Krankenstand geht leicht zurück: Seelische Leiden erstmals Hauptursache für Fehlzeiten
Obwohl der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 eine leichte Entspannung verzeichnet, verschiebt sich das Krankheitsgeschehen in den Betrieben spürbar. Wie aus einer aktuellen Fehlzeitenanalyse der hkk Krankenkasse auf Grundlage von rund 610.000 versicherten Erwerbstätigen hervorgeht, sanken die Arbeitsunfähigkeitszeiten zwar moderat, seelische Belastungen kletterten jedoch erstmals an die Spitze aller Ausfallgründe.
Rückgang bei Infekten, Zuwachs bei seelischen Erkrankungen
Im ersten Halbjahr 2026 lag der Krankenstand bei durchschnittlich 5,0 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Auf jede beschäftigte Person entfielen im Schnitt 18,4 Fehltage. Die Entlastung rührt vor allem von einem deutlichen Rückgang bei klassischen Erkältungs- und Atemwegsinfekten her, die um fast 20 Prozent abnahmen.
Gleichzeitig verzeichneten Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Gesundheit einen sprunghaften Anstieg: Die Fehlzeiten wegen Depressionen, Angststörungen und Belastungsreaktionen stiegen um 9,3 Prozent. Damit lösen psychische Diagnosen die Atemwegserkrankungen als Fehlzeitentreiber Nummer eins ab. Auf dem dritten Rang folgen Erkrankungen des Bewegungs- und Muskel-Skelett-Apparates.
Langzeiterkrankungen belasten Teams und Arbeitgeber
Die Verschiebung hin zu mentalen Diagnosen hat für die betriebliche Praxis gravierende Auswirkungen. Während Atemwegserkrankungen in der Regel nach wenigen Tagen überwunden sind, ziehen seelische Erkrankungen oft mehrwöchige oder monatelange Ausfälle nach sich. Langzeiterkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen machen zwar nur einen kleinen Anteil aller Krankschreibungen aus, sind jedoch für rund 43 Prozent aller Ausfalltage verantwortlich.
- Bundesweite Unterschiede: Während in Stadtstaaten wie Bremen mentale Beschwerden dominieren, führen in Flächenländern wie Niedersachsen vor allem Muskel- und Skelettbeschwerden die Statistik an.
- Bedeutung für die Pflege: Gerade in personell angespannten Berufsfeldern wie dem Gesundheits- und Pflegesektor wirken sich lange Ausfallzeiten besonders belastend auf das verbleibende Kollegium aus.
- Prävention im Fokus: Experten mahnen zu verbesserten Angeboten im betrieblichen Gesundheitsmanagement, um Überlastung frühzeitig zu erkennen und abzufedern.
Fazit: Früherkennung wird zum entscheidenden Faktor
Der leichte Rückgang des Gesamtkrankenstandes darf nicht über die strukturellen Herausforderungen hinwegtäuschen. Weil Langzeitausfälle durch psychische Leiden das Arbeitsumfeld massiv belasten, stehen Arbeitgeber vor der Aufgabe, seelische Gesundheit gezielter zu schützen und frühzeitige Hilfsangebote im Arbeitsalltag zu etablieren.
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