Überlastete Notaufnahmen: Barmer fordert Pflicht-Lotsen für Patienten

Dominik Hübenthal
Notaufnahmen überlastet: Barmer fordert verbindliche Patientensteuerung

Deutschlands Notaufnahmen geraten immer häufiger an ihre Belastungsgrenzen. Um dem drohenden Kollaps in den Ambulanzen der Kliniken entgegenzuwirken, drängt die Krankenkasse Barmer auf tiefgreifende Reformen bei der Patientenlenkung. Anlässlich der Vorstellung des aktuellen Barmer-Krankenhausreports mahnte Kassenchef Christoph Straub ein entschiedeneres Vorgehen an: Vor dem Betreten einer Notaufnahme müsse künftig eine verpflichtende Ersteinschätzung stehen, um Hilfesuchende gezielt in die passende Versorgungsebene zu leiten.

Kritik an der jüngsten Notfallreform

Zwar hatte der Gesetzgeber mit der Reform der Notfallversorgung bereits Schritte unternommen, um den Patientenstrom über Akutleitstellen und die Rufnummer 116 117 besser zu koordinieren. Aus Sicht der Barmer greifen die beschlossenen Maßnahmen jedoch deutlich zu kurz. Das zentrale Problem: Die Inanspruchnahme der Ersteinschätzung bleibt für Betroffene unverbindlich. Wer akute Beschwerden verspürt, kann nach wie vor jederzeit auf eigene Faust die nächste Klinik aufsuchen. Ohne eine klare rechtliche Verbindlichkeit sei der erhoffte Entlastungseffekt für das medizinische Personal und die Pflegekräfte in den Rettungsstellen jedoch kaum zu erreichen.

Steigende Fallzahlen belasten Rettungsstellen

Die Daten des aktuellen Krankenhausreports verdeutlichen den Handlungsbedarf eindringlich. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die durchschnittliche Zahl ambulanter Notfallbehandlungen pro Klinik um knapp neun Prozent an. Insgesamt verzeichneten deutsche Krankenhäuser im Jahr 2024 rund 12,7 Millionen ambulante Notfälle. Da im selben Zeitraum kleinere Kliniken geschlossen wurden, konzentriert sich die Last auf die verbleibenden Standorte. In jeder zehnten Klinik hat sich das Patientenaufkommen sogar mehr als verdoppelt.

Besonders brisant: Rund 60 Prozent dieser ambulant versorgten Personen benötigen laut den Auswertungen keinerlei apparative Diagnostik wie Röntgen oder Computertomographie. Laien fällt es verständlicherweise schwer, die Schwere akuter Symptome selbst zuverlässig einzuschätzen. Das Resultat sind überfüllte Warteräume, in denen echte, lebensbedrohliche Notfälle unter Umständen wertvolle Zeit verlieren – ein ernstes Sicherheitsrisiko für schwerstkranke Patienten.

Das dänische Modell als Vorbild

Um die Kliniken wirksam zu entlasten, wirbt die Krankenkasse für eine strukturierte Steuerung nach dänischem Vorbild. Dort ist eine vorherige telefonische oder digitale Abklärung zwingend vorgeschrieben, bevor eine Notaufnahme aufgesucht werden darf. Ein vergleichbares Modell für Deutschland soll sicherstellen, dass leichtere Beschwerden direkt an den vertragsärztlichen Notdienst oder Haus- und Facharztpraxen vermittelt werden. Gleichzeitig müssten auch aufsuchende Versorgungsangebote im häuslichen Umfeld gestärkt werden, was insbesondere pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen lange und strapaziöse Wartezeiten im Krankenhaus ersparen würde.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.