Die Diagnose einer unheilbaren, lebensverkürzenden Erkrankung zieht den Betroffenen und ihren Familien oft den Boden unter den Füßen weg. Wenn die Medizin an ihre Grenzen stößt und das Lebensende absehbar wird, beginnt für alle Beteiligten eine Zeit, die von tiefen Emotionen, Angst, aber auch von intensiver Nähe geprägt ist. Die Pflege eines geliebten Menschen in seiner letzten Lebensphase zu Hause zu übernehmen, ist ein enormer Akt der Liebe. Gleichzeitig ist es eine der größten physischen und psychischen Herausforderungen, denen sich Angehörige stellen können. Genau an diesem Punkt treten ambulante Hospizdienste in Erscheinung. Sie bringen Licht, Entlastung und menschliche Wärme in eine oft überfordernde Situation.
Viele Familien glauben fälschlicherweise, sie müssten diese schwere Zeit allein durchstehen, oder scheuen davor zurück, fremde Hilfe anzunehmen. Dabei ist die Unterstützung durch ehrenamtliche Hospizbegleiter ein unschätzbares Geschenk, das nicht nur dem schwerstkranken Menschen, sondern der gesamten Familie zugutekommt. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie detailliert, wie ambulante Hospizdienste arbeiten, welche konkreten Aufgaben die Ehrenamtlichen übernehmen, wie die Finanzierung geregelt ist und warum Sie sich nicht scheuen sollten, diese wertvolle Hilfe so früh wie möglich in Anspruch zu nehmen.
Ein ambulanter Hospizdienst ist eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige in ihrem häuslichen Umfeld, in Pflegeheimen oder in Krankenhäusern zu begleiten. Im Gegensatz zu einem stationären Hospiz, in das Menschen für ihre letzten Lebenswochen einziehen, kommt der ambulante Dienst direkt zu den Betroffenen nach Hause. Das primäre Ziel ist es, die Lebensqualität des kranken Menschen so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern, damit ein würdevolles Leben bis zuletzt in der vertrauten Umgebung möglich ist.
Das Herzstück jedes ambulanten Hospizdienstes sind die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Sie schenken das Wertvollste, was Menschen einander geben können: Zeit und Zuwendung. Koordiniert und fachlich angeleitet werden diese Ehrenamtlichen von hauptamtlichen Fachkräften, den sogenannten Koordinatorinnen und Koordinatoren. Diese verfügen in der Regel über eine fundierte Ausbildung in der Pflege oder Sozialarbeit sowie über eine spezielle Weiterbildung im Bereich Palliative Care (Palliativversorgung).
Hospizbegleiter schenken Zeit, Zuwendung und menschliche Nähe.
Die moderne Hospizbewegung, die in den 1960er Jahren von der britischen Ärztin, Krankenschwester und Sozialarbeiterin Cicely Saunders begründet wurde, basiert auf einer zutiefst humanistischen Philosophie. Ihr berühmtestes Zitat lautet: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." Dieser Leitsatz prägt die Arbeit der ambulanten Hospizdienste in Deutschland bis heute.
Hospizarbeit bejaht das Leben und betrachtet das Sterben als einen natürlichen Prozess. Sie zielt weder darauf ab, das Leben künstlich zu verlängern, noch es zu verkürzen. Vielmehr geht es um eine ganzheitliche Begleitung, die physische, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, tritt die Palliation (Linderung von Beschwerden) in den Vordergrund. Die ehrenamtlichen Begleiter sind dabei die psychosoziale Stütze, die den medizinisch-pflegerischen Bereich ergänzt.
Die Menschen, die sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren, kommen aus allen Altersgruppen und Berufsschichten. Es sind Rentner, Berufstätige, Studierende, Handwerker, Lehrer oder Hausfrauen. Was sie vereint, ist ein hohes Maß an Empathie, Lebenserfahrung, psychischer Stabilität und der tiefe Wunsch, sich für andere Menschen in einer existenziellen Grenzsitzung zu engagieren.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ehrenamtliche Hospizbegleiter unvorbereitet in die Familien geschickt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Bevor ein Ehrenamtlicher den ersten Kontakt zu einem schwerstkranken Menschen aufnimmt, durchläuft er eine intensive, standardisierte Vorbereitung.
