Medikamenten-Mix erhöht Sturzrisiko bei Hochbetagten drastisch
Für ältere Menschen können Stürze gravierende Folgen haben: Sie führen nicht selten zu Knochenbrüchen, einem Verlust der Selbstständigkeit oder gar dauerhafter Pflegebedürftigkeit. In Deutschland stürzt fast jeder zweite Mensch im Alter ab 80 Jahren mindestens einmal im Jahr. Während altersbedingte Muskelschwäche und Sehprobleme oft im Fokus stehen, rückt ein weiterer, maßgeblicher Risikofaktor zunehmend in das Blickfeld der Forschung: die sogenannte Polypharmazie, also die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente.
Wenn Medikamente zur Stolperfalle werden
Mit zunehmendem Alter steigen chronische Vorerkrankungen – und damit die Zahl der täglichen Tabletten. Werden jedoch fünf oder mehr verschiedene Präparate gleichzeitig eingenommen, steigt die Gefahr von unvorhersehbaren Wechselwirkungen und Nebenwirkungen erheblich. Einer im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Untersuchung zufolge spielen dabei insbesondere sturzfördernde Arzneistoffe, im Fachjargon als FRID-Medikamente (fall-risk-increasing drugs) bezeichnet, eine entscheidende Rolle.
Zu diesen riskanten Wirkstoffgruppen gehören unter anderem:
- Sedativa und Schlafmittel: Sie mindern die Reaktionsfähigkeit und können Schläfrigkeit am Tag verursachen.
- Psychopharmaka und Antidepressiva: Sie beeinflussen das Nervensystem, was Schwindel und Gangunsicherheiten auslösen kann.
- Blutdrucksenker und Diuretika: Eine zu starke Senkung des Blutdrucks oder ein Flüssigkeitsverlust können beim raschen Aufstehen zu plötzlicher Benommenheit (orthostatischer Hypotonie) führen.
- Starke Schmerzmittel: Opioide dämpfen die Wachheit und beeinträchtigen das Gleichgewichtsgefühl.
Schleichende Gefahr im Pflegealltag
Oftmals werden neue Beschwerden fälschlicherweise als fortschreitender Alterungsprozess abgetan, obwohl es sich um Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln handelt. Wenn mehrere Fachärzte Medikamente verordnen, ohne dass eine zentrale Stelle den Überblick behält, potenziert sich das Risiko. Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ist es daher essenziell, Veränderungen in der Motorik und Wachheit genau zu beobachten.
Praktische Tipps für mehr Sicherheit
Um das Sturzrisiko zu minimieren, sollten Betroffene und Pflegekräfte aktiv werden:
1. Regelmäßiger Medikations-Check
Lassen Sie den gesamten Medikationsplan mindestens einmal im Jahr vom Hausarzt oder in der Apotheke überprüfen. Oft können Dosierungen angepasst, entbehrliche Präparate abgesetzt oder sicherere Alternativen gewählt werden.
2. Bundesweiter Medikationsplan (BMP)
Wer regelmäßig mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt, hat Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan. Dieser sollte stets aktuell gehalten und zu jedem Arzttermin mitgenommen werden.
3. Sturzprävention im Wohnumfeld
Kombinieren Sie die medikamentöse Überprüfung mit gezielter Sturzprophylaxe. Dazu gehören das Entfernen von Stolperfallen wie Teppichkanten, die Installation von Haltegriffen sowie regelmäßige, altersgerechte Gleichgewichts- und Kraftübungen.
Ein bewusster und kritischer Umgang mit Arzneimitteln im Alter kann Leben retten und die Selbstständigkeit von Senioren nachhaltig bewahren.
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