Ein Rollator ist für viele Senioren weit mehr als nur eine einfache Gehhilfe. Er ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben, ein treuer Begleiter beim Einkaufen und die Garantie dafür, soziale Kontakte auch im hohen Alter aufrechtzuerhalten. Doch so intuitiv die Nutzung eines Rollators auf den ersten Blick erscheinen mag, so tückisch kann der Alltag auf unseren Straßen sein. Bordsteinkanten, unebenes Kopfsteinpflaster, drängelnde Fahrgäste im Bus und rutschiges Herbstlaub stellen enorme Herausforderungen dar.
Genau hier setzt das Rollator-Training per Video an. Während klassische Trainingskurse oft mit Anfahrtswegen und festen Terminen verbunden sind, bietet das Video-Training die Möglichkeit, sich in den eigenen vier Wänden, in aller Ruhe und im eigenen Tempo auf den Straßenverkehr vorzubereiten. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über das digitale Rollator-Training wissen müssen, wie Sie es optimal nutzen und welche gesetzlichen sowie finanziellen Rahmenbedingungen für Sie als Nutzer gelten.
Statistiken zeigen, dass ein Großteil der Stürze mit Rollatoren nicht durch technische Defekte am Gerät, sondern durch Anwendungsfehler verursacht wird. Viele Menschen erhalten ihren Rollator aus dem Sanitätshaus, lassen ihn kurz einstellen und wagen sich sofort in den belebten Straßenverkehr. Dabei wird oft unterschätzt, dass das Gehen mit einem Rollator eine völlig neue motorische Anpassung des Körpers erfordert.
Ein professionelles Training – ob vor Ort oder per Video – ist aus drei wesentlichen Gründen absolut notwendig:
Unfallprävention: Falsches Anheben an Bordsteinen oder das Vergessen der Feststellbremse beim Hinsetzen führen häufig zu schweren Stürzen.
Haltungsschäden vermeiden: Ein falsch eingestellter Rollator oder eine falsche Gangart (das typische "Hinterher-Schieben") belasten die Wirbelsäule, die Schultern und die Handgelenke enorm.
Psychologische Sicherheit: Die Angst vor dem Stürzen ist bei vielen Senioren groß. Diese Angst führt zu einer verkrampften Haltung, was wiederum das Sturzrisiko erhöht. Ein Training baut diese Ängste systematisch ab und stärkt das Selbstvertrauen.
Für viele ältere Menschen ist der erste Gang mit dem Rollator eine enorme psychologische Hürde. Der Rollator wird oft als sichtbares Zeichen des Alterns und des körperlichen Abbaus wahrgenommen. Die Blicke der Nachbarn oder Passanten werden als unangenehm empfunden.
Hier spielt das Video-Training einen seiner größten Trümpfe aus: Es ermöglicht ein Üben im absolut geschützten Raum der eigenen Wohnung oder des eigenen Gartens. Sie können die Handgriffe, das Bremsen und das Wenden so lange unbeobachtet trainieren, bis die Bewegungsabläufe in Fleisch und Blut übergegangen sind. Wenn Sie dann zum ersten Mal auf die Straße treten, tun Sie dies nicht als unsicherer Anfänger, sondern als souveräner Nutzer, der sein Hilfsmittel voll unter Kontrolle hat.
Um ein Rollator-Training per Video effektiv durchzuführen, benötigen Sie keine hochkomplizierte Technik. Die meisten Lehrvideos werden von Krankenkassen, Verkehrswachten oder zertifizierten Physiotherapeuten auf Plattformen wie YouTube oder speziellen Gesundheitsportalen kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Folgende Dinge sollten Sie für einen reibungslosen Ablauf vorbereiten:
Ein geeignetes Endgerät: Ein Tablet oder ein Smart-TV sind ideal, da der Bildschirm groß genug ist, um alle Details der Bewegungsabläufe genau zu erkennen. Ein Smartphone ist oft zu klein, um Feinheiten bei der Fußstellung oder der Handhaltung zu sehen.
