Lebensretter Muttermilch: Besserer Schutz für Frühgeborene gefordert

Dominik Hübenthal
Muttermilch für Frühgeborene: Projekt Neo-Milk fordert bundesweiten Ausbau

Für Frühgeborene ist sie weit mehr als nur Nahrung: Muttermilch gleicht einem hochwirksamen Medikament, das die winzigen Patienten vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützt. Doch nicht immer können Mütter von Frühchen sofort nach der Geburt stillen. Das erfolgreiche Projekt "Neo-Milk" hat nun eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Versorgung durch sogenannte Humanmilchbanken drastisch verbessern lässt. Die positiven Ergebnisse rufen jetzt die Politik auf den Plan.

Ein natürlicher Schutzschild für die Kleinsten

Kommen Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt, sind ihre Organe oft noch nicht vollständig ausgereift. Laut medizinischen Experten ist in dieser kritischen Phase die Ernährung mit Muttermilch von unschätzbarem Wert. Sie liefert nicht nur essenzielle Nährstoffe, sondern auch lebenswichtige Antikörper. Diese bewahren Frühgeborene vor schweren Darmerkrankungen und gefährlichen Infektionen.

Das praktische Problem im Klinikalltag: Bei einer unerwarteten Frühgeburt verzögert sich oft der natürliche Milcheinschuss der Mutter. Um diese gefährliche Versorgungslücke zu schließen, ist Spenderinnenmilch eine rettende Alternative. Genau hier setzte das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt "Neo-Milk" an.

Erfolgsmodell Humanmilchbanken

Das klare Ziel von Neo-Milk war es, jedem Frühgeborenen ab dem ersten Lebenstag Zugang zu Muttermilch oder humaner Spenderinnenmilch zu ermöglichen. Die Auswertungen der Studie sind vielversprechend: An neun der 15 beteiligten Studienkliniken konnten erfolgreich neue Humanmilchbanken etabliert werden.

Zudem wurde ein umfassendes Stillförderungskonzept umgesetzt. Pflegekräfte und Ärzteteams wurden speziell geschult, um betroffene Eltern emotional und fachlich gezielter zu unterstützen – unter anderem durch eine eigens entwickelte Informations-App. Durch diese strukturierten Maßnahmen konnte der Anteil der Frühgeborenen, die bei ihrer Entlassung aus der Klinik ausschließlich mit Muttermilch ernährt wurden, signifikant gesteigert werden.

Die Politik ist nun am Zug

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts drängt der Innovationsausschuss des G-BA nun auf eine flächendeckende Umsetzung in ganz Deutschland. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden offiziell an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie an die Gesundheitsministerkonferenz der Länder weitergereicht.

  • Prüfung der Umsetzung: Die zuständigen Ministerien sollen nun evaluieren, wie die Projektergebnisse in künftige Initiativen zur Versorgung von Frühgeborenen fest integriert werden können.
  • Finanzierung: Im Raum stehen beispielsweise gezielte Anschubfinanzierungen auf Landesebene, um weiteren Krankenhäusern den zeit- und kostenintensiven Aufbau eigener Muttermilchbanken zu erleichtern.

Für die kleinsten und verletzlichsten Patienten in Deutschland könnte ein bundesweiter Ausbau dieser Strukturen ein entscheidender Schritt hin zu einem gesünderen Start ins Leben sein. Es bleibt nun zu hoffen, dass die politischen Akteure die Empfehlungen aus der Wissenschaft zügig in die Tat umsetzen.

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