Kürzungen bei Psychotherapie: Verbände schlagen Alarm

Benedikt Hübenthal
GKV-Gesetz: Psychotherapeuten fordern faire Vergütung für alle Leistungen

Die geplante Finanzreform im deutschen Gesundheitssystem sorgt für massive Unruhe in der psychotherapeutischen Versorgung. Im Zentrum der Kritik steht das kürzlich verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Dieses sieht vor, die sogenannte extrabudgetäre Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab 2027 zu streichen. Fachverbände warnen nun eindringlich vor den fatalen Folgen für Patientinnen und Patienten.

Therapieplätze in akuter Gefahr

Ab dem 1. Januar 2027 sollen psychotherapeutische Behandlungen wieder einem festen Budget unterliegen. Was in der Bundespolitik als notwendige Maßnahme zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge deklariert wird, bedeutet für die Praxis einen drastischen Einschnitt. Laut übereinstimmenden Warnungen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bedroht diese Deckelung nicht nur die wirtschaftliche Existenz vieler Praxen, sondern geht vor allem zulasten der Hilfesuchenden. Die ohnehin schon langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz könnten sich durch den erwarteten Abbau von Kapazitäten weiter verschärfen.

Geplante Nachbesserungen sind "unzureichend"

Die Regierungskoalition hat auf die anhaltende Kritik reagiert und in einem Entschließungsantrag Korrekturen angekündigt, die nach der parlamentarischen Sommerpause umgesetzt werden sollen. So sollen beispielsweise die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie die Behandlung von schwer psychisch erkrankten Menschen weiterhin extrabudgetär vergütet werden.

Für die großen Psychotherapieverbände ist dieser Kompromiss jedoch bei Weitem nicht ausreichend. Sie betonen, dass eine strikte Deckelung der Psychotherapie weder aus fachlicher noch aus volkswirtschaftlicher Sicht Sinn ergibt. Die Verbände fordern daher unmissverständlich den Erhalt der extrabudgetären Vergütung für sämtliche psychotherapeutische Leistungen.

Die zentralen Forderungen der Therapeuten im Überblick:

  • Keine Budgetierung: Vollständiger Erhalt der extrabudgetären Vergütung für alle Leistungen in der Psychotherapie.
  • Sicherheit für Praxen: Gesetzliche Schutzregelungen für eine angemessene und verlässliche Honorierung der behandelnden Fachkräfte.
  • Versorgungssicherheit: Konsequente Verhinderung eines weiteren Abbaus von dringend benötigten Therapieplätzen für vulnerable Gruppen.

Ob die Politik im Herbst noch einmal grundlegend einlenken wird, bleibt abzuwarten. Für unzählige Menschen, die dringend auf professionelle psychologische Hilfe angewiesen sind, steht jedoch viel auf dem Spiel. Eine verlässliche Finanzierung gilt als absolutes Fundament, um der wachsenden Zahl an psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft adäquat begegnen zu können.

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