Stabile Internetverbindung: Stellen Sie sicher, dass das Video ruckelfrei abspielt, damit Sie keine wichtigen Erklärungen verpassen.
Ausreichend Platz: Räumen Sie im Wohnzimmer oder im Flur Teppiche und kleine Möbelstücke beiseite. Sie benötigen eine freie Fläche von etwa zwei bis drei Metern, um das Anfahren, Bremsen und Wenden gefahrlos üben zu können.
Eine Hilfsperson (optional aber empfohlen): Gerade beim ersten Mal ist es sehr hilfreich, wenn ein Angehöriger oder eine Alltagshilfe das Video bedient (Start, Stopp, Zurückspulen), während Sie sich voll und ganz auf die Übungen mit dem Rollator konzentrieren.
Das Rollator-Training lässt sich bequem von zu Hause aus absolvieren.
Jedes gute Video-Training beginnt mit der Grundeinstellung des Geräts. Ein Rollator, der nicht perfekt an Ihre Körpergröße angepasst ist, wird niemals die gewünschte Sicherheit bieten. Nehmen Sie sich für diesen Schritt besonders viel Zeit.
Die Handgelenk-Regel: Stellen Sie sich aufrecht hinter Ihren Rollator. Lassen Sie die Arme ganz locker an den Seiten Ihres Körpers herunterhängen. Die Handgriffe des Rollators müssen sich nun exakt auf der Höhe Ihrer Handgelenksknochen befinden.
Warum ist das so wichtig? Sind die Griffe zu niedrig eingestellt, machen Sie unweigerlich einen Buckel. Sie schauen auf den Boden statt nach vorne, was im Straßenverkehr lebensgefährlich sein kann, da Sie Hindernisse oder andere Verkehrsteilnehmer zu spät sehen. Sind die Griffe hingegen zu hoch, ziehen Sie permanent die Schultern hoch. Dies führt nach kurzer Zeit zu schmerzhaften Verspannungen im Nackenbereich und verhindert, dass Sie bei einem drohenden Sturz ausreichend Kraft auf die Griffe übertragen können, um sich abzustützen.
Prüfen Sie in diesem ersten Schritt auch sofort die Bremsen. Ziehen Sie beide Bremshebel nach oben – der Rollator muss sofort blockieren. Drücken Sie die Hebel nach unten, bis sie hörbar einrasten – dies ist die Feststellbremse, die Sie immer benötigen, wenn Sie stehenbleiben oder sich auf den Rollator setzen möchten.
Die richtige Griffhöhe ist entscheidend für Ihre Sicherheit und Haltung.
Im zweiten Schritt des Video-Trainings geht es um die Fortbewegung. Der häufigste Fehler, den man auf der Straße beobachten kann, ist das Gehen hinter dem Rollator. Der Nutzer schiebt das Gerät wie einen Einkaufswagen weit vor sich her. Dadurch geht die gesamte Stützwirkung verloren.
So machen Sie es richtig:
Treten Sie nah an den Rollator heran. Sie müssen im Rollator gehen, genauer gesagt innerhalb des U-förmigen Rahmens zwischen den Hinterrädern.
Ihre Hüfte sollte sich idealerweise auf einer Linie mit den hinteren Rädern befinden.
Richten Sie den Oberkörper auf und blicken Sie etwa drei bis fünf Meter nach vorne auf den Weg.
Gehen Sie in Ihrem normalen, natürlichen Rhythmus. Der Rollator rollt sanft mit, er wird nicht ruckartig nach vorne geschoben.
Üben Sie dieses Gehen zunächst ausgiebig im Flur oder im Wohnzimmer. Achten Sie im Video-Training genau auf die Körperhaltung des Trainers und vergleichen Sie diese – eventuell mit Hilfe eines Angehörigen oder eines großen Spiegels – mit Ihrer eigenen Haltung.
