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Pflegegrad 3: Pflegegeld, Voraussetzungen und alle Leistungen 2026

Pflegegrade · Grad 3 von 5 · Stand 2026

Pflegegrad 3 erhalten Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte in der Begutachtung), die zu allen Tageszeiten auf Hilfe angewiesen sind. Die Pflegekasse zahlt 599 € Pflegegeld monatlich bei Pflege durch Angehörige oder 1.497 € Pflegesachleistungen monatlich für den Pflegedienst; kein anderer Wechsel erhöht das Pflegegeld so stark wie der von Grad 2 auf 3.

47,5 bis unter 70 Punkte 599 € Pflegegeld / Monat 1.497 € Sachleistungen / Monat
12,5 Punkte · gering 100 Punkte · schwerst

Wie viel Geld gibt es bei Pflegegrad 3?

Die Pflegekasse zahlt bei Pflegegrad 3 599 € Pflegegeld monatlich bei Pflege durch Angehörige, bis 1.497 € Pflegesachleistungen monatlich für den ambulanten Pflegedienst oder beides anteilig kombiniert. Kein anderer Wechsel erhöht das Pflegegeld so stark wie der von Grad 2 auf 3. Ihre persönliche Aufteilung zeigt der Pflegegeld-Rechner unter der Tabelle.

Pflegegeld

bei Pflege durch Angehörige

599 €

monatlich

§ 37 SGB XI

Pflegesachleistungen

für den ambulanten Pflegedienst

1.497 €

monatlich

§ 36 SGB XI

Entlastungsbetrag

für Alltagshilfe und Betreuung

131 €

monatlich

§ 45b SGB XI

Tages- und Nachtpflege

zusätzlich, ohne Anrechnung

1.357 €

monatlich

§ 41 SGB XI

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

gemeinsamer Jahresbetrag

3.539 €

jährlich

§ 42a SGB XI

Vollstationäre Pflege

Leistungsbetrag im Pflegeheim

1.319 €

monatlich

§ 43 SGB XI

Wohnumfeldverbesserung

Badumbau, Treppenlift und mehr

4.180 €

je Maßnahme

§ 40 Abs. 4 SGB XI

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Handschuhe, Desinfektion und mehr

42 €

monatlich

§ 40 Abs. 2 SGB XI

Hausnotruf-Zuschuss

seit April 2026 erhöht

27 €

monatlich

§ 40 Abs. 1 SGB XI

Wohngruppenzuschlag

für ambulant betreute Wohngruppen, mind. 3 Bewohner mit Pflegegrad

224 €

monatlich

§ 45f SGB XI

DiPA - Digitale Pflegeanwendungen

für zugelassene Pflege-Apps, zzgl. bis 30 € Unterstützungsleistung

bis 40 €

monatlich

§§ 39a, 40b SGB XI

Alle Beträge Stand 2026. Die Leistungsbeträge gelten unverändert seit der letzten Anpassung; die nächste reguläre Dynamisierung ist frühestens zum 01.01.2028 vorgesehen. Wohngruppenzuschlag und DiPA gelten unabhängig vom Pflegegrad in gleicher Höhe.

Was steht Ihnen davon konkret zu? Berechnen Sie Ihr persönliches Pflegebudget

Pflegegeld, Pflegesachleistungen und die Kombination im Detail

Pflegegeld

599 € / Monat

Wird monatlich direkt ausgezahlt, ohne Nachweis einzelner Verrichtungen.

  • Seit dem BEEP-Gesetz (1. Januar 2026) für alle Pflegegeld-Bezieher Pflicht: der Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI, halbjährlich.
  • Kostenloser Hausbesuch einer Pflegefachkraft, dauert meist rund 30 Minuten.
  • Bleibt er wiederholt aus, kann die Kasse das Pflegegeld kürzen oder streichen.

Pflegesachleistungen

bis 1.497 € / Monat

Für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst, abgerechnet nach tatsächlich erbrachten Einsätzen.

