Umweltrisiko durch Medikamente: PFAS-Chemikalien lassen sich fast immer ersetzen

Dominik Hübenthal
PFAS in Medikamenten: Alternativen für Ewigkeitschemikalien

Sie gelten als "Ewigkeitschemikalien" und stellen eine wachsende Herausforderung für Mensch und Natur dar: Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS. Was viele nicht wissen – diese extrem langlebigen Substanzen stecken nicht nur in Outdoor-Jacken oder Pfannenbeschichtungen, sondern auch in zahlreichen alltäglichen Medikamenten. Doch eine neue Untersuchung macht nun Hoffnung auf eine umweltfreundlichere Zukunft in der medizinischen Versorgung.

Die unsichtbare Gefahr aus dem Medizinschrank

Der Einsatz von PFAS in Arzneimitteln ist bislang gängige Praxis, da die chemischen Verbindungen bestimmte Eigenschaften von Medikamenten stabilisieren können. Das Problem: Gelangen diese Stoffe über menschliche Ausscheidungen ins Abwasser, können sie in Kläranlagen kaum herausgefiltert werden. Sie reichern sich in Gewässern und Böden an und belasten das Ökosystem auf unbestimmte Zeit.

Dass es auch anders geht, belegt nun ein wegweisendes Gutachten, das im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) von Forschern der Universität Freiburg erstellt wurde. Die Experten widmeten sich der drängenden Frage, ob die ökologisch bedenklichen Inhaltsstoffe aus pharmakologischer Sicht überhaupt zwingend notwendig sind.

Ersatzstoffe sind längst verfügbar

Die Ergebnisse der Studie sind ein starkes Signal an die Pharmaindustrie. Die Wissenschaftler analysierten insgesamt 111 Wirkstoffe aus der Humanmedizin sowie 28 aus der Tiermedizin, die nach internationalen Definitionen als PFAS gelten. Das erstaunliche Fazit: Für den überwiegenden Großteil existieren bereits heute wirksame und sichere Alternativen ohne PFAS-Eigenschaften.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Hohe Substitutionsquote: Für 87 Prozent der identifizierten Humanarzneimittel gibt es bereits PFAS-freie Wirkstoffe für dieselben therapeutischen Anwendungen.
  • Tiermedizin zieht nach: Auch bei den Tierarzneimitteln lassen sich immerhin 65 Prozent der Wirkstoffe durch umweltfreundlichere Varianten ersetzen.
  • Forschung läuft auf Hochtouren: Für fast alle verbleibenden Medikamente befinden sich entsprechende Ersatzstoffe bereits in der Entwicklung.

Umweltschutz ohne Kompromisse bei der Gesundheit

Laut den am Gutachten beteiligten Wissenschaftlern ist das Vorhandensein so vieler Alternativen ein eindeutiger Beleg dafür, dass eine Fluorierung der Wirkstoffe für den eigentlichen medizinischen Heilungseffekt oft gar nicht zwingend erforderlich ist. Das bedeutet im Umkehrschluss: Umweltschutz und eine optimale medizinische Versorgung der Patienten müssen keine Gegensätze sein.

Für die medizinische Praxis eröffnen diese Erkenntnisse neue Wege. Ärztinnen und Ärzte könnten künftig gezielt auf PFAS-freie Präparate ausweichen, sofern dies aus therapeutischer Sicht für den Patienten sinnvoll ist. Gleichzeitig ist die Pharmaindustrie gefordert, den Hebel bereits in der Entwicklung neuer Medikamente anzusetzen, um den Eintrag der langlebigen Chemikalien in unsere Umwelt langfristig und drastisch zu reduzieren.

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