Zuckersteuer kommt: Limo-Hersteller müssen Rezepturen drastisch ändern

Dominik Hübenthal
Geplante Zuckersteuer in Deutschland: Hersteller von Fanta & Co. unter Druck

Die geplante Einführung einer Zuckersteuer nach britischem Vorbild könnte die deutsche Getränkeindustrie schon bald vor gewaltige Herausforderungen stellen. Wenn die Bundesregierung ihre Pläne für das Jahr 2028 in die Tat umsetzt, müssen Hersteller von beliebten Kindergetränken ihre Rezepturen drastisch anpassen. Andernfalls drohen empfindliche Abgaben, die die Preise für Limonaden, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke spürbar in die Höhe treiben würden.

Foodwatch schlägt Alarm: Durchschnittlich zehn Zuckerwürfel pro Getränk

Ein aktueller Marktcheck der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt eindrücklich, wie viel Zucker in den alltäglichen Durstlöschern von Kindern und Jugendlichen steckt. Für die Untersuchung wurden zehn beliebte Produkte analysiert, darunter bekannte Marken wie Fanta, Capri-Sun und Durstlöscher. Das erschreckende Ergebnis: Im Durchschnitt enthalten die untersuchten Dosen, Flaschen und Trinkpäckchen zehn Stück Würfelzucker.

Um der drohenden Steuer zu entgehen, müssten die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte oftmals um fast die Hälfte reduzieren. Laut Foodwatch wäre dies ein essenzieller Schritt, um die Gesundheit der jüngsten Konsumenten zu schützen. Luise Molling, Expertin der Verbraucherorganisation, warnt davor, dass flüssiger Zucker den Körper in kürzester Zeit mit leeren Kalorien flutet und stuft extrem stark gezuckerte Getränke gar als ernsthafte gesundheitliche Gefahr ein.

So funktioniert das geplante Steuermodell

Grundlage der Diskussion ist eine Empfehlung der von der Bundesregierung eingesetzten Finanzkommission Gesundheit. Das Modell sieht eine gestaffelte Herstellerabgabe vor, die sich streng nach dem Zuckergehalt der Getränke richtet:

  • Ab 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter: Es wird eine Abgabe von umgerechnet 26 Cent pro Liter fällig.
  • Ab 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter: Die Abgabe steigt auf 32 Cent pro Liter.

Dieses System zielt darauf ab, den Produzenten einen starken finanziellen Anreiz zu geben, ihre Rezepturen freiwillig gesünder zu gestalten. Wer den Zuckergehalt unter die magische Grenze von fünf Gramm pro 100 Milliliter drückt, zahlt keine Steuer.

Die größten Zuckerbomben im Check

Die Berechnungen von Foodwatch verdeutlichen, wie massiv die Einschnitte für einige Hersteller ausfallen müssten. Besonders Energydrinks und vermeintlich fruchtige Erfrischungen stechen negativ hervor:

  • Gönrgy Apfelringe: Der Energydrink ist laut der Untersuchung der traurige Spitzenreiter. Eine 500-Milliliter-Dose enthält satte 65 Gramm Zucker – das entspricht fast 22 Zuckerwürfeln. Um der Abgabe vollständig zu entgehen, müsste der Hersteller den Zuckergehalt um 40,5 Gramm senken.
  • Durstlöscher: Das beliebte 500-Milliliter-Trinkpäckchen von Weser Gold kommt auf 60 Gramm Zucker (20 Würfel). Hier wäre eine Reduktion auf 24,5 Gramm nötig, um steuerfrei zu bleiben.
  • Fanta: In einer klassischen 330-Milliliter-Dose stecken derzeit 25 Gramm Zucker. Der Hersteller müsste künftig neun Gramm einsparen.
  • Capri-Sun Orange: Das 200-Milliliter-Päckchen müsste um sechs Gramm Zucker erleichtert werden, um nicht unter die Steuerpflicht zu fallen.

Vorbild Großbritannien: Eine Steuer, die wirkt

Dass eine solche Abgabe in der Praxis hervorragend funktioniert, zeigt ein Blick in das Vereinigte Königreich. Dort wurde eine vergleichbare Zuckersteuer bereits vor Jahren eingeführt. Die Getränkeindustrie reagierte prompt: Um die zusätzlichen Kosten zu vermeiden, passten viele Unternehmen ihre Zutatenlisten an. In der Folge sank der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks in Großbritannien um beachtliche 35 Prozent.

Gesundheitsexperten und Ärzteverbände in Deutschland fordern schon lange ein ähnliches Vorgehen. Angesichts steigender Zahlen von Adipositas und Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gilt die Reduktion des Zuckerkonsums als einer der wichtigsten Hebel in der Prävention. Ob und in welcher genauen Form die Zuckerabgabe in Deutschland ab 2028 Realität wird, bleibt nun eine politische Entscheidung – doch der Druck auf die Hersteller wächst bereits spürbar.

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