  • Kombinierbar mit Pflegegeld über § 38 SGB XI (Kombinationsleistung) – die Familie legt den abgerufenen Anteil fest.
  • Abrechnung taggenau: Fällt der Pflegedienst aus, zahlt die Kasse für diese Tage automatisch mehr Pflegegeld.
  • Am Monatsende gleicht die Kasse die tatsächliche Nutzung mit der vereinbarten Quote ab.

Rechenbeispiel Kombinationsleistung

Nutzt eine Familie 40 Prozent der Pflegesachleistungen von 1.497 € für den Pflegedienst, bleiben 60 Prozent des Pflegegelds übrig: bei 599 € sind das 359,40 € monatlich, zusätzlich zum Pflegedienst-Einsatz. An die gewählte Aufteilung ist man in der Regel sechs Monate gebunden, danach lässt sie sich neu festlegen, etwa wenn sich der Bedarf verschiebt.

Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und der Entlastungsbetrag

Verhinderungs- & Kurzzeitpflege

3.539 € / Jahr

Gemeinsamer Jahresbetrag für Ersatzpflege, wenn die Pflegeperson verhindert ist (§ 42a SGB XI).

  • Keine Vorpflegezeit mehr nötig: Seit dem 1. Juli 2025 steht der Betrag schon ab dem Tag der Einstufung zur Verfügung.
  • Nutzbar für bis zu acht Wochen im Jahr, wenn die Ersatzpflege tageweise organisiert wird.
  • Nur ganze Tage zehren am Kontingent; eine stundenweise Vertretung verbraucht nichts davon.

Entlastungsbetrag

131 € / Monat

Kostenerstattung nach § 45b SGB XI für Alltagshilfe, Betreuungsgruppe oder hauswirtschaftliche Unterstützung.

  • Die Familie zahlt zunächst selbst und reicht die Rechnung bei der Pflegekasse ein.
  • Ungenutzte Beträge sammeln sich im Kalenderjahr an und lassen sich bis zum 30. Juni des Folgejahres abrufen.

Tages- und Nachtpflege

1.357 € / Monat

Teilstationäre Betreuung obendrauf, ohne dass Pflegegeld oder Sachleistungen dafür gekürzt werden.

Die übrigen Leistungen kompakt

Pflegehilfsmittel

42 € / Monat

Deckt Verbrauchsmaterial wie Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Bettschutzeinlagen.

Hausnotruf

27 € / Monat

Zuschuss unabhängig vom Pflegegrad, seit dem 1. April 2026 erhöht.

Wohnungsanpassung

4.180 € je Maßnahme

Für den barrierefreien Umbau der Wohnung, der Zuschuss gilt je Maßnahme.

Digitale Pflegeanwendung (DiPA)

40 € / Monat

Für eine zugelassene digitale Pflegeanwendung, zuzüglich einer Unterstützungsleistung durch den Pflegedienst.

Wohngruppenzuschlag

224 € / Monat

Für mindestens drei Personen mit Pflegegrad in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft; seit dem BEEP-Gesetz in § 45f SGB XI geregelt.

Vollstationäre Pflege

1.319 € / Monat

Plus Leistungszuschlag nach § 43c SGB XI: 15 % im ersten, 30 % im zweiten, 50 % im dritten, 75 % ab dem vierten Aufenthaltsjahr.

Passende Unterstützung finden

Bei Pflegegrad 3 ist Hilfe zu allen Tageszeiten gefragt, sei es durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause. Vergleichen Sie geprüfte Anbieter, kostenlos und unverbindlich.

Wer bekommt Pflegegrad 3?

Pflegegrad 3 steht für eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, im Gutachten sind das 47,5 bis unter 70 Punkte. Typisch ist, dass eine Pflegeperson zu allen Tageszeiten erreichbar sein muss, weil Körperpflege, Essen, An- und Auskleiden oder der Toilettengang ohne Hilfe nicht mehr gelingen. Etwa ein Viertel der Durchläufe unseres Pflegegradrechners landet in diesem Punktebereich.

Nächtliche Einsätze sind dafür keine Voraussetzung. Manche Familien zögern den Antrag deshalb unnötig hinaus, obwohl die Punktzahl längst reichen würde.

