführer wurde ein hochrangiger Manager des privaten Klinikkonzerns Sana eingesetzt. Landrat Schmidt betonte zwar, der neue Leiter solle die Lage objektiv analysieren und das Klinikum gemeinsam mit der Belegschaft zukunftsfähig aufstellen. Doch bei lokalen Politikern und Mitarbeitern schrillen die Alarmglocken. Kritiker befürchten, dass durch die Hintertür eine Privatisierung des kommunalen Krankenhauses vorbereitet werden könnte.

  • Interessenkonflikt vermutet: Die Beratungsfirma, die das Klinikum derzeit extern prüft, arbeitet Berichten zufolge ebenfalls eng mit dem Sana-Konzern zusammen.
  • Scharfe Kritik aus der Politik: Vertreter der lokalen CDU-Fraktion sowie des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) äußerten sich alarmiert. Sie werfen dem Landrat vor, strategische Entscheidungen im Verborgenen vorzubereiten.
  • Vertrauensbruch befürchtet: Eine mögliche Privatisierung wird als massiver Schlag gegen die Interessen der Beschäftigten und Patienten im Landkreis gewertet.

Zentralklinikum vs. Standortschließungen

Hintergrund der massiven Turbulenzen ist ein seit Langem schwelender Streit um die medizinische Infrastruktur in der Region. Das Elbe-Elster-Klinikum betreibt derzeit drei Standorte in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda. Im Zuge der anstehenden Krankenhausreform und eines massiven finanziellen Drucks – für das Jahr 2026 wird im Landkreis ein Defizit von deutlich über 20 Millionen Euro erwartet – steht ein radikaler Umbau an.

Geplant ist der Bau eines neuen, zentralen Krankenhauses, während die bisherigen Standorte in ambulant-stationäre Gesundheitszentren umgewandelt werden sollen. Dieser Plan stößt in der Bevölkerung auf gemischte Gefühle, da viele Bürger um die wohnortnahe Notfallversorgung fürchten.

Bürgermeister schalten sich ein

Die plötzliche Absetzung des Klinikchefs hat die angespannte Lage weiter eskalieren lassen. Inzwischen haben sich auch die Bürgermeister der drei betroffenen Krankenhausstandorte in die Debatte eingeschaltet, um zwischen den Fronten zu vermitteln und den Erhalt der medizinischen Grundversorgung in ihren Kommunen sicherzustellen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es dem neuen Interimsmanagement gelingt, die Wogen zu glätten, oder ob der Streit um das Elbe-Elster-Klinikum zum Präzedenzfall für die harten Verteilungskämpfe wird, die der deutschen Krankenhauslandschaft im Rahmen der Reform noch bevorstehen.

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