Krebs vorbeugen: Experten fordern schnelles Handeln der Politik
In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 500.000 Menschen neu an Krebs. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch deutlich: Bis zu 40 Prozent dieser Fälle ließen sich durch gezielte Vorbeugung vermeiden. Um dieses enorme Potenzial endlich in die Praxis zu überführen, haben die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels vorgelegt. Die Botschaft der Fachleute ist unmissverständlich: Deutschland leidet nicht unter einem Wissensmangel, sondern unter einem gravierenden Umsetzungsdefizit.
Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Rund 50 Fachleute aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Politik und Zivilgesellschaft haben konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller und verbindlicher im Alltag der Bürgerinnen und Bürger zu verankern. Statt Krankheiten erst bei Ausbruch kostenintensiv zu behandeln, muss der Fokus viel stärker auf der Vermeidung liegen.
Zu den zentralen Handlungsfeldern gehören unter anderem:
- Verhältnisprävention stärken: Gesetzgeberische Rahmenbedingungen zum Schutz vor Risikofaktoren wie Tabakkonsum, übermäßigem Alkoholkonsum und ungesunder Ernährung mit hohem Zuckergehalt.
- Lebenswelten einbeziehen: Kitas, Schulen und Arbeitsplätze müssen systematisch genutzt werden, um gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung von klein auf zu fördern.
- Niedrigschwellige Zugänge: Präventions- und Vorsorgeangebote müssen barrierefrei gestaltet sein, damit alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreicht werden.
- Impfquoten steigern: Konsequente Aufklärung und besserer Zugang zu wirksamen Schutzimpfungen, beispielsweise gegen Humane Papillomviren (HPV), die bestimmte Krebsarten verursachen können.
Entlastung für das Gesundheits- und Pflegesystem
Eine konsequente Vorbeugung rettet nicht nur unzählige Menschenleben und verhindert persönliches Leid, sondern stabilisiert auch die Versorgungsstrukturen. Chronische Erkrankungen stellen das gesamte Gesundheitswesen sowie den Pflegebereich vor wachsende Herausforderungen. Jeder vermiedene Krankheitsfall entlastet medizinisches Personal, Pflegedienste und Angehörige nachhaltig.
Politik steht vor der Umsetzung
Nach den wissenschaftlichen Vorarbeiten liegt der Ball nun im Feld der politischen Entscheidungsträger auf Bundes- und Länderebene. Die Initiatoren des Gipfels fordern, Prävention als ressortübergreifende Querschnittsaufgabe in der Gesetzgebung zu etablieren. Regelmäßige Überprüfungen sollen künftig sicherstellen, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen auch tatsächlich Wirkung im Alltag entfalten.
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