Typische Situationen

Halbseitenlähmung nach Schlaganfall, fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung, mittlere bis schwere Demenz mit Weglauftendenz oder ausgeprägte Herz- und Lungenerkrankungen, die schon kleine Verrichtungen erschöpfend machen.

Was sich für Familien ändert

Pflege wird zur Daueraufgabe. Der große Sprung beim Pflegegeld auf 599 € und bei den Sachleistungen auf 1.497 € monatlich macht die Kombination aus Angehörigen-Pflege, Pflegedienst und Tagespflege finanzierbar.

Welche Pflegestufe war das früher?

  • Wer heute Pflegegrad 3 hat, wäre vor 2017 meist in Pflegestufe 2 eingestuft worden, sofern der Bedarf überwiegend körperlich war und regelmäßig mehrmals täglich Hilfe nötig machte.
  • Kam eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz hinzu, etwa durch eine mittelschwere Demenz, reichte oft schon die niedrigere Pflegestufe 1: Der frühere Zuschlag zählte zwei Stufen nach oben statt nur einer, weil kognitive Einschränkungen im Minutenmodell sonst kaum abgebildet wurden.
  • Die genaue Zuordnung war eine Frage des Einzelfalls, nicht allein der Diagnose – zwei Menschen mit derselben Erkrankung konnten unterschiedlich eingestuft werden.

Pflegegrad 3 in Zahlen

1,69 Mio. Menschen in Deutschland hatten Ende 2023 Pflegegrad 3. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023
+10 % Zuwachs bei Pflegegrad 3 von 2021 bis 2023 – neben Pflegegrad 4 der stärkste aller Grade. Quelle: Statistisches Bundesamt
1,39 Mio. davon zu Hause versorgt, nur rund 298.000 lebten vollstationär im Pflegeheim. Quelle: Destatis

Wie läuft die Begutachtung für Pflegegrad 3?

Der Medizinische Dienst prüft beim Hausbesuch sechs Lebensbereiche und vergibt bis zu 100 Punkte. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern wie selbstständig der Alltag noch gelingt. Für Pflegegrad 3 braucht es 47,5 bis unter 70 Punkte.
10 % Modul 1

Mobilität

Aufstehen, Treppensteigen, Fortbewegen in der Wohnung

15 %* Modul 2

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Orientierung, Erkennen von Personen, Verstehen von Sachverhalten

15 %* Modul 3

Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Unruhe, Ängste, Abwehr pflegerischer Maßnahmen

40 % Modul 4

Selbstversorgung

Waschen, Ankleiden, Essen, Toilettengang

20 % Modul 5

Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen

Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche

15 % Modul 6

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Tagesablauf planen, Kontakte pflegen, sich beschäftigen

* Von Modul 2 und Modul 3 fließt nur das Modul mit der höheren Punktzahl in das Ergebnis ein.

1
12,5 bis unter 27 Punkte

Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

2
27 bis unter 47,5 Punkte

Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

3
47,5 bis unter 70 Punkte diese Seite

Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

4
70 bis unter 90 Punkte

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

5
90 bis 100 Punkte

Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Selbsttest: Welcher Pflegegrad könnte es sein?

Schätzen Sie zu jedem der sechs Begutachtungsmodule ein, wie selbstständig die pflegebedürftige Person aktuell noch ist. Der Test rechnet grob nach der NBA-Gewichtung und zeigt eine erste Orientierung.

Modul 1 · Mobilität

Aufstehen, Gehen, Treppensteigen, Umsetzen im Bett

Modul 2 · Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Orientierung, Personen erkennen, Sachverhalte verstehen

Modul 3 · Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Nächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr von Pflegehandlungen

Modul 4 · Selbstversorgung

Waschen, Ankleiden, Essen, Toilettengang

Modul 5 · Krankheits-/therapiebedingte Anforderungen

Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche, Therapien

Modul 6 · Alltagsleben und soziale Kontakte

Tagesablauf gestalten, Kontakte pflegen, sich beschäftigen

Ihre grobe Ersteinschätzung

0 von 100 Punkten

Das ist eine grobe Ersteinschätzung auf Basis Ihrer eigenen Angaben. Sie ersetzt keine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst und ist rechtlich nicht bindend. Der tatsächliche Pflegegrad wird ausschließlich beim Hausbesuch anhand aller sechs Module ermittelt.

