Notrufzentralen unter Dauerdruck: Gewerkschaft schlägt Alarm

Benedikt Hübenthal
Leitstellen am Limit: Feuerwehr-Gewerkschaft fordert Zulagen

Täglich gehen in den Notrufzentralen tausende Hilferufe ein. Disponentinnen und Disponenten koordinieren nicht nur Rettungswagen und Einsatzkräfte, sondern leiten Anrufer in lebensbedrohlichen Situationen oft sekundenlang bei Wiederbelebungsmaßnahmen an. Doch hinter den Kulissen der Notrufnummer 112 spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) warnt vor einer massiven Überlastung des Personals und fordert eine gerechte tarifliche Anerkennung der Leitstellentätigkeit.

Massive Arbeitsverdichtung und technische Hürden

Das Notrufaufkommen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig verschärfen wiederkehrende technische Störungen und veraltete Systeme die ohnehin angespannte Situation am Arbeitsplatz. Für die Beschäftigten bedeutet das eine enorme psychische und physische Dauerbeanspruchung.

Die Gewerkschaft betont, dass sich das Personal kontinuierlich weiterbildet und immer komplexere Aufgaben übernimmt. Dennoch spiegelt sich dieses hohe Maß an Verantwortung im Tarifgefüge bislang kaum wider. Im Tarifvertrag der Länder (TV-L) fehle es an angemessenen Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven für das Leitstellenpersonal.

Anerkennung darf nicht an der Fahrzeughalle enden

Während für Einsatzkräfte im Fahrdienst bereits erste finanzielle Ausgleiche wie Belastungspauschalen oder Zulagen für Praxisanleiter geschaffen wurden, gehen die Beschäftigten in den Einsatzzentralen bisher leer aus. Aus Sicht der Gewerkschaft ist dieses Ungleichgewicht nicht länger tragbar. Leitungs-, Koordinierungs- und Ausbildungsfunktionen müssten überall im System adäquat honoriert werden – genau wie in anderen handwerklichen oder technischen Berufsfeldern.

Abwanderung droht die Notfallversorgung zu gefährden

Die fehlende Wertschätzung und die anhaltende Überlastung zeigen bereits spürbare Konsequenzen im Arbeitsalltag:

  • Verlust erfahrener Fachkräfte: Qualifiziertes Personal verlässt den Leitstellendienst oder wechselt in andere Bundesländer mit besseren Rahmenbedingungen.
  • Wachsende Personalengpässe: Die Rekrutierung neuer Disponenten wird zunehmend schwieriger und kostenintensiver.
  • Gefahr für die Hilfsfristen: Ein chronischer Personalmangel in der Annahme und Disposition gefährdet letztlich das reibungslose Funktionieren der gesamten Rettungskette.

Um die Funktionsfähigkeit der Notrufsysteme nachhaltig zu sichern, fordert die DFeuG die Verantwortlichen der Tarifgemeinschaft dazu auf, die Leitstellenkräfte nicht länger zu vernachlässigen und ihre zentrale Rolle in der Notfallrettung durch verbindliche Zulagen und bessere Arbeitsbedingungen zu stärken.

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