Prävention als Chefsache: Wissenschaft fordert radikale Wende im Gesundheitsschutz
Gesundheit entsteht nicht erst beim Arzt oder im Krankenhaus, sondern im Alltag der Menschen. Um chronischen Krankheiten, Krebs und einer Überlastung des Pflegesystems effektiv vorzubeugen, schlagen führende Wissenschafts- und Gesundheitsorganisationen wie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Wissenschaftsrat und die Deutsche Krebshilfe Alarm. Ihre Kernforderung: Prävention darf nicht länger allein die Aufgabe des Gesundheitsministeriums sein, sondern muss als ressortübergreifendes Leitprinzip in allen politischen Ressorts verankert werden.
Gesundheit in allen Politikbereichen verankern
Die Experten fordern die Umsetzung des internationalen Prinzips „Health in All Policies“ (Gesundheit in allen Politikfeldern). Ob Verkehrsplanung, Bildungspolitik, Stadtentwicklung, Arbeitsmarkt oder Steuersystem – politische Weichenstellungen in nahezu jedem Bereich haben direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Lebenserwartung der Bevölkerung.
- Ernährung und Steuern: Finanzielle Anreize für gesunde Lebensmittel sowie Beschränkungen beim Marketing für ungesunde Produkte, insbesondere an Kinder.
- Lebensraum und Mobilität: Förderung von Bewegung durch sichere Radwege, begrünte Städte und emissionsarme Verkehrskonzepte.
- Arbeit und Bildung: Frühzeitige Gesundheitsbildung an Schulen und Kitas sowie verbindliche Standards für betriebliches Gesundheitsmanagement.
Entlastung für Pflege und Sozialsysteme
Ein funktionierendes Präventionssystem ist nach Ansicht der Initiatoren der wirksamste Hebel, um den demografischen Wandel und den drohenden Pflegenotstand abzufedern. Werden Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Tabak- und Alkoholkonsum, Fehlernährung und chronischer Stress frühzeitig eingedämmt, lassen sich schwere Folgeerkrankungen im Alter signifikant reduzieren oder hinauszögern.
Dadurch gewinnen die Menschen nicht nur mehr gesunde Lebensjahre, sondern es werden auch die personellen und finanziellen Ressourcen in Krankenhäusern und Pflegeheimen nachhaltig geschont.
Gemeinsame Strategie gefordert
Die beteiligten Spitzenorganisationen fordern die Bundesregierung sowie die Bundesländer auf, verbindliche Strukturen für eine ressortübergreifende Zusammenarbeit zu schaffen. Prävention müsse endlich strategisch gesteuert, wissenschaftlich evaluiert und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden, um Deutschland zukunftssicher und gesund aufzustellen.
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