Rückschlag bei Long-COVID: Bekannte Medikamente zeigen kaum Wirkung gegen Fatigue

Dominik Hübenthal
Long-COVID: Colchicin und Antihistaminika enttäuschen in Studie

Für Millionen von Menschen, die an Long-COVID leiden, ist chronische Erschöpfung – auch Fatigue genannt – ein ständiger und zermürbender Begleiter. Die Hoffnung auf eine medikamentöse Linderung ist bei den Betroffenen verständlicherweise groß. Doch eine aktuelle Untersuchung dämpft nun die Erwartungen an bestimmte, bereits zugelassene Medikamente drastisch.

Hoffnungsträger im Test: Colchicin und Antihistaminika

In der medizinischen Forschung wird weltweit intensiv nach bestehenden Arzneien gesucht, die bei Long-COVID helfen könnten (sogenanntes Drug Repurposing). Eine groß angelegte, randomisierte Studie, deren Ergebnisse kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht wurden, nahm dabei drei spezifische Wirkstoffe unter die Lupe:

  • Colchicin: Ein bekannter und starker Entzündungshemmer.
  • Famotidin und Loratadin: Zwei bewährte Antihistaminika, die normalerweise bei Allergien oder Magenbeschwerden zum Einsatz kommen.

Die Hypothese der Forscher war einleuchtend: Da Long-COVID oft mit anhaltenden Entzündungsreaktionen und einer Überaktivität des Immunsystems einhergeht, könnten diese Medikamente die belastenden Symptome, insbesondere die lähmende Erschöpfung, gezielt lindern.

Ernüchternde Ergebnisse nach 12 Wochen

Die Probanden wurden über einen Zeitraum von 12 Wochen entweder mit den genannten Medikamenten oder einem Placebo (Scheinmedikament) behandelt. Die anfänglichen Beobachtungen zeigten zwar eine leichte Verbesserung der Fatigue-Symptomatik bei den medikamentös behandelten Patienten im direkten Vergleich zur Placebo-Gruppe. Doch dieser minimale Erfolg war leider nicht von Dauer.

Wie die Studienautoren berichten, verflüchtigte sich der positive Effekt vollständig innerhalb der folgenden 12 Wochen nach Behandlungsende. Langfristig boten somit weder Colchicin noch die Antihistaminika-Kombination einen nachhaltigen gesundheitlichen Vorteil für die Betroffenen.

Auch Blutverdünner ohne Wirkung

Zusätzlich zur Untersuchung von Entzündungshemmern und Antiallergika wurde in der bisher größten kontrollierten Studie zu Long-COVID auch der Einsatz des Blutverdünners Rivaroxaban in niedriger Dosierung getestet. Der Hintergrund hierfür ist, dass sogenannte Mikroverklumpungen im Blut als eine mögliche Ursache für Long-COVID-Symptome diskutiert werden. Leider brachte auch dieser Ansatz keinen therapeutischen Nutzen. Die Forscher fanden keinerlei Hinweise auf eine Wirksamkeit des Antikoagulans bei der Behandlung der Langzeitfolgen einer Corona-Infektion.

Was bedeutet das für Patienten?

Für Betroffene und behandelnde Ärzte sind diese Studienergebnisse zweifellos ein Rückschlag. Sie unterstreichen eindrücklich, wie komplex und schwer fassbar das Long-COVID-Syndrom nach wie vor ist. Die Suche nach einer wirksamen, kausalen Therapie geht jedoch unvermindert weiter.

Bis spezifische und nachweislich wirksame Medikamente gefunden sind, bleibt die Behandlung von Long-COVID vorerst symptomorientiert. Sie erfordert individuelle, oft multidisziplinäre Therapieansätze, die aus Physiotherapie, psychologischer Begleitung und einem strikt angepassten Energiemanagement (Pacing) bestehen, um den Alltag der Patienten so erträglich wie möglich zu gestalten.

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