Kritik an Apps auf Rezept: AOK fordert striktere Regeln und Preisstopp
Digitale Gesundheitsanwendungen, sogenannte DiGA oder „Apps auf Rezept“, gehören inzwischen zum festen Versorgungsangebot im deutschen Gesundheitswesen. Doch die Kritik an den Rahmenbedingungen reißt nicht ab. In einem aktuellen Positionspapier drängt der AOK-Bundesverband auf grundlegende Reformen, um die Beitragsgelder der Versicherten besser zu schützen und die Behandlungsqualität sicherzustellen.
Ende der unregulierten Herstellerpreise gefordert
Ein zentraler Kritikpunkt der Krankenkassen ist das bisherige Preismodell. Hersteller können im ersten Jahr nach der Zulassung einer Anwendung den Erstattungspreis weitgehend frei bestimmen, bevor reguläre Verhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung greifen. Laut dem AOK-Bundesverband führt diese Praxis zu unverhältnismäßig hohen Kosten für das Gesundheitssystem. Die Kassen fordern daher, diese unregulierte Preisgestaltung im ersten Jahr vollständig abzuschaffen und von Beginn an verhandelte Höchstpreise anzusetzen.
Gleiche Nutzenanforderungen wie bei anderen Therapien
Neben den Kosten steht die wissenschaftliche Evidenz im Fokus. Bislang können digitale Helfer über eine vorläufige Erprobungsregelung erstattungsfähig werden, während der endgültige Nutzennachweis erst im Nachgang erbracht werden muss. Die AOK spricht sich dafür aus, diese Ausnahmeregelung zu streichen. Für digitale Anwendungen müssten dieselben hohen Anforderungen an den medizinischen Nutzen gelten wie für alle anderen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Mehr Transparenz und Schutz vor Fehlversorgung
Um Fehlinvestitionen und vorzeitige Therapieabbrüche zu vermeiden, schlägt die Krankenkassengemeinschaft weitere konkrete Maßnahmen vor:
- Verpflichtender Testzeitraum: Versicherte sollen eine digitale Anwendung zunächst unverbindlich ausprobieren können, um festzustellen, ob sie in ihren Alltag passt, bevor die Kasse den vollen Vergütungsbetrag übernimmt.
- Eigene Kostenbeteiligung: Diskutiert wird zudem eine moderate Selbstbeteiligung, um die Verbindlichkeit bei der Nutzung zu stärken.
- Regulierung kommerzieller Rezept-Portale: Reine Online-Verordnungsservices, die ohne echten medizinischen Behandlungskontext agieren, sollen konsequent unterbunden werden.
Bedeutung für die Versorgungslandschaft
Apps und digitale Helfer bieten gerade in der Begleitung chronischer Erkrankungen und in der häuslichen Pflege großes Potenzial. Damit sie jedoch eine dauerhaft verlässliche Stütze bleiben, bedarf es klarer Qualitätsstandards und wirtschaftlicher Leitplanken. Die kommenden gesundheitspolitischen Beratungen werden zeigen, inwieweit der Gesetzgeber die Forderungen nach strengeren Vorgaben für digitale Helfer aufgreift.
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