Zum kostenlosen Pflegegradrechner

Wie beantrage ich Pflegegrad 3?

Ein formloser Anruf oder Brief an die Pflegekasse genügt, ein Formular ist nicht nötig. Leistungen gibt es rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung; über den Antrag entscheidet die Kasse in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen.
  1. Antrag bei der Pflegekasse

    Ein formloser Anruf oder Brief an die Pflegekasse (bei der Krankenkasse angesiedelt) genügt. Auch Angehörige können den Antrag stellen, eine Vollmacht reicht. Leistungen gibt es rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung, deshalb zählt jeder Tag. Besteht bereits ein niedrigerer Pflegegrad, heißt der Weg Höherstufungsantrag.

  2. Begutachtung vorbereiten

    Der Medizinische Dienst kündigt einen Hausbesuch an. Führen Sie vorab zwei Wochen ein Pflegetagebuch und legen Sie Arztberichte sowie die Medikamentenliste bereit. Eine Vertrauensperson sollte beim Termin dabei sein.

  3. Bescheid prüfen

    Die Pflegekasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden. Prüfen Sie die Punktevergabe im Gutachten; fällt die Einstufung zu niedrig aus, bleibt ein Monat Zeit für den Widerspruch.

Welcher Pflegegrad ist realistisch?

Der Pflegegradrechner simuliert die offizielle Begutachtung mit allen sechs Modulen, kostenlos und ohne Anmeldung.

Zum Pflegegradrechner

Was hat sich 2026 geändert?

  • Beratungseinsatz vereinheitlicht: Seit dem 01.01.2026 ist der Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI für die Pflegegrade 2 bis 5 nur noch halbjährlich Pflicht, sofern Pflegegeld bezogen wird (BEEP-Gesetz). Wer ausschließlich Pflegesachleistungen erhält, kann ihn freiwillig nutzen. Bei Pflegegrad 4 und 5 war er zuvor vierteljährlich vorgeschrieben; vierteljährliche Termine bleiben freiwillig möglich.
  • Hausnotruf-Zuschuss erhöht: Seit dem 01.04.2026 zahlt die Pflegekasse 27 € statt 25,50 € monatlich, bereits ab Pflegegrad 1.
  • Verhinderungspflege ohne Wartezeit: Seit dem 01.07.2025 entfällt die frühere sechsmonatige Vorpflegezeit; der Anspruch auf den gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege besteht ab Pflegegrad 2 sofort.
  • Mehr Sicherheit für Pflegepersonen: Die soziale Absicherung pflegender Angehöriger läuft bei eigenem Urlaub jetzt bis zu acht Wochen im Jahr weiter, doppelt so lange wie zuvor.

Alle Änderungen im Detail erklärt die Pflegegrade-Übersicht.

Was unterscheidet Pflegegrad 3 von 2 und 4?

Gegenüber Pflegegrad 2 wandelt sich der Bedarf von mehrmals täglicher Hilfe zur ständigen Erreichbarkeit; Pflegegrad 4 beginnt ab 70 Punkten, wenn Unterstützung bei nahezu allen Verrichtungen nötig ist.
  • Zu Pflegegrad 2: Der Bedarf wandelt sich von mehrmals täglicher Hilfe zur ständigen Erreichbarkeit – finanziell der größte Pflegegeld-Sprung im System.
  • Zu Pflegegrad 4 (ab 70 Punkten): Unterstützung bei nahezu allen Verrichtungen kommt hinzu, häufig auch nachts.
  • Praxis-Tipp: An den Schwellen von 47,5 und 70 Punkten entscheiden einzelne Modulwerte über mehrere hundert Euro im Monat – es lohnt sich, die Punktevergabe Modul für Modul nachzurechnen.