Die Ehrenamtlichen durchlaufen eine intensive Vorbereitung.
Kommunikation am Krankenbett wird ausführlich trainiert.
Die Vorbereitungskurse für ehrenamtliche Hospizbegleiter (oft als Befähigungskurs bezeichnet) sind anspruchsvoll und dauern in der Regel mehrere Monate. Sie umfassen durchschnittlich 80 bis 120 Unterrichtsstunden sowie ein obligatorisches Praktikum, beispielsweise in einem Pflegeheim, auf einer Palliativstation oder bei einem ambulanten Pflegedienst.
Die Ausbildungsinhalte umfassen unter anderem:
Kommunikation am Krankenbett: Wie führt man schwierige Gespräche? Wie hält man Schweigen aus?
Krankheitsbilder und Symptomlinderung: Grundwissen über Schmerztherapie und palliative Versorgung, um Veränderungen beim Patienten richtig einordnen zu können.
Psychologie des Sterbens: Die Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross und der Umgang mit Angst, Wut und Verzweiflung.
Rechtliche Grundlagen: Grundkenntnisse zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
Spiritualität und Religion: Umgang mit verschiedenen Glaubensrichtungen und Sinnfragen am Lebensende.
Selbstreflexion und Psychohygiene: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und Strategien, um sich emotional abzugrenzen und nicht auszubrennen.
Auch nach der Ausbildung werden die Ehrenamtlichen nicht alleingelassen. Sie nehmen regelmäßig an Supervisionen und Fortbildungen teil, um ihre Erlebnisse aus den Begleitungen zu verarbeiten und ihre Kompetenzen stetig zu erweitern.
Die Aufgaben eines ehrenamtlichen Hospizbegleiters sind so individuell wie die Menschen, die sie begleiten. Im Zentrum steht immer die Frage: Was braucht der kranke Mensch heute? Was tut ihm in diesem Moment gut? Die Ehrenamtlichen passen sich flexibel den aktuellen Bedürfnissen an.
Zu den häufigsten Tätigkeiten gehören:
Zuhören und Dasein: Oft möchten Sterbende über Dinge sprechen, die sie mit ihren engsten Angehörigen nicht besprechen können, um diese zu schonen. Der Ehrenamtliche ist ein neutraler, verschwiegener Zuhörer.
Erinnerungsarbeit: Gemeinsames Anschauen von Fotoalben, das Aufschreiben der Lebensgeschichte oder das Führen von Gesprächen über vergangene Zeiten.
Gemeinsame Aktivitäten: Vorlesen aus Büchern oder Zeitungen, gemeinsames Musikhören, Beten oder, wenn der Zustand es zulässt, kleine Spaziergänge oder Ausflüge mit dem Rollstuhl.
Sitzwachen: Einfach nur am Bett sitzen, die Hand halten und Anwesenheit signalisieren. Dies ist besonders in der finalen Sterbephase von unschätzbarem Wert, wenn Worte nicht mehr nötig oder möglich sind.
Letzte Wünsche erfüllen: Manchmal helfen Ehrenamtliche dabei, kleine letzte Wünsche zu realisieren, sei es das Besorgen einer bestimmten Lieblingsspeise oder das Herstellen eines Kontakts zu einem alten Freund.
Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es für Angehörige essenziell zu wissen, wo die Grenzen der ehrenamtlichen Hospizarbeit liegen. Hospizbegleiter sind eine psychosoziale Ergänzung, ersetzen aber keine professionellen Fachkräfte.
Folgende Tätigkeiten dürfen und werden von ehrenamtlichen Hospizbegleitern nicht übernommen:
Medizinische Behandlungspflege: Das Verabreichen von Medikamenten, das Setzen von Spritzen, Wundversorgung oder das Bedienen von medizinischen Geräten (Sauerstoffgeräte, Schmerzpumpen) ist strengstens untersagt.
