Zahnlücke in der Pflege: Warum Tausende Senioren ohne zahnärztliche Vorsorge bleiben

Benedikt Hübenthal
Zahnärztliche Vorsorge bei Pflegebedürftigen: Barmer-Report zeigt Lücken

Viele pflegebedürftige Menschen in Deutschland fallen bei der zahnärztlichen Vorsorge durchs Raster. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung der Krankenkasse Barmer. Obwohl ein rechtlicher Anspruch auf zusätzliche zahnmedizinische Betreuung besteht, bleibt dieses Angebot für einen Großteil der Senioren ungenutzt – mit gravierenden Folgen für die Mundgesundheit und die allgemeine Lebensqualität.

Große Defizite bei der häuslichen und stationären Pflege

Besonders dramatisch stellt sich die Situation in der häuslichen Pflege dar. Laut den Daten der Barmer nahmen im Jahr 2024 lediglich 3,3 Prozent der ambulant betreuten Pflegebedürftigen die speziellen zahnärztlichen Zusatzangebote in Anspruch. Bei den Bewohnern von stationären Pflegeeinrichtungen sah es zwar etwas besser aus, doch auch hier erhielt mit 34,6 Prozent nur rund ein Drittel die notwendige präventive Versorgung.

Kooperationsverträge als Schlüssel zur Mundgesundheit

Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche zahnärztliche Betreuung in Heimen sind feste Kooperationsverträge zwischen den Einrichtungen und Zahnarztpraxen. Die Untersuchung zeigt deutlich:

  • Über 80 Prozent der Vorsorgeleistungen in Pflegeheimen wurden durch Zahnärzte erbracht, die direkt in die Einrichtung kamen.
  • Fast immer lag in diesen Fällen ein offizieller Kooperationsvertrag vor.
  • Auf Pflegeheime ohne eine solche Vereinbarung entfielen lediglich zwei Prozent der durchgeführten Untersuchungen.

Christoph Straub, der Vorstandsvorsitzende der Barmer, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Besuch einer regulären Zahnarztpraxis für stationär Pflegebedürftige kaum noch zu bewältigen sei. Werde die Untersuchung nicht direkt vor Ort durchgeführt, entstehe zwangsläufig eine gefährliche Versorgungslücke.

Gravierende regionale Unterschiede

Die Datenauswertung, für die anonymisierte Abrechnungsdaten von Versicherten ab 65 Jahren herangezogen wurden, offenbart zudem massive regionale Schwankungen. Während in Berlin 45,5 Prozent der Heimbewohner von der zusätzlichen Vorsorge profitierten, bildete Niedersachsen mit nur 16,8 Prozent das Schlusslicht.

Auch bei der ambulanten Pflege zeigt sich ein ähnliches Bild: Sachsen führte die Statistik mit einer Inanspruchnahme von neun Prozent an, während das Saarland mit gerade einmal 1,1 Prozent weit abgeschlagen zurückblieb. Generell wird in den östlichen Bundesländern eine merklich höhere Inanspruchnahme verzeichnet als im Westen der Republik.

Experten fordern dringendes Handeln

Die Barmer rät Betreibern von Pflegeeinrichtungen dringend dazu, Kooperationsverträge mit regionalen Zahnärzten abzuschließen. Nur so könne sichergestellt werden, dass auch immobile Patienten regelmäßig auf Karies, Parodontitis und schlecht sitzenden Zahnersatz untersucht werden. Eine intakte Mundgesundheit ist schließlich nicht nur für die problemlose Nahrungsaufnahme elementar, sondern trägt auch maßgeblich zur Vorbeugung weiterer schwerer Erkrankungen bei.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.