Fallbeispiel: Pflegegrad 3 im Alltag

Margarete, 84, ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Waschen, Anziehen und Toilettengang gehen nur mit Unterstützung, gegessen wird mundgerecht vorbereitet. Tagsüber wechseln sich die Tochter und ein Pflegedienst ab. Die Begutachtung ergibt 58 Punkte: Pflegegrad 3.

Die Familie nutzt die Kombinationsleistung: Der Pflegedienst kommt morgens und schöpft rund die Hälfte der Sachleistungen von 1.497 € aus, die Tochter erhält anteilig Pflegegeld. Dreimal pro Woche besucht Margarete die Tagespflege (Budget bis 1.357 € monatlich); der Entlastungsbetrag finanziert zusätzliche Betreuungsstunden.

Pflegegrad 3 bei Demenz: warum Modul 2 und 3 oft den Ausschlag geben

Bei Demenzerkrankungen landen Betroffene häufig in Pflegegrad 3, selbst wenn sie körperlich noch recht selbstständig sind. Der Grund liegt in der Konstruktion der Begutachtung: Modul 2 (kognitive und kommunikative Fähigkeiten) und Modul 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen) werden getrennt erhoben; nur der jeweils höhere der beiden Werte fließt mit 15 Prozent Gewichtung ins Ergebnis ein. Diese Regel soll verhindern, dass kognitive Einschränkungen untergehen, nur weil sie sich anders äußern als körperliche.

  • Typisches Muster: Wer bei mittelschwerer Demenz noch selbst wäscht und sich anzieht, aber Orientierung, Tagesstruktur und Gefahreneinschätzung verloren hat, erreicht in Modul 2 oder 3 oft einen zweistelligen Punktwert. Zusammen mit Abzügen in Modul 5 (Medikamente, Arzttermine) und Modul 6 (Alltag gestalten, Kontakte pflegen) reicht das häufig über die Schwelle von 47,5 Punkten, auch wenn in Modul 4 (Selbstversorgung) kaum Hilfe nötig ist. Deshalb landen Menschen mit fortgeschrittener Demenz und noch guter Beweglichkeit öfter bei Pflegegrad 3 als bei Pflegegrad 2.
  • Modul 3 erfasst zusätzlich: nächtliches Umherwandern, Abwehr gegenüber der Pflegeperson oder einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Die für Pflegegrad 3 typische Weglauftendenz wird hier bepunktet, unabhängig davon, ob sie tagsüber oder nachts auftritt.
  • Häufige Diagnosen: Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz nach mehreren kleinen Schlaganfällen oder eine Demenz mit Lewy-Körperchen mit ausgeprägten Wahrnehmungsstörungen.
  • Für den Antrag: Ein zwei- bis dreiwöchiges Pflegetagebuch lohnt sich, das gerade kognitive und psychische Symptome festhält, etwa nächtliche Unruhe oder die Weigerung, Medikamente zu nehmen. Diese Beobachtungen fließen in Modul 2 und 3 ein, werden von Angehörigen beim Gutachtertermin aber leicht übersehen, weil sich der Blick meist auf die körperliche Versorgung richtet.

Höherstufung von Pflegegrad 3 auf 4

  • Formloser Antrag reicht: Eine kurze Mitteilung an die Pflegekasse, dass sich der Pflegebedarf deutlich verschlechtert hat, löst eine erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst aus.
  • Frist: Die Kasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden; die höheren Leistungen gelten rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung, nicht erst ab dem Gutachten-Termin.
  • Vorbereitung: Mit dem Antrag warten, bis die Verschlechterung dokumentiert ist – ein aktueller Arztbrief, ein Krankenhausentlassbericht oder ein zwei- bis dreiwöchiges Pflegetagebuch überzeugen den Gutachter meist deutlicher als eine mündliche Schilderung beim Hausbesuch.
  • Bei Ablehnung: Dasselbe Widerspruchsrecht wie bei der Ersteinstufung gilt, mit derselben Monatsfrist ab Zugang des Bescheids.

