Wenn der Ernstfall eintritt: Angehörige kennen den Patientenwillen oft nicht
Es ist ein Szenario, das sich niemand wünscht, das aber jeden treffen kann: Ein geliebter Mensch liegt nach einem schweren Unfall oder einer plötzlichen Erkrankung auf der Intensivstation. Die Ärzte benötigen dringend eine Entscheidung über lebensverlängernde Maßnahmen. Doch was hätte der Patient selbst gewollt? Genau an diesem Punkt stehen Familienmitglieder häufig vor einem unlösbaren Rätsel.
UKE-Studie offenbart alarmierende Unsicherheit
Eine aktuelle Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) bringt nun ein drängendes Problem der modernen Intensivmedizin ans Licht: Angehörige schätzen die Behandlungswünsche von Intensivpatienten in vielen Fällen schlichtweg falsch ein. Wenn Patienten sich nicht mehr selbst äußern können, müssen Entscheidungen stellvertretend getroffen werden. Die Studie belegt jedoch, dass der tatsächliche Wille der Betroffenen den Familienmitgliedern oft gar nicht im Detail bekannt ist.
Das Tabuthema am Küchentisch
Die Ursache für diese fatale Unwissenheit liegt meist nicht in mangelnder Fürsorge, sondern in fehlender Kommunikation. Der Tod, schwere Krankheiten und die eigene Pflegebedürftigkeit sind Themen, die in den meisten Familien aus Angst oder Unbehagen verdrängt werden. Zu selten wird offen und ehrlich darüber gesprochen, was im Fall der Fälle geschehen soll. Möchte man künstlich beatmet werden? Wie steht man zur künstlichen Ernährung, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht?
Ohne vorherige Absprachen lastet ein enormer psychischer Druck auf den Angehörigen. Sie müssen in einer ohnehin extrem belastenden Ausnahmesituation Entscheidungen über Leben und Tod treffen – geplagt von der ständigen Angst, gegen den eigentlichen Willen des Patienten zu handeln.
Klarheit schaffen: So entlasten Sie Ihre Liebsten
Um Angehörigen diese schwere Bürde zu nehmen und sicherzustellen, dass die eigenen Wünsche respektiert werden, raten Mediziner und Pflegeexperten dringend zur frühzeitigen Vorsorge. Folgende Schritte sind dabei unerlässlich:
- Das offene Gespräch suchen: Sprechen Sie in gesunden Tagen mit Ihren engsten Vertrauten über Ihre Vorstellungen von Lebensqualität und medizinischen Eingriffen am Lebensende.
- Eine Patientenverfügung verfassen: Halten Sie Ihre medizinischen Behandlungswünsche schriftlich und präzise fest. Es empfiehlt sich, hierfür ärztlichen Rat einzuholen, um ungenaue Formulierungen zu vermeiden.
- Eine Vorsorgevollmacht erteilen: Bestimmen Sie eine Person Ihres absoluten Vertrauens, die berechtigt ist, Ihre Entscheidungen gegenüber dem medizinischen Personal durchzusetzen, falls Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.
- Dokumente zugänglich aufbewahren: Eine Patientenverfügung nützt nur dann, wenn sie im Notfall auch schnell gefunden wird. Informieren Sie Ihre Bevollmächtigten über den genauen Aufbewahrungsort oder hinterlegen Sie die Dokumente zentral.
Letztlich zeigt die Untersuchung aus Hamburg deutlich: Medizinische Vorsorge beginnt nicht erst im Krankenhaus, sondern zu Hause im Kreis der Familie. Ein rechtzeitiges, klärendes Gespräch ist der größte Liebesbeweis, den man seinen Angehörigen für den schwersten aller Momente machen kann.
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