Mehr Sicherheit am Lebensende: LMU München erweitert Datenbank für Palliativmedizin
Die medikamentöse Versorgung von schwerstkranken Menschen am Lebensende ist eine hochkomplexe Aufgabe. Oftmals stoßen Ärzte und Pflegekräfte dabei an rechtliche und medizinische Grenzen, da für viele belastende Symptome keine speziell zugelassenen Medikamente existieren. Genau hier setzt das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München an: Die bewährte Datenbank "pall-OLU" für den sogenannten Off-Label-Use in der Palliativmedizin wurde nun maßgeblich ausgebaut.
Was bedeutet Off-Label-Use in der Palliativpflege?
Unter Off-Label-Use versteht man den Einsatz von Medikamenten außerhalb ihrer behördlich zugelassenen Anwendungsgebiete. In der Palliativmedizin ist dieses Vorgehen nicht die Ausnahme, sondern oftmals die Regel. Ob es um die Linderung von schwerster Atemnot, terminaler Unruhe oder hochkomplexen Schmerzzuständen geht – häufig müssen Arzneimittel in einer anderen Dosierung, für ein anderes Symptom oder über einen alternativen Weg (beispielsweise subkutan statt als Tablette) verabreicht werden. Die tägliche Herausforderung für das medizinische und pflegerische Fachpersonal besteht darin, trotz fehlender formeller Zulassung eine sichere, evidenzbasierte und wirksame Therapie zu gewährleisten.
35 neue Therapieempfehlungen für mehr Sicherheit
Um diese Wissenslücke im klinischen Alltag zu schließen, hat das pharmazeutische Expertenteam der Klinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums die frei zugängliche Plattform pall-OLU ins Leben gerufen. Wie das Projektteam nun bekannt gab, wurde die Datenbank jüngst um 35 neue Therapieempfehlungen erweitert.
Die Erstellung dieser Empfehlungen folgt strengen wissenschaftlichen Kriterien. In einem mehrstufigen Konsensverfahren, dem sogenannten Delphi-Prozess, werden die Daten von Experten aus der Palliativmedizin und Palliativpharmazie intensiv diskutiert und abgestimmt. Das Ziel ist eindeutig: Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte sollen im oftmals stressigen Arbeitsalltag schnell und zuverlässig fundierte Entscheidungen treffen können, die auf der besten verfügbaren Evidenz basieren.
Unabhängigkeit als oberstes Gebot
Ein entscheidender Faktor für die Glaubwürdigkeit und Qualität der Datenbank ist ihre absolute Unabhängigkeit. Die Plattform wird maßgeblich von der Deutschen Krebshilfe gefördert, die erst kürzlich eine Anschlussfinanzierung bis zum Jahr 2028 bewilligt hat. Weitere Mittel stammen aus dem LMU Klinikum selbst sowie aus privaten Spenden. Die Pharmaindustrie oder andere wirtschaftliche Interessenverbände sind an der Finanzierung ausdrücklich nicht beteiligt. Dies garantiert, dass die Therapieempfehlungen ausschließlich dem Wohl der vulnerablen Patienten dienen.
Ein unverzichtbares Werkzeug für den Pflegealltag
Für Pflegekräfte und Mediziner in der Hospiz- und Palliativversorgung ist die aktualisierte Datenbank ein enormer Gewinn. Sie bietet konkrete Hilfestellungen für den Berufsalltag:
- Klarheit: Präzise Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen auf einen Blick.
- Sicherheit: Wissenschaftlich fundierte Rückendeckung bei schwierigen Therapieentscheidungen.
- Zugänglichkeit: Die Plattform ist vollständig kostenfrei und ohne aufwendige Registrierung nutzbar.
Mit der jüngsten Erweiterung unterstreicht das LMU Klinikum München einmal mehr seine Vorreiterrolle in der Palliativversorgung. Die kontinuierliche Pflege und der Ausbau der pall-OLU-Datenbank tragen entscheidend dazu bei, dass schwerstkranke Patienten am Lebensende bestmöglich und sicher versorgt werden können – unabhängig davon, ob sie ambulant zu Hause, im Pflegeheim oder stationär in einem Hospiz betreut werden.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