Grundpflege: Körperpflege, Waschen, An- und Ausziehen, Toilettengänge oder das Lagern des Patienten im Bett fallen in den Aufgabenbereich von regulären Pflegediensten oder Angehörigen.
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten: Hospizbegleiter sind keine Haushaltshilfen. Putzen, Kochen, Einkaufen oder Fensterputzen gehören nicht zu ihren Aufgaben.
Rechts- und Finanzberatung: Obwohl sie grundlegende Informationen geben können, dürfen sie keine rechtsverbindliche Beratung zu Testamenten, Vollmachten oder Erbschaftsangelegenheiten durchführen.
Stetige Weiterbildung sichert die Qualität der Begleitung.
Die Pflege eines sterbenden Familienmitglieds zu Hause ist ein 24-Stunden-Job, der keine Pausen kennt. Angehörige befinden sich in einem permanenten Alarmzustand. Sie schlafen schlecht, da sie stets ein Ohr beim Patienten haben, sie vernachlässigen ihre eigenen gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse und stehen unter enormem emotionalem Druck. Das Risiko für einen physischen und psychischen Zusammenbruch (Burnout) ist in dieser Phase extrem hoch.
Genau hier entfalten ambulante Hospizdienste ihre größte entlastende Wirkung für die Familien. Wenn der ehrenamtliche Begleiter für zwei bis drei Stunden in der Woche ins Haus kommt, bedeutet das für die pflegenden Angehörigen puren Freiraum. In dieser Zeit wissen sie ihren geliebten Menschen in sicheren, einfühlsamen Händen.
Diese gewonnene Zeit können Angehörige nutzen für:
Eigene Arztbesuche: Die eigene Gesundheit darf nicht vernachlässigt werden.
Ungestörter Schlaf: Ein bis zwei Stunden tiefer Schlaf am Nachmittag können neue Kraft für die Nachtschicht geben.
Erledigungen: Einkäufe, Behördengänge oder Bankgeschäfte in Ruhe erledigen, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen.
Soziale Kontakte: Ein Treffen mit Freunden, ein Spaziergang im Park oder der Besuch eines Cafés helfen, die eigenen Batterien wieder aufzuladen.
Emotionale Entlastung: Die Ehrenamtlichen sind auch Ansprechpartner für die Sorgen und Ängste der Angehörigen. Ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee mit jemandem, der die Situation versteht und nicht wertet, wirkt oft Wunder.
Eine der wichtigsten und beruhigendsten Informationen für Familien lautet: Die Inanspruchnahme eines ambulanten Hospizdienstes ist für den Patienten und seine Angehörigen grundsätzlich und vollständig kostenfrei. Niemand soll aus finanziellen Gründen auf eine würdevolle Begleitung am Lebensende verzichten müssen.
Wie finanzieren sich diese Dienste also? Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet das Fünfte Sozialgesetzbuch. Nach § 39a SGB V haben Versicherte, die an einer Erkrankung leiden, die progredient (fortschreitend) verläuft und bei der eine Heilung ausgeschlossen ist, Anspruch auf einen Zuschuss der gesetzlichen Krankenkassen zu ambulanten Hospizdiensten. Die Krankenkassen übernehmen einen Großteil der Personal- und Sachkosten, die für die hauptamtlichen Koordinatoren, die Ausbildung der Ehrenamtlichen und die Fahrtkosten anfallen.
Allerdings decken die Kassen nicht 100 Prozent der Kosten. In der Regel müssen die Hospizdienste einen gesetzlich vorgeschriebenen Eigenanteil (oft rund 5 bis 10 Prozent) selbst aufbringen. Daher sind alle ambulanten Hospizvereine auf Spenden, Mitgliedsbeiträge und Sponsorengelder angewiesen, um ihre wertvolle Arbeit flächendeckend aufrechterhalten zu können.
Detaillierte und stets aktuelle Informationen zur Finanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung finden Sie auf den offiziellen Seiten der Regierung. Für weiterführende Details können Sie das Bundesministerium für Gesundheit konsultieren.