Sobald Sie das Haus verlassen, wird der Bordstein zu Ihrem größten Gegner. Ein Video-Training widmet diesem Thema meist ein eigenes, ausführliches Kapitel, da hier das höchste Sturzrisiko besteht.
Versuchen Sie niemals, den Rollator einfach mit reiner Muskelkraft an den Handgriffen hochzuheben. Dies bringt Sie sofort aus dem Gleichgewicht. Moderne Rollatoren verfügen über eine Ankipphilfe (auch Tretsporn genannt). Das ist eine kleine Verlängerung des Rahmens an den Hinterrädern, meist in der Nähe des rechten oder linken Rades.
Die Technik für den Bordstein hinauf:
Fahren Sie gerade an den Bordstein heran, bis die Vorderräder die Kante fast berühren.
Ziehen Sie die Bremsen leicht an, damit der Rollator nicht unkontrolliert wegrollt.
Treten Sie mit der Fußspitze auf die Ankipphilfe und ziehen Sie gleichzeitig die Handgriffe sanft zu sich nach hinten und unten. Der Rollator bäumt sich vorne auf.
Schieben Sie den Rollator nun vorsichtig nach vorne, bis die Vorderräder sicher auf dem Gehweg stehen.
Lösen Sie die Bremsen, treten Sie einen Schritt nach vorne und heben Sie nun den hinteren Teil des Rollators über die Kante, indem Sie ihn einfach nach vorne weiterschieben.
Die Technik für den Bordstein hinab:
Hier ist besondere Vorsicht geboten, da die Schwerkraft an Ihnen zieht. Fahren Sie mit den Vorderrädern an die Kante. Ziehen Sie die Bremsen leicht an (Schleifbremse), um die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Lassen Sie die Vorderräder langsam hinabrollen. Treten Sie dann selbst einen Schritt hinunter und lassen Sie abschließend die Hinterräder folgen. Halten Sie das Gerät dabei stets nah am Körper.
Mit der Ankipphilfe lassen sich Bordsteine sicher und kontrolliert überwinden.
Der Straßenverkehr besteht leider nicht nur aus glattem Asphalt. Kopfsteinpflaster in historischen Altstädten, Schotterwege im Park oder Baustellenabdeckungen erfordern eine angepasste Fahrweise.
Auf unebenem Untergrund fangen die Räder des Rollators oft an zu flattern oder zu blockieren. Das Video-Training zeigt Ihnen hier, wie Sie durch leichten Druck auf die Handgriffe und eine etwas langsamere Gangart die Kontrolle behalten. Wichtig ist auch die Blickführung: Suchen Sie sich aktiv den flachsten Weg und weichen Sie tiefen Rillen (wie etwa Straßenbahnschienen) großzügig aus. Kreuzen Sie Schienen immer in einem möglichst stumpfen Winkel (am besten 90 Grad), damit sich die schmalen Vorderräder nicht in der Rille verkanten können.
Tipp zur Ausstattung: Wenn Sie in Ihrem Wohnumfeld viel Kopfsteinpflaster haben, sollten Sie über einen Rollator mit Luftbereifung oder weichen PU-Reifen nachdenken. Standardmodelle der Krankenkassen haben oft harte Kunststoffräder, die jede Erschütterung direkt in Ihre Handgelenke und Schultern weiterleiten. Eine weichere Bereifung wirkt hier wie ein Stoßdämpfer.
Die Fahrt mit Bus und Straßenbahn ist für viele Rollator-Nutzer mit großem Stress verbunden. Die Angst, die Türen könnten sich zu früh schließen oder der Busfahrer könnte zu abrupt anfahren, ist allgegenwärtig. Ein gutes Video-Training nimmt Ihnen diese Angst durch klare Handlungsanweisungen.
An der Haltestelle: Warten Sie mit ausreichend Abstand zur Bordsteinkante. Zeigen Sie dem Busfahrer durch deutlichen Blickkontakt oder ein Handzeichen an, dass Sie einsteigen möchten. Die meisten modernen Busse können sich an der Einstiegsseite absenken (Kneeling-Funktion).
