Tipps für pflegende Angehörige: Schmerzfreier Umgang und Hilfe bei Arthrose

Tipps für pflegende Angehörige: Schmerzfreier Umgang und Hilfe bei Arthrose

Einleitung: Wenn jede Bewegung schmerzt – Arthrose im Pflegealltag verstehen

Wenn die eigenen Eltern oder der Partner im Alter zunehmend auf Hilfe angewiesen sind, ist dies für pflegende Angehörige eine emotionale und körperliche Herausforderung. Kommt zu der allgemeinen Pflegebedürftigkeit noch eine fortgeschrittene Gelenkabnutzung hinzu, wird der Alltag oft zur Zerreißprobe. Jeder Handgriff, jedes Umdrehen im Bett und jeder Schritt zur Toilette kann für den Pflegebedürftigen mit massiven Schmerzen verbunden sein. Für Sie als pflegenden Angehörigen bedeutet das: Es ist extrem viel Fingerspitzengefühl, Geduld und vor allem das richtige technische Know-how gefragt.

Ein schmerzfreier Umgang bei der Pflege von Arthrose-Patienten ist kein Zufall, sondern das Resultat aus der richtigen Technik, dem Einsatz passender Hilfsmittel und einem tiefen Verständnis für die Erkrankung. Wenn Sie versuchen, Ihren Angehörigen mit reiner Muskelkraft aus dem Bett zu heben, schaden Sie nicht nur den ohnehin schon entzündeten und abgenutzten Gelenken des Patienten, sondern riskieren auch chronische Rückenschmerzen bei sich selbst. Die Pflege zu Hause muss daher immer unter der Prämisse des Eigenschutzes und der Ressourcenförderung stattfinden.

Dieser umfassende Ratgeber richtet sich direkt an Sie als pflegenden Angehörigen. Wir zeigen Ihnen detailliert und praxisnah, wie Sie rücken- und gelenkschonende Handgriffe beim Waschen, Anziehen und Aufstehen anwenden. Darüber hinaus informieren wir Sie über essenzielle Hilfsmittel, die neuesten finanziellen Unterstützungen der Pflegekasse (inklusive der aktuellen Leistungserhöhungen) und Dienstleistungen, die Ihnen den Pflegealltag spürbar erleichtern. Das Ziel ist klar: Mehr Lebensqualität für Ihren Angehörigen durch Schmerzreduktion und mehr Sicherheit und Entlastung für Sie selbst.

Was ist Arthrose? Medizinisches Basiswissen für pflegende Angehörige

Um einem Menschen mit Gelenkschmerzen richtig helfen zu können, müssen Sie verstehen, was im Körper des Betroffenen vor sich geht. Die Arthrose (medizinisch auch Arthrosis deformans genannt) ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Es handelt sich dabei um einen chronischen, fortschreitenden Gelenkverschleiß, der das altersübliche Maß übersteigt.

Der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis

Häufig werden die Begriffe Arthrose und Arthritis verwechselt, doch sie bezeichnen unterschiedliche Krankheitsbilder, die auch in der Pflege unterschiedlich berücksichtigt werden müssen:

  • Arthrose: Hierbei handelt es sich in erster Linie um einen mechanischen Verschleiß. Der Gelenkknorpel, der normalerweise als eine Art "Stoßdämpfer" zwischen den Knochen fungiert, wird zunehmend abgebaut. Im Endstadium reibt Knochen auf Knochen, was extrem schmerzhaft ist.

  • Arthritis: Dies ist eine entzündliche Gelenkerkrankung (oft autoimmun bedingt, wie die Rheumatoide Arthritis). Die Gelenke sind oft geschwollen, heiß und gerötet.

Wichtig für Sie zu wissen: Eine fortgeschrittene Arthrose kann sich phasenweise entzünden. Mediziner sprechen dann von einer aktivierten Arthrose. In diesen Phasen sind die Gelenke besonders schmerzempfindlich, geschwollen und überwärmt. Hier ist bei der Pflege äußerste Vorsicht geboten.

Typische Schmerzarten und Symptome im Alltag

Wenn Sie Ihren Angehörigen pflegen, werden Sie feststellen, dass die Schmerzen nicht immer gleich stark sind. Arthrose ist durch ganz spezifische Schmerzmuster gekennzeichnet:

  • Anlaufschmerz: Dies ist der typische Schmerz am Morgen oder nach längerem Sitzen. Die ersten Schritte fallen extrem schwer, die Gelenke fühlen sich steif an (die sogenannte Morgensteifigkeit). Nach einigen Minuten Bewegung lässt dieser Schmerz oft etwas nach, da sich die restliche Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) im Gelenk verteilt.

  • Belastungsschmerz: Tritt auf, wenn das Gelenk stark beansprucht wird, zum Beispiel beim Treppensteigen (typisch für Knie- und Hüftarthrose) oder beim Tragen von Gegenständen.