Im Dschungel der medizinischen und pflegerischen Begriffe verlieren Angehörige leicht den Überblick. Es ist wichtig, die verschiedenen Akteure zu unterscheiden, da sie optimalerweise Hand in Hand arbeiten, um ein sogenanntes Palliatives Netzwerk um den Patienten zu knüpfen.
Ambulanter Hospizdienst: Wie ausführlich beschrieben, liegt der Fokus hier auf der ehrenamtlichen, psychosozialen Begleitung und der Entlastung der Angehörigen durch Zeit und Zuwendung.
Regulärer ambulanter Pflegedienst: Diese professionellen Pflegekräfte übernehmen die Grundpflege (Körperpflege, Nahrungsaufnahme) und die ärztlich verordnete Behandlungspflege (Medikamentengabe, Wundversorgung). Sie werden über die Pflegekasse (je nach Pflegegrad) und die Krankenkasse finanziert.
Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AAPV): Dies ist die Basisversorgung durch den Hausarzt in Zusammenarbeit mit einem regulären Pflegedienst. Sie reicht aus, wenn die Symptomlast (z.B. Schmerzen, Atemnot) gut kontrollierbar ist.
Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV): Wenn die Symptome wie extrem starke Schmerzen, schwere Atemnot, unstillbares Erbrechen oder starke Unruhezustände komplex werden, kommt das SAPV-Team ins Spiel. Es besteht aus Palliativmedizinern und Palliativpflegefachkräften, die eine 24-Stunden-Rufbereitschaft bieten. Die SAPV muss vom Arzt verordnet werden und wird komplett von der Krankenkasse bezahlt.
24-Stunden-Betreuung: Dies sind in der Regel Betreuungskräfte (oft aus Osteuropa), die im Haushalt des Patienten mitleben. Sie übernehmen Grundpflege und Hauswirtschaft, dürfen aber keine medizinische Behandlungspflege durchführen.
Ein optimal versorgter Patient am Lebensende hat oft einen Pflegedienst für die morgendliche Körperpflege, das SAPV-Team für die medizinische Schmerzkontrolle und einen ehrenamtlichen Hospizbegleiter für die Seele und den Geist.
Kleine Auszeiten sind für pflegende Angehörige überlebenswichtig.
Das Wort "Hospiz" löst bei vielen Menschen große Angst aus. Es wird unweigerlich mit dem unmittelbaren, bevorstehenden Tod assoziiert. Diese Angst führt oft dazu, dass ambulante Hospizdienste viel zu spät kontaktiert werden – manchmal erst wenige Tage vor dem Versterben des Patienten. Das ist äußerst bedauerlich, denn so bleibt kaum Zeit, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.
Der richtige Zeitpunkt, einen Hospizdienst zu kontaktieren, ist sofort nach der Diagnose einer unheilbaren, lebenslimitierenden Erkrankung oder wenn absehbar ist, dass sich der Gesundheitszustand kontinuierlich verschlechtert. Eine Begleitung kann sich über viele Monate, manchmal sogar über ein Jahr oder länger erstrecken. Je früher der Kontakt hergestellt wird, desto besser können sich Patient, Angehörige und der Begleiter kennenlernen. Es entsteht ein Vertrauensverhältnis, das in der finalen Krisensituation von unschätzbarem Wert ist.
Zögern Sie nicht. Ein Erstgespräch ist absolut unverbindlich. Sie verpflichten sich zu nichts. Wenn sich der Zustand des Patienten stabilisiert, kann die Begleitung auch jederzeit pausiert werden.
Der Weg zur Unterstützung ist erfreulich unbürokratisch. Es bedarf keines komplizierten Antrags bei der Krankenkasse und keines ärztlichen Rezepts (anders als bei der SAPV). Gehen Sie wie folgt vor:
Recherche: Suchen Sie im Internet oder im örtlichen Telefonbuch nach "Ambulanter Hospizdienst" in Verbindung mit Ihrem Wohnort. Auch Hausärzte, Pflegedienste oder Sozialdienste in Krankenhäusern vermitteln gerne Kontakte.