Das Einsteigen: Wenn der Bus ebenerdig hält, können Sie normal vorwärts hineinfahren. Gibt es eine Lücke oder einen kleinen Absatz, nutzen Sie die erlernte Technik mit der Ankipphilfe. Bitten Sie im Zweifel andere Fahrgäste um Hilfe – falscher Stolz ist hier fehl am Platz.
Im Fahrzeug (Lebenswichtige Regeln):
Steuern Sie sofort den ausgewiesenen Mehrzweckbereich (meist in der Mitte des Busses bei der Doppeltür) an.
Stellen Sie den Rollator entgegen der Fahrtrichtung an die Rückenlehne der dortigen Sitze oder an die Trennwand.
Arretieren Sie unbedingt die Feststellbremse!
Setzen Sie sich auf einen regulären Sitzplatz im Bus. Setzen Sie sich niemals während der Fahrt auf Ihren Rollator! Ein Rollator ist nicht im Boden verankert. Bei einer Gefahrenbremsung des Busses würde das Gerät wegrutschen oder kippen, was unweigerlich zu schwersten Verletzungen führt.
Das Aussteigen: Drücken Sie rechtzeitig den Halteknopf, idealerweise den speziellen Knopf mit dem Rollstuhl- oder Kinderwagen-Symbol. Dieser signalisiert dem Fahrer, dass jemand mehr Zeit zum Aussteigen benötigt und er die Türen länger geöffnet halten muss. Steigen Sie idealerweise rückwärts aus dem Bus aus. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an, verhindert aber, dass der Rollator nach vorne wegkippt, falls der Abstand zwischen Bus und Bordstein größer ist als erwartet.
Mit der richtigen Technik wird die Fahrt im Linienbus entspannt.
Wer mit einem Rollator unterwegs ist, stellt sich oft die Frage, wo er eigentlich fahren darf und muss. Die rechtliche Lage in Deutschland ist hierbei völlig eindeutig.
Gemäß der Straßenverkehrsordnung (StVO) gelten Personen, die einen Rollator nutzen, rechtlich als Fußgänger (vgl. § 25 StVO). Das bedeutet für Sie:
Gehwegnutzung ist Pflicht: Sie müssen die Gehwege nutzen. Die Fahrbahn oder ausgewiesene Radwege sind für Sie tabu, es sei denn, es gibt keinen Gehweg.
Zebrastreifen und Ampeln: An Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) haben Sie absoluten Vorrang vor dem fließenden Autoverkehr. Autofahrer müssen anhalten. Gleiches gilt an Kreuzungen für abbiegende Fahrzeuge, wenn Sie die Straße geradeaus überqueren möchten.
Das Problem der zugeparkten Gehwege: Leider sind Gehwege oft durch parkende Autos, E-Scooter oder Mülltonnen blockiert. Aktuelle Gerichtsurteile (wie etwa vom Bundesverwaltungsgericht) stärken hier die Rechte von Fußgängern und Rollator-Nutzern. Gehwege müssen so breit bleiben, dass Sie problemlos passieren können. Ist der Weg blockiert, weichen Sie nur dann auf die Straße aus, wenn diese absolut frei und übersichtlich ist. Suchen Sie sich andernfalls einen sicheren Überweg auf die andere Straßenseite.
Gemeinsame Fuß- und Radwege: Hier ist besondere Vorsicht geboten. Rechnen Sie stets mit schnell herannahenden Radfahrern von hinten. Halten Sie sich möglichst weit rechts und machen Sie keine abrupten Richtungswechsel ohne vorherigen Schulterblick.
Ein Video-Training vermittelt Ihnen die Basis, doch die Jahreszeiten bringen eigene Tücken mit sich, auf die Sie vorbereitet sein müssen.
Im Herbst verwandelt nasses Laub die Gehwege in gefährliche Rutschbahnen. Die Räder des Rollators können hier schnell die Bodenhaftung verlieren. Gehen Sie in dieser Zeit besonders langsam und bremsen Sie frühzeitig und sanft. Vermeiden Sie ruckartiges Lenken.