  • Ruheschmerz: In einem weit fortgeschrittenen Stadium oder bei einer aktivierten Arthrose schmerzen die Gelenke auch im Liegen. Dies führt oft zu massiven Schlafproblemen bei den Pflegebedürftigen.

Die goldenen Grundregeln: Kinästhetik und Eigenschutz

Bevor wir zu den konkreten Handgriffen kommen, müssen wir über das wichtigste Prinzip in der Pflege sprechen: die Kinästhetik. Die Kinästhetik ist die Lehre von der menschlichen Bewegung. In der Pflege bedeutet das: Sie heben den Patienten nicht, sondern Sie unterstützen ihn dabei, seine eigenen Bewegungsressourcen zu nutzen. Das schont die Gelenke des Arthrose-Patienten und schützt Ihren eigenen Rücken vor Bandscheibenvorfällen.

Prinzipien der schonenden Bewegung

  1. Gewicht verlagern statt heben: Versuchen Sie niemals, das volle Körpergewicht Ihres Angehörigen zu heben. Nutzen Sie stattdessen die Gewichtsverlagerung. Wenn sich jemand nach vorne lehnt, wird das Gesäß automatisch leichter. Diesen physikalischen Effekt nutzen Sie beim Aufstehen.

  2. Ziehen und Schieben statt Tragen: Bewegungen im Bett (zum Beispiel das Höherrutschen) sollten immer durch Schieben, Rollen oder Gleiten erfolgen. Hilfsmittel wie Gleitmatten oder Rutschbretter wirken hier Wunder.

  3. Ressourcen nutzen: Auch wenn Ihr Angehöriger Schmerzen hat, kann er meist noch bestimmte Bewegungen selbst ausführen. Fordern Sie diese Eigenbewegungen ein. "Hilf mir, es selbst zu tun" ist das Leitmotiv. Jeder Muskel, der noch selbst angespannt wird, stabilisiert das schmerzende Gelenk.

  4. Zeit lassen: Arthrose-Gelenke brauchen Zeit, um "warm" zu werden. Ruckartige Bewegungen führen zu sofortigen, stechenden Schmerzen und zu einer unwillkürlichen Verkrampfung der Muskulatur, was die Pflege im Anschluss noch schwerer macht.

So schonen Sie Ihren eigenen Rücken

Ihre eigene Gesundheit ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Sie die Pflege langfristig durchführen können. Beachten Sie daher immer diese Regeln für den Eigenschutz:

  • Arbeiten Sie immer mit leicht gebeugten Knien und geradem Rücken.

  • Stellen Sie das Pflegebett (falls vorhanden) immer auf Ihre individuelle Arbeitshöhe ein (etwa auf Höhe Ihres Beckens), bevor Sie mit der Pflege am Bett beginnen.

  • Tragen Sie flaches, rutschfestes Schuhwerk, um einen sicheren Stand zu haben.

  • Sprechen Sie jeden Schritt vorher mit Ihrem Angehörigen ab. Wenn der Patient weiß, was passiert, kann er sich darauf einstellen und unkontrollierte Gegenbewegungen werden vermieden.

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Mit der richtigen Technik schonen Sie Gelenke und Ihren eigenen Rücken.

Praktische Handgriffe für den Morgen: Aufstehen leicht gemacht

Der Morgen ist für Arthrose-Patienten oft die schwerste Zeit des Tages. Die Gelenke sind durch die nächtliche Ruhephase steif, die Schmerzen beim ersten Bewegen (Anlaufschmerz) sind immens. Das Aufstehen aus dem Bett erfordert daher eine spezielle, sanfte Technik.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Liegen zum Sitzen

Vermeiden Sie es unbedingt, den Patienten an den Armen oder Schultern direkt nach oben ziehen zu wollen. Das reißt an den Gelenken und schädigt Ihre Wirbelsäule. Nutzen Sie stattdessen die "En-bloc-Drehung" (das Drehen des Körpers als eine Einheit):

  1. Vorbereitung: Stellen Sie das Pflegebett auf eine für Sie angenehme Arbeitshöhe. Informieren Sie Ihren Angehörigen: "Wir drehen uns jetzt auf die Seite."

  2. Beine aufstellen: Bitten Sie Ihren Angehörigen, die Beine nacheinander aufzustellen. Wenn dies wegen Kniearthrose nicht möglich ist, schieben Sie sanft eine Hand unter die Kniekehle und helfen Sie beim Anwinkeln.

  3. Drehung auf die Seite: Der Patient legt den Arm, der in die Drehrichtung zeigt, leicht abgewinkelt neben sich. Den anderen Arm legt er über die Brust. Greifen Sie nun an die Schulter und das Becken des Patienten (nicht an die Gelenke selbst, sondern an die stabilen Körperpartien) und rollen Sie ihn sanft als Ganzes zu sich auf die Seite.

  4. Beine aus dem Bett: Führen Sie nun die Beine des Patienten sanft über die Bettkante, sodass die Unterschenkel nach unten hängen. Das Gewicht der Beine wirkt nun als Hebel.

