Statine im Alter: Cholesterinsenker schützen das Herz, aber nicht vor Pflegebedürftigkeit

Djamal Sadaghiani
Cholesterinsenker im Alter: Was Statine für Senioren wirklich leisten

Statine zählen weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln. Sie senken zuverlässig das gefäßschädigende LDL-Cholesterin und beugen Herzinfarkten sowie Schlaganfällen vor. Doch welchen konkreten Nutzen bringt eine Statin-Therapie, wenn sie erst im hohen Alter begonnen wird? Eine neue, umfangreiche klinische Langzeitstudie bei über 70-jährigen Teilnehmenden liefert dazu nun aufschlussreiche und differenzierte Ergebnisse.

Herz-Kreislauf-Risiko sinkt spürbar

Die Untersuchung überprüfte die Wirkung einer hochdosierten Behandlung mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin über einen Zeitraum von sechs Jahren. Das Ergebnis hinsichtlich der Gefäßgesundheit fiel positiv aus: Das Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte konnte durch die medikamentöse Therapie um rund 30 Prozent verringert werden. Aus kardiologischer Sicht bestätigt die Studie damit die schützende Wirkung des Wirkstoffs auf das Gefäßsystem auch im fortgeschrittenen Lebensalter.

Kein Einfluss auf Demenz und Selbstständigkeit

Gleichzeitig untersuchten die Forscher jedoch einen Endpunkt, der für Senioren und pflegende Angehörige von zentraler Bedeutung ist: die sogenannte behinderungsfreie Lebenserwartung. Hierbei zeigte sich ein ernüchterndes Bild. Weder das Auftreten von Demenzerkrankungen noch dauerhafte körperliche Funktionseinschränkungen oder die Gesamtsterblichkeit ließen sich durch die Einnahme von Atorvastatin messbar reduzieren.

Das bedeutet: Obwohl weniger Herz-Kreislauf-Vorfälle auftraten, führte die Medikation bei den betagten Teilnehmern insgesamt nicht dazu, dass diese länger frei von Pflegebedürftigkeit und geistigem Abbau blieben.

Individuelle Therapieziele im Alter abwägen

Für die geriatrische und hausärztliche Versorgung unterstreichen die Erkenntnisse die Notwendigkeit einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Während bei jüngeren Patienten die langfristige Senkung von Cholesterin klar im Vordergrund steht, gewinnen im hohen Alter Fragen der Lebensqualität, der Vermeidung von Nebenwirkungen und die Reduktion von Multimedikation an Gewicht.

Patienten und pflegende Angehörige sollten Statin-Verordnungen keinesfalls eigenmächtig absetzen, sondern bestehende Medikationspläne regelmäßig gemeinsam mit dem behandelnden Arzt überprüfen. Dabei sollte offen besprochen werden, welche Behandlungsziele im individuellen Alltag die höchste Priorität besitzen.

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