Im Winter bei Schnee und Eis wird es noch kritischer. Für viele Rollatoren gibt es spezielles Winterzubehör. Dazu gehören aufsteckbare Kufen für die Räder oder spezielle Winterreifen mit einem tieferen Profil. Ebenso wichtig ist die Sichtbarkeit: In der dunklen Jahreszeit müssen Sie gesehen werden. Rüsten Sie Ihren Rollator mit Reflektoren an allen Seiten aus und bringen Sie kleine LED-Lichter am Rahmen an. Tragen Sie selbst idealerweise helle Kleidung oder eine Warnweste.
Reflektoren und Lichter sorgen für Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit.
Die Anschaffung eines Rollators und das dazugehörige Training werfen oft finanzielle Fragen auf. Hier müssen wir zwischen der reinen Bereitstellung des Hilfsmittels und dem Training unterscheiden.
Der Rollator als Kassenleistung: Liegt eine medizinische Notwendigkeit vor (z. B. Gehunsicherheit, Schwindel, Gelenkverschleiß), stellt Ihr Arzt ein Rezept für einen Rollator aus. Mit diesem Rezept gehen Sie zu einem Sanitätshaus, das Vertragspartner Ihrer gesetzlichen Krankenkasse ist. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten für ein Standardmodell. Sie müssen lediglich die gesetzliche Zuzahlung leisten. Diese beträgt 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro. Wünschen Sie ein leichteres Modell (Leichtgewichtrollator) oder spezielle Ausstattungen, müssen Sie die Differenz zum Festbetrag der Kasse als sogenannte Aufzahlung selbst tragen.
Kosten für das Video-Training: Das reine Video-Training im Internet ist in den allermeisten Fällen völlig kostenlos. Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Wohlfahrtsverbände stellen diese hochwertigen Schulungsvideos frei zugänglich zur Verfügung.
Unterstützung durch die Pflegekasse (Entlastungsbetrag): Wenn Sie das Video-Training nicht alleine durchführen möchten und Hilfe bei der praktischen Umsetzung auf der Straße benötigen, können Sie finanzielle Unterstützung der Pflegekasse nutzen. Sobald Sie mindestens in Pflegegrad 1 eingestuft sind, steht Ihnen der monatliche Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro (§ 45b SGB XI) zu. Dieses Geld können Sie nutzen, um eine anerkannte Betreuungskraft oder Alltagshilfe zu engagieren. Diese Fachkraft kann gemeinsam mit Ihnen die Videos anschauen, den Rollator ergonomisch korrekt einstellen und Sie bei Ihren ersten Spaziergängen und Busfahrten sichernd begleiten.
Selbst nach einem gründlichen Video-Training schleichen sich im Alltag oft wieder Fehler ein. Überprüfen Sie sich regelmäßig selbst auf folgende "Sünden":
Der Rollator als Lastenesel: Viele Nutzer hängen schwere Einkaufstaschen links und rechts an die Handgriffe. Das ist extrem gefährlich! Der Schwerpunkt des Rollators verlagert sich dadurch nach hinten und oben. Bei der kleinsten Unebenheit kippt das Gerät nach hinten über. Nutzen Sie ausschließlich den dafür vorgesehenen Korb oder das Netz, welches tief und mittig angebracht ist. Achten Sie auf die maximale Zuladung (meist 5 kg).
Der Rollator als Rollstuhl-Ersatz: Ein Rollator ist dafür da, dass Sie sich darauf ausruhen können, wenn er steht und die Feststellbremsen angezogen sind. Er ist nicht dafür gebaut, dass Sie sich daraufsetzen und von einer anderen Person schieben lassen. Die Konstruktion der Räder und Bremsen ist für diese Art der dynamischen Belastung nicht ausgelegt.