Kontaktaufnahme: Rufen Sie bei der Koordination des Dienstes an. Schildern Sie kurz Ihre Situation. Die Mitarbeiter sind auf diese Anrufe geschult und werden Ihnen mit großem Verständnis begegnen.
Das Erstgespräch: Es wird ein Termin vereinbart, bei dem eine hauptamtliche Koordinatorin zu Ihnen nach Hause kommt. Dieses Gespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Die Koordinatorin ermittelt den individuellen Bedarf: Welche Hobbys hat der Kranke? Welche Art von Mensch würde gut zu ihm passen? Wie sieht die familiäre Situation aus?
Das Matching: Zurück im Büro wählt die Koordinatorin aus dem Pool der Ehrenamtlichen die Person aus, die charakterlich und von ihren Interessen her am besten zum Patienten und zur Familie passt (das sogenannte Matching).
Der erste Besuch: Die Koordinatorin bringt den ausgewählten ehrenamtlichen Begleiter zum ersten Besuch mit ins Haus. Wenn die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt, werden die weiteren Besuche (meist ein- bis zweimal pro Woche für ca. 2 bis 3 Stunden) direkt zwischen Angehörigen und Ehrenamtlichem vereinbart.
Professionelle Pflege übernimmt die medizinische Versorgung.
Hospizbegleiter schenken Zeit für die Seele und Entlastung.
Eine besondere Herausforderung stellt die Begleitung von Menschen mit fortgeschrittener Demenz dar. Diese Patienten können ihre Schmerzen, Ängste oder Bedürfnisse oft nicht mehr verbal äußern. Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter werden in ihren Schulungen speziell auf den Umgang mit Demenzerkrankten vorbereitet.
Hier rückt die nonverbale Kommunikation in den Vordergrund. Die Begleiter arbeiten mit dem Konzept der Basalen Stimulation. Das bedeutet, sie versuchen, über die Sinne Zugang zum Patienten zu finden: durch sanfte Berührungen, das Einreiben der Hände mit duftenden Ölen, das Vorspielen vertrauter Musik aus der Jugendzeit des Patienten oder den Geruch von frischem Kaffee. Für pflegende Angehörige von Demenzkranken ist die Entlastung durch den Hospizdienst oft ein Rettungsanker, da die 24-Stunden-Betreuung eines dementen Menschen extrem kräftezehrend ist.
Die Arbeit der ambulanten Hospizdienste endet nicht mit dem letzten Atemzug des Patienten. Der Tod markiert für die Angehörigen den Beginn eines neuen, oft schmerzhaften Weges: der Trauer. Fast alle Hospizdienste bieten daher auch Trauerbegleitung an.
Dies kann in unterschiedlichen Formen geschehen:
Einzelgespräche: Speziell ausgebildete Trauerbegleiter stehen für vertrauliche Einzelgespräche zur Verfügung, um den Verlust zu verarbeiten.
Trauercafés: Offene Treffpunkte, bei denen sich Hinterbliebene in geschützter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen austauschen können. Das Gefühl, mit seinem Schmerz nicht allein zu sein, ist für viele sehr tröstlich.
Geführte Trauergruppen: Feste Gruppen, die sich über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig treffen und unter professioneller Anleitung verschiedene Themen der Trauerarbeit bearbeiten.
Trauerspaziergänge: Gemeinsame Spaziergänge in der Natur, bei denen Gespräche oft leichter fallen als in einem geschlossenen Raum.
Auch diese Angebote sind in der Regel kostenfrei oder werden gegen eine kleine Spende angeboten.
Trotz der wertvollen Arbeit ranken sich noch immer viele Mythen um das Thema Hospiz, die Menschen davon abhalten, Hilfe zu suchen. Lassen Sie uns die häufigsten Missverständnisse aufklären:
Mythos 1: "Ein Hospizdienst kommt nur in den allerletzten Tagen."
Fakt: Hospizdienste begleiten Menschen oft über viele Monate. Eine frühe Kontaktaufnahme ist ausdrücklich erwünscht, um Vertrauen aufbauen zu können.