Was der Sprung auf Pflegegrad 4 finanziell bedeutet

Ab 70 Punkten steigt das Pflegegeld von 599 € auf 800 € monatlich, ein Plus von 201 € im Monat bzw. 2.412 € im Jahr. Wer stattdessen Pflegesachleistungen nutzt, bekommt statt 1.497 € künftig 1.859 € monatlich, ein Plus von 362 €. Wer knapp unter 70 Punkten bleibt, verliert also nicht nur eine Einstufung, sondern Jahr für Jahr einen vierstelligen Betrag – ein Grund, die Punktevergabe bei einer Ablehnung genau zu prüfen.

Zu niedrig eingestuft? So funktioniert der Widerspruch

Ein erheblicher Teil der Widersprüche gegen Pflegegrad-Bescheide hat Erfolg. Wichtig ist die Frist: Ab Zugang des Bescheids bleibt ein Monat Zeit.

Fordern Sie das Gutachten an, prüfen Sie die Punkte je Modul und dokumentieren Sie den tatsächlichen Hilfebedarf. Das Vorgehen im Detail erklärt unser Ratgeber Widerspruch gegen den Pflegegrad-Bescheid.

Welche Vorlagen helfen beim Antrag?

Den Pflegegrad-Antrag stellen Sie am schnellsten über unseren geführten Online-Assistenten. Dagegen schicken wir Ihnen Pflegetagebuch und Widerspruch-Musterbrief als kostenlose PDF per E-Mail zu, sobald Sie die Bestätigung per Double-Opt-in abgeschlossen haben.

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Häufige Fragen zu Pflegegrad 3

Wie viel Pflegegeld gibt es bei Pflegegrad 3?

599 € monatlich bei Pflege durch Angehörige. Der Schritt von Pflegegrad 2 auf 3 ist der größte Sprung beim Pflegegeld im gesamten System. Alternativ zahlt die Kasse Pflegesachleistungen von 1.497 € monatlich für einen ambulanten Pflegedienst.

Welche Leistungen stehen mir bei Pflegegrad 3 insgesamt zu?

Pflegegeld von 599 € oder Pflegesachleistungen von 1.497 € monatlich, Entlastungsbetrag von 131 € monatlich, Tages- und Nachtpflege bis 1.357 € monatlich, 3.539 € jährlich für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, dazu Pflegehilfsmittel, Hausnotruf und der Umbau-Zuschuss von bis zu 4.180 €.

Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 3?

47,5 bis unter 70 Punkte in der Begutachtung. Das entspricht einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit: Hilfe wird zu allen Tageszeiten benötigt, eine durchgehende nächtliche Betreuung ist aber noch nicht zwingend erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und 3?

Der Hilfebedarf: Bei Pflegegrad 2 ist mehrmals täglich Unterstützung nötig, bei Pflegegrad 3 rund um die Uhr Erreichbarkeit einer Pflegeperson. Finanziell steigen Pflegegeld und Pflegesachleistungen deutlich; Entlastungsbetrag, Umbau-Zuschuss und die übrigen Pauschalen bleiben gleich.

Was kostet das Pflegeheim bei Pflegegrad 3?

Die Pflegekasse zahlt 1.319 € monatlich für die vollstationäre Pflege. Der Eigenanteil hängt vom Bundesland und der Aufenthaltsdauer ab; die Pflegekasse übernimmt über den Leistungszuschlag mit jedem Aufenthaltsjahr einen größeren Teil davon.

Reicht Pflegegrad 3 für die Tagespflege?

Ja, mit bis zu 1.357 € monatlich, zusätzlich und ohne Anrechnung auf Pflegegeld oder Sachleistungen. Die Tagespflege entlastet berufstätige Angehörige und strukturiert den Tag, gerade bei Demenz.

Muss nachts Hilfe nötig sein für Pflegegrad 3?

Nein. Entscheidend ist die Punktzahl aus den sechs Begutachtungsmodulen, nicht ein nächtlicher Einsatz. Viele Menschen erreichen Pflegegrad 3 über einen hohen Hilfebedarf bei der Selbstversorgung und kognitive Einschränkungen tagsüber.