Vernachlässigung der Wartung: Ein Rollator ist ein Fahrzeug und muss gewartet werden. Prüfen Sie regelmäßig das Profil der Reifen und die Bremskraft. Wenn die Bremszüge ausleiern, greift die Bremse nicht mehr richtig. Ein Sanitätshaus kann dies in wenigen Minuten nachjustieren.
Angehörige spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Rollator-Trainings. Wenn Sie als Sohn, Tochter oder Pflegekraft diesen Artikel lesen, hier ein paar wichtige Ratschläge für Sie:
Schauen Sie sich die Trainingsvideos gemeinsam mit dem Senior an. Besprechen Sie die Szenen und pausieren Sie das Video, wenn etwas unklar ist. Wenn es an die praktische Übung geht, übernehmen Sie die Sicherung. Gehen Sie bei den ersten Gehversuchen leicht schräg hinter dem Nutzer, um im Falle eines Stolperns sofort eingreifen zu können. Ermutigen Sie, loben Sie und drängen Sie nicht zur Eile. Geduld ist hier der wichtigste Faktor.
Auch Betreuungskräfte im Rahmen einer 24-Stunden-Pflege oder ambulante Pflegedienste sollten das Thema Rollator-Training aktiv ansprechen und in den Pflegealltag integrieren. Ein gemeinsamer Spaziergang zum Bäcker, bei dem bewusst das Überwinden des Bordsteins nach den Regeln des Video-Trainings geübt wird, ist ein wertvolles Stück aktivierende Pflege.
Bevor Sie das Haus verlassen, gehen Sie diese kurze Sicherheits-Checkliste durch. Wenn Sie alle Punkte mit "Ja" beantworten können, sind Sie bestens gerüstet:
Kleidung: Trage ich festes, geschlossenes Schuhwerk mit rutschfester Sohle? (Keine weiten Hausschuhe oder Schlappen!)
Sicherheit: Sind lange Mäntel oder weite Schals so verstaut, dass sie sich nicht in den Rädern verfangen können?
Technik-Check: Greifen beide Bremsen sofort und gleichmäßig, wenn ich sie anziehe?
Feststellbremse: Rasten die Bremshebel hörbar ein, wenn ich sie nach unten drücke? Steht der Rollator dann bombenfest?
Einstellung: Sind die Handgriffe auf Höhe meiner Handgelenke arretiert und die Feststellschrauben fest angezogen?
Beladung: Ist meine Tasche sicher im Korb verstaut und hängt nichts an den Handgriffen?
Wegstrecke: Habe ich mir für den ersten Ausflug eine ruhige, bekannte Strecke ohne große Steigungen und mit abgesenkten Bordsteinen ausgesucht?
Der Umstieg auf einen Rollator markiert einen neuen Lebensabschnitt. Es ist völlig normal, dass dieser Schritt zunächst mit Unsicherheiten und Fragen verbunden ist. Ein Rollator-Training per Video ist das modernste, flexibelste und schonendste Mittel, um diese Unsicherheiten abzubauen.
Indem Sie die Module Schritt für Schritt in Ihrem eigenen Tempo durcharbeiten – von der korrekten Höheneinstellung über die aufrechte Körperhaltung bis hin zur Meisterung von Bordsteinen und der sicheren Busfahrt – verwandeln Sie Ihren Rollator von einem Fremdkörper in ein vertrautes Werkzeug. Sie erlernen nicht nur die rein technische Handhabung, sondern erarbeiten sich das wichtigste Gut im Straßenverkehr zurück: Ihr Selbstvertrauen.
Nehmen Sie sich die Zeit für das Training. Nutzen Sie die Möglichkeiten der digitalen Medien, binden Sie Ihre Angehörigen oder Betreuungskräfte ein und machen Sie sich mit den Verkehrsregeln vertraut. Wenn Sie die Tipps und Techniken aus diesem Ratgeber beherzigen, steht einem sicheren, aktiven und mobilen Alltag nichts mehr im Wege. Die Straßen gehören wieder Ihnen – sicher, souverän und selbstbestimmt.
Alles Wichtige zum Rollator-Training auf einen Blick