Mythos 2: "Wenn der Hospizdienst kommt, bedeutet das, dass wir die Hoffnung aufgegeben haben."
Fakt: Hospizarbeit bedeutet nicht, die Hoffnung aufzugeben, sondern den Fokus der Hoffnung zu verändern. Man hofft vielleicht nicht mehr auf Heilung, aber auf Schmerzfreiheit, auf ein friedliches Einschlafen und auf wertvolle verbleibende Momente mit der Familie.
Mythos 3: "Hospizbegleiter sind professionelle Pflegekräfte."
Fakt: Es sind gut geschulte Ehrenamtliche. Sie übernehmen keine Pflege, sondern sind für die Seele, das Gespräch und die Zeitgestaltung da.
Mythos 4: "Das können wir uns nicht leisten."
Fakt: Die Begleitung durch einen ambulanten Hospizdienst ist für die Familien zu 100 Prozent kostenfrei.
Über die Sinne finden Begleiter oft Zugang zu Demenzkranken.
Um die Arbeit der ambulanten Hospizdienste noch greifbarer zu machen, betrachten wir drei typische, aus der Praxis abgeleitete Szenarien:
Fall 1: Der entlastete Ehemann
Herr Müller (78) pflegt seine an Krebs im Endstadium erkrankte Frau (75) aufopferungsvoll zu Hause. Er traut sich kaum noch aus dem Haus, aus Angst, genau dann könnte etwas passieren. Die Koordinatorin des Hospizdienstes schickt den ehrenamtlichen Begleiter Thomas (60). Thomas kommt jeden Dienstag- und Freitagnachmittag für drei Stunden. In dieser Zeit liest er Frau Müller aus ihren Lieblingsbüchern vor oder sie hören gemeinsam klassische Musik. Herr Müller nutzt diese kostbaren Stunden, um in Ruhe einkaufen zu gehen, seinen eigenen Arzt aufzusuchen oder sich einfach mal im Garten auf eine Bank zu setzen und durchzuatmen. Diese kleinen Auszeiten bewahren ihn vor dem völligen Erschöpfungszustand.
Fall 2: Die weit entfernt lebende Tochter
Frau Schmidt (82) leidet an schwerer Herzinsuffizienz und möchte ihre letzten Monate unbedingt in ihrer Wohnung verbringen. Ihre einzige Tochter lebt jedoch 500 Kilometer entfernt und kann nur an den Wochenenden anreisen. Der ambulante Pflegedienst kommt dreimal täglich für die medizinische Versorgung. Doch dazwischen ist Frau Schmidt einsam. Die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Sarah (35) besucht sie zweimal pro Woche. Sie reden über das Leben, ordnen gemeinsam alte Fotos und schreiben Briefe an die Enkelkinder. Für die Tochter ist es eine immense Beruhigung zu wissen, dass unter der Woche jemand da ist, der sich Zeit für die Seele ihrer Mutter nimmt.
Fall 3: Sprachlosigkeit am Lebensende
Herr Weber (68) leidet an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und kann in der Endphase seiner Krankheit nicht mehr sprechen und sich kaum noch bewegen. Seine Ehefrau ist durch die intensive Pflege am Ende ihrer Kräfte. Der Hospizbegleiter Michael übernimmt einmal pro Woche eine Abend- und Nachtwache. Er sitzt einfach nur am Bett, hält Herrn Webers Hand, achtet auf seine ruhige Atmung und strahlt Ruhe aus. Frau Weber kann in dieser Nacht endlich einmal acht Stunden am Stück im Gästezimmer durchschlafen, im sicheren Wissen, dass ihr Mann nicht allein ist.
Wenn Sie sich unsicher sind, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, einen Hospizdienst zu kontaktieren, gehen Sie folgende Punkte durch. Wenn Sie mehrere Fragen mit "Ja" beantworten, sollten Sie zum Telefonhörer greifen:
Liegt bei Ihrem Angehörigen eine fortgeschrittene, unheilbare Erkrankung vor?
Fühlen Sie sich als pflegender Angehöriger körperlich oder emotional erschöpft?