Was tun, wenn nur Pflegegrad 2 statt 3 bewilligt wurde?

Innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Fordern Sie das Gutachten an und prüfen Sie die Punktevergabe je Modul; ein Pflegetagebuch über zwei Wochen ist das stärkste Beweismittel. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Widerspruch gegen den Pflegegrad-Bescheid.

Ist Pflegegrad 3 dasselbe wie die frühere Pflegestufe 3?

Nein. Pflegegrad 3 entspricht eher der früheren Pflegestufe 2 bei überwiegend körperlichem Hilfebedarf oder der Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz, etwa bei Demenz. Die alte Pflegestufe 3 liegt heute meist bei Pflegegrad 4.

Darf man mit Pflegegrad 3 noch Auto fahren?

Grundsätzlich ja, der Pflegegrad selbst entzieht keine Fahrerlaubnis. Ausschlaggebend ist die tatsächliche Fahreignung: Lässt eine Erkrankung Reaktionsvermögen oder Orientierung nachlassen, sollte das unabhängig von der Höhe des Pflegegrads ärztlich abgeklärt werden.

Kann man mit Pflegegrad 3 arbeiten?

Ja, rechtlich steht nichts entgegen. Der Pflegegrad misst den Unterstützungsbedarf im Alltag, nicht die Fähigkeit zur Erwerbstätigkeit. In der Praxis pflegen bei Pflegegrad 3 aber oft Angehörige neben dem Beruf, weshalb Kombinationsleistung und Tagespflege gezielt zur Entlastung eingesetzt werden.

Ist bei Pflegegrad 3 ein Pflegeheim notwendig?

Nein, die meisten Menschen mit Pflegegrad 3 werden zu Hause versorgt, durch Angehörige, einen ambulanten Pflegedienst oder eine Kombination. Ein Heimplatz ist keine Voraussetzung; die vollstationäre Pflege ist nur eine von mehreren Optionen, wenn die häusliche Versorgung nicht mehr ausreicht.

Zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 3 einen Treppenlift?

Indirekt über den Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung: bis zu 4.180 € je Maßnahme, unabhängig vom Pflegegrad bereits ab Pflegegrad 1. Der Zuschuss deckt selten den vollen Einbaupreis, senkt den Eigenanteil aber spürbar.

Die anderen Pflegegrade im Vergleich

Alle fünf Grade mit Punkten und Leistungen nebeneinander zeigt die Pflegegrade-Übersicht.

Vertiefende Ratgeber

Widerspruch gegen den Pflegegrad-Bescheid

Nur ein Monat Zeit: So gehen Sie erfolgreich gegen eine zu niedrige Einstufung vor.

Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung: Treppenlift

Ihnen steht ab Pflegegrad 1 ein Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.180 € für einen Treppenlift zu. So beantragen Sie ihn und sichern sich die volle Förderung.

Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung: Badumbau

Ihnen steht ab Pflegegrad 1 ein Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.180 € (bei Ehepaaren 8.360 €) für den barrierefreien Badumbau zu. So nutzen Sie ihn optimal.

Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel

So schöpfen Sie die monatlichen Pauschalleistungen voll aus.

Beratungseinsatz nach § 37.3

Pflichttermine für Pflegegeld-Bezieher: die Regeln seit 2026.

Porträt von Benedikt Hübenthal Redaktionell geprüft von Benedikt Hübenthal · Zuletzt aktualisiert: 28.08.2026
Quellen & rechtliche Grundlagen
  1. § 15 SGB XI: Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit (Begutachtung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html
  2. § 36 SGB XI: Pflegesachleistung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__36.html
  3. § 37 SGB XI: Pflegegeld und Beratungseinsatz: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__37.html
  4. § 40 SGB XI: Pflegehilfsmittel und Wohnumfeldverbesserung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html
  5. § 42a SGB XI: Gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__42a.html
  6. § 43 SGB XI: Vollstationäre Pflege: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__43.html
  7. § 45b SGB XI: Entlastungsbetrag: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45b.html
  8. Bundesgesundheitsministerium: Leistungen der Pflegeversicherung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung.html