Medizinischer Dienst fordert Reform: Stillstand bei Patientenrechten beenden
Tausende Menschen erleiden jedes Jahr im Rahmen medizinischer oder pflegerischer Behandlungen vermeidbare Schäden. Laut der aktuellen Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes wurden bundesweit in rund 3.100 Fällen Behandlungsfehler bestätigt, die zu gesundheitlichen Schäden bei Betroffenen führten. Angesichts dieser Zahlen üben die Gutachter deutliche Kritik an den bestehenden Regelungen und mahnen eine umfassende Reform des Patientenrechtegesetzes an.
Hohe Dunkelziffer und alarmierende Einzelfälle
Die offiziell begutachteten Fälle spiegeln Experten zufolge nur die Spitze des Eisbergs wider. Bundesweit prüften die Fachärztinnen und Fachärzte des Medizinischen Dienstes mehr als 11.700 Verdachtsfälle. In knapp 2.700 Begutachtungen war der nachgewiesene Fehler direkt für den entstandenen Gesundheitsschaden verantwortlich, in knapp 100 Fällen führte er gar zum Tod oder trug maßgeblich dazu bei.
Besondere Sorge bereitet den Gutachtern die Zunahme sogenannter Never Events – schwerwiegende Vorkommnisse, die durch etablierte Sicherheitsroutinen eigentlich vollständig vermeidbar sein müssten. Hierzu zählen unter anderem:
- Verwechslungen von Patientinnen, Patienten oder Operationsseiten
- Im Körper verbliebene Fremdkörper wie OP-Materialien
- Schwere Medikations- und Dosierungsfehler
Forderung nach Runderneuerung des Patientenrechtegesetzes
Seit Jahren fordern Patientenorganisationen und der Medizinische Dienst eine Nachbesserung des bestehenden Patientenrechtegesetzes. Derzeit liegt die Beweislast bei vermuteten Behandlungsfehlern weitgehend bei den Betroffenen selbst. Für Laien ist es oft extrem schwierig, Behandlungsabläufe juristisch und medizinisch lückenlos nachzuweisen.
Gefordert werden konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Patientensicherheit:
- Meldepflicht für Never Events: Schwerwiegende, vermeidbare Fehler sollen verpflichtend und zentral erfasst werden, um systematische Risiken schneller zu erkennen.
- Erleichterte Beweisregeln: Betroffene benötigen fairere Rahmenbedingungen, wenn grobe Behandlungs- oder Dokumentationsfehler vorliegen.
- Unabhängiges Fehlermelderegister: Eine anonyme, übergeordnete Fehlerkultur im Klinik- und Pflegealltag soll geschaffen werden, um aus Zwischenfällen nachhaltig zu lernen.
Was Betroffene bei Verdacht auf Fehler tun können
Wer vermutet, dass bei einer ärztlichen oder pflegerischen Versorgung ein gravierender Fehler unterlaufen ist, sollte zeitnah handeln. Gesetzlich Krankenversicherte haben das Recht, ihre Krankenkasse um Unterstützung zu bitten. Diese veranlasst in der Regel eine kostenfreie Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. Zudem empfiehlt sich das frühzeitige Anfordern der vollständigen Patientenakte sowie das Führen eines detaillierten Gedächtnisprotokolls.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