Fehlt Ihnen die Zeit für eigene, dringend notwendige Erledigungen oder Arztbesuche?
Haben Sie das Gefühl, Ihr kranker Angehöriger bräuchte jemanden zum Reden, möchte Sie aber mit seinen Ängsten nicht belasten?
Wünschen Sie sich jemanden, der einfach mal am Bett sitzt, damit Sie eine Stunde schlafen können?
Haben Sie Angst vor dem Sterbeprozess und wünschen sich erfahrene Begleiter an Ihrer Seite?
Bei der häuslichen Pflege von schwerstkranken Angehörigen haben Sie Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel wie Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe im Wert von 40 Euro monatlich.
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Wenn die Koordinatorin des Hospizdienstes zum Erstbesuch zu Ihnen nach Hause kommt, können Sie sich mit folgenden Fragen vorbereiten, um alle Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen:
Wie schnell kann ein ehrenamtlicher Begleiter zu uns kommen?
Haben Sie Begleiter, die Erfahrung mit dem speziellen Krankheitsbild (z.B. Demenz, ALS) unseres Angehörigen haben?
Was passiert, wenn die Chemie zwischen dem Kranken und dem Ehrenamtlichen nicht stimmt? (Antwort vorab: Das ist kein Problem, es kann jederzeit ein anderer Begleiter gesucht werden).
Können die Begleiter auch am Wochenende oder am späten Abend kommen?
Wie sind Sie mit dem örtlichen SAPV-Team und den Hausärzten vernetzt?
Bieten Sie auch Unterstützung für die Enkelkinder an? (Viele Dienste haben spezielle Kinder- und Jugendtrauerbegleiter).
Die Pflege und Begleitung eines sterbenden Angehörigen ist ein Weg, den niemand allein gehen muss. Ambulante Hospizdienste sind ein unverzichtbarer Pfeiler in der häuslichen Versorgung am Lebensende. Hier sind die wichtigsten Fakten noch einmal kompakt zusammengefasst:
Kostenfrei: Die Inanspruchnahme eines ambulanten Hospizdienstes ist für Familien absolut kostenlos. Sie wird durch Krankenkassen (§ 39a SGB V) und Spenden finanziert.
Ehrenamtlich, aber hochqualifiziert: Die Begleiter arbeiten ehrenamtlich, durchlaufen aber im Vorfeld eine intensive, monatelange Ausbildung (meist 80 bis 120 Stunden) in Palliative Care, Kommunikation und Trauerbegleitung.
Psychosoziale Unterstützung: Die Aufgaben umfassen Zuhören, Vorlesen, Da-Sein, Sitzwachen und das Erfüllen letzter kleiner Wünsche.
Keine Pflege: Medizinische Handlungen, Grundpflege und Hauswirtschaft gehören explizit nicht zu den Aufgaben der Hospizbegleiter.
Massive Entlastung: Pflegende Angehörige erhalten Freiräume zum Durchatmen, Schlafen und für eigene Erledigungen, was das Risiko eines Burnouts drastisch senkt.
Frühzeitig kontaktieren: Warten Sie nicht bis zu den letzten Lebenstagen. Ein Hospizdienst kann und sollte bereits Monate im Voraus eingebunden werden, um ein tragfähiges Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Hilfe über den Tod hinaus: Fast alle Dienste bieten im Anschluss professionelle Trauerbegleitung für die Hinterbliebenen an.
Es erfordert Mut, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, und es erfordert Überwindung, fremde Menschen in einer so intimen Lebensphase in das eigene Zuhause zu lassen. Doch die Erfahrung tausender Familien zeigt: Wer sich für die Unterstützung durch einen ambulanten Hospizdienst öffnet, erfährt eine tiefgreifende Erleichterung. Die ehrenamtlichen Begleiter bringen nicht den Tod ins Haus, sondern das Leben, menschliche Wärme und die Gewissheit, in der schwersten Stunde nicht alleingelassen zu sein. Zögern Sie nicht, diese wunderbare Form der Mitmenschlichkeit für sich und Ihre Angehörigen in Anspruch zu nehmen.
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick