Smarte Helfer im Klinikalltag: Modulare Roboter entlasten das Pflegepersonal
Der personelle Engpass in den Kliniken spitzt sich seit Jahren zu, während bürokratische Auflagen und zeitraubende Routineaufgaben wertvolle Versorgungszeit kosten. Pflegefachkräfte verbringen oft viele Stunden damit, Materialien zu holen, Angehörigen den Weg zu weisen oder nachts auf den Gängen nach dem Rechten zu sehen. Genau an dieser Schnittstelle setzen moderne Technologien an: Wie Serviceroboter das Personal bei nicht-medizinischen Aufgaben gezielt unterstützen können, demonstrieren aktuelle Ergebnisse des grenzüberschreitenden Forschungsprojekts HospiBot.
Erfolgreicher Praxistest in vier Kliniken
Drei Jahre lang erprobten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität zu Lübeck, der Fachhochschule Kiel sowie der dänischen Syddansk Universitet zusammen mit vier Partnerkrankenhäusern den Praxiseinsatz von Assistenzsystemen auf Krankenhausfluren. Die mit rund 1,68 Millionen Euro über die EU-Initiative Interreg geförderte Initiative zog nun eine durchweg positive Bilanz: Flexible Technik kann Pflegekräfte merklich entlasten und für mehr Freiräume im unmittelbaren Patientenkontakt sorgen.
Ein modulares System für vielfältige Aufgaben
Anstelle starrer Einzelgeräte setzt das Konzept auf eine fahrende, autonome Grundplattform, die je nach Bedarf mit unterschiedlichen Aufbauten kombiniert werden kann. Daraus ergeben sich drei wesentliche Einsatzfelder:
- Empfang und Wegweisung: Der humanoide Assistent „HuGo“ begrüßt Patientinnen sowie Besucher, beantwortet Orientierungsfragen und begleitet Hilfesuchende direkt zu den gewünschten Stationen oder Fachabteilungen.
- Interne Transporte: Eine autonome Transportbox übernimmt den geschützten Transport kleinerer Güter wie Laborproben, Befunde oder Medikamente und erspart dem Klinikpersonal weite Fußwege.
- Sicherheits- und Telepräsenzrundgänge: Das Modul „Tele“ patrouilliert vor allem in den Nachtstunden durch die Flure. Mithilfe von Radar- und Wärmebildsensorik erkennt das System hilfsbedürftige Personen völlig datenschutzkonform und ermöglicht bei Bedarf eine direkte Bild- und Tonverbindung zur diensthabenden Pflegekraft.
Digitale Unterstützung auch bei der Einarbeitung
Ergänzend zu den mobilen Plattformen wurde im Rahmen der Forschungsarbeit ein KI-gestützter Sprachtrainer erprobt. Ein sogenannter sozialer Roboter schlüpft dabei in die Rolle von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichsten Anliegen. Auf diese Weise können internationale Fachkräfte ihre Sprachkompetenzen praxisnah trainieren und sich gezielt auf Anamnesegespräche vorbereiten.
Pflege durch Technik stärken, nicht ersetzen
Die beteiligten Klinikteams betonen, dass es keineswegs darum geht, zwischenmenschliche Fürsorge durch Maschinen zu substituieren. Pflegerische Empathie, medizinische Diagnostik und persönliche Zuwendung bleiben unverzichtbar dem Menschen vorbehalten. Roboter sollen dort greifen, wo monotone Transportwege und einfache Informationsdienste wertvolle Kapazitäten binden. Gleichzeitig liefert das Projekt standardisierte Leitlinien, um Krankenhäusern künftig die rechtssichere und datenschutzkonforme Einführung solcher Assistenzsysteme zu erleichtern.
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