Physician Assistants bringen spürbare Entlastung für Praxen

Benedikt Hübenthal
Zi-Studie: Wie Physician Assistants Arztpraxen spürbar entlasten

In vielen Arztpraxen herrscht chronischer Zeitmangel: Überfüllte Wartezimmer und ein zunehmend dichter Behandlungsalltag fordern Praxisteams täglich aufs Neue heraus. Eine spürbare Lösung für diese Belastungsprobe liefert nun der aktuelle Zwischenbericht des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu einem Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Das Resümee fällt eindeutig aus: Der gezielte Einsatz akademisch ausgebildeter Physician Assistants (PA) sorgt für mehr Behandlungszeit, entspannte Praxisabläufe und eine hohe Zufriedenheit bei Patientinnen und Patienten.

Mehr Qualität und kürzere Wartezeiten

Die Zwischenevaluation des Modellprojekts, an dem 16 Haus- und Facharztpraxen mit über 30 Ärztinnen und Ärzten beteiligt sind, liefert praxisnahe Zahlen. Vor allem aufseiten der Versorgten sind die Reaktionen bemerkenswert: Bei 98 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten wurden die Erwartungen an den Praxisbesuch vollständig erfüllt – obwohl rund drei Viertel von ihnen zuvor noch nie von einer Physician Assistant betreut worden waren.

Besonders der Zeitfaktor sticht positiv hervor:

  • Mehr Zeit im Gespräch: 68 Prozent der Befragten nahmen eine intensivere und gründlichere Zuwendung während der Untersuchung wahr.
  • Schnellere Termine: 64 Prozent erhielten deutlich schneller einen Behandlungstermin.
  • Kürzere Wartezeiten: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) verbrachte spürbar weniger Zeit im Wartezimmer.

Verlässliche Entlastung im Praxisalltag

Physician Assistants fungieren als akademisch qualifiziertes Bindeglied zwischen Pflegefachkräften, medizinischen Fachangestellten und der Ärzteschaft. Durch ihr fundiertes Studium übernehmen sie anspruchsvolle Tätigkeiten im Rahmen der ärztlichen Delegation: Dazu zählen die Vorbereitung von Diagnostik und Behandlungsplänen, die Betreuung chronisch erkrankter Menschen, Hausbesuche sowie die Versorgung in Pflegeheimen.

Die Daten zeigen, wie gut das Zusammenspiel in der Realität funktioniert: In über 45 Prozent der dokumentierten Termine handelten die Physician Assistants vollkommen eigenständig im Rahmen des delegierten Rahmens. In weiteren knapp 29 Prozent war die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt lediglich kurz eingebunden, etwa zur Bestätigung der Therapieentscheidung oder zur finalen Rezeptierung. Dabei blieb die fachliche Verantwortung stets uneingeschränkt in ärztlicher Hand.

Bessere Triage und breiteres Leistungsspektrum

Gegenüber klassischen Assistenzberufen heben die beteiligten Praxen den hohen klinischen Mehrwert hervor. Durch die universitäre Ausbildung bringen Physician Assistants ein tiefgehendes medizinisches Verständnis mit. Dies ermöglicht eine präzisere Ersteinschätzung von Krankheitssymptomen, eine noch verlässlichere Patientensteuerung (Triage) sowie die Übernahme komplexer Routinekontrollen.

Alle Praxen, die bereits fest mit PAs arbeiten, gaben an, die Einstellung uneingeschränkt weiterzuempfehlen. Die Anwesenheit der Fachkräfte federt Belastungsspitzen ab und schafft für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die notwendigen Freiräume, um sich auf besonders schwere und komplexe Krankheitsfälle zu konzentrieren.

Finanzierung und Berufsrecht als Hürden

Damit das Modell der interprofessionellen Teampraxis flächendeckend Fuß fassen kann, müssen jedoch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Sowohl die Kassenärztliche Vereinigung als auch Verbände drängen auf eine verlässliche Vergütungssystematik: Höher qualifiziertes Personal muss für Praxen refinanzierbar sein. Zudem fordern Fachkreise ein bundesweites Berufsgesetz mit staatlicher Anerkennung, um Rechtssicherheit bei Delegationsentscheidungen zu schaffen.

Die Erkenntnisse der Untersuchung zeigen, dass interprofessionelle Teams ein zukunftsweisender Schlüssel sind, um die ambulante Versorgung auch bei steigenden Fallzahlen und demografischem Wandel verlässlich aufrechtzuerhalten.

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