  5. Aufrichten: Legen Sie eine Hand unter die Schulter des Patienten (oder in den Nackenbereich) und die andere Hand an das Becken. Bitten Sie den Patienten, sich mit dem unten liegenden Arm auf der Matratze abzustützen. Durch das Gewicht der sinkenden Beine und das gleichzeitige sanfte Drücken an der Schulter richtet sich der Patient fast wie von selbst in den Sitz auf.

Lassen Sie den Patienten nun einige Minuten auf der Bettkante sitzen. Der Kreislauf muss sich stabilisieren und die Gelenke können sich an die neue Position gewöhnen. Ein Bettgalgen (Aufrichthilfe am Pflegebett) kann dem Patienten zusätzlich helfen, sich selbstständig hochzuziehen, sofern die Schulter- und Handgelenke nicht zu stark von Arthrose betroffen sind.

Körperpflege und Waschen: Rücksicht auf steife Gelenke

Die tägliche Körperpflege ist ein sensibler Bereich. Die Nacktheit macht verletzlich und die Angst vor Schmerzen bei ungeschickten Bewegungen ist groß. Wärme ist bei (nicht aktivierter) Arthrose oft sehr wohltuend, da sie die Muskulatur entspannt und die Durchblutung fördert.

Waschen am Waschbecken oder im Bett

Wenn die Pflege am Waschbecken stattfindet, sollte unbedingt ein stabiler Stuhl oder Hocker bereitstehen. Das lange Stehen belastet Knie und Hüften enorm. Achten Sie auf eine angenehme Raumtemperatur im Badezimmer, da Kälte die Muskeln kontrahieren lässt und Gelenkschmerzen verstärkt.

Beim Waschen selbst gilt: Führen Sie den Waschlappen mit sanftem, flächigem Druck über die Haut. Vermeiden Sie es, Gelenke (wie Arme oder Beine) stark anzuheben oder zu verdrehen, um in die Achseln oder den Intimbereich zu gelangen. Bitten Sie den Patienten stattdessen, sich leicht zur Seite zu neigen, um die entsprechenden Stellen freizugeben.

Duschen und Baden

Das Duschen ist dem Baden oft vorzuziehen, da der Ein- und Ausstieg aus einer normalen Badewanne für Arthrose-Patienten extrem gefährlich und schmerzhaft ist. Nutzen Sie in der Dusche zwingend einen Duschstuhl oder einen fest installierten Klappsitz. Ein rutschfester Bodenbelag oder eine Antirutschmatte reduzieren die Sturzgefahr, die durch die instabilen Gelenke ohnehin erhöht ist.

Falls Ihr Angehöriger das Baden bevorzugt, ist ein Badewannenlift unerlässlich (mehr dazu im Abschnitt Hilfsmittel). Das warme Wasser in der Wanne kann eine hervorragende Schmerztherapie sein, doch ohne technische Hilfe beim Aussteigen drohen schwere Unfälle.

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An- und Auskleiden: Die richtige Technik bei Arthrose

Beim An- und Ausziehen müssen Schultern, Ellenbogen, Hüften und Knie stark gebeugt und gestreckt werden. Für einen Arthrose-Patienten ist das oft eine Qual. Mit der richtigen Kleidungswahl und einer speziellen Reihenfolge können Sie diese Schmerzen jedoch minimieren.

Die goldene Regel: Betroffene Seite zuerst rein, gesunde Seite zuerst raus

Diese Regel aus der Pflegepraxis sollten Sie sich unbedingt einprägen. Sie gilt besonders, wenn eine Körperseite (z.B. eine Schulter oder ein Knie) stärker von Arthrose betroffen ist als die andere.

  • Beim Anziehen: Sie beginnen immer mit dem schmerzenden, kranken Gelenk. Wenn Sie beispielsweise einen Pullover anziehen, führen Sie zuerst den Arm mit der schmerzenden Schulter in den Ärmel. Warum? Weil der Stoff in diesem Moment noch völlig locker ist und Sie den Arm nicht verdrehen müssen. Danach kann der gesunde Arm, der noch beweglich ist, problemlos in den anderen Ärmel schlüpfen.

  • Beim Ausziehen: Hier ist es genau umgekehrt. Sie streifen das Kleidungsstück zuerst vom gesunden Arm ab. Dadurch entsteht viel Freiraum im Kleidungsstück, sodass Sie es anschließend ganz leicht und ohne Zug vom schmerzenden Gelenk gleiten lassen können.

Arthrosegerechte Kleidung

Sortieren Sie den Kleiderschrank Ihres Angehörigen aus und setzen Sie auf funktionale, bequeme Mode:

  • Vermeiden Sie kleine Knöpfe. Fingerarthrose macht das Zuknöpfen unmöglich. Setzen Sie auf Klettverschlüsse, Magnetverschlüsse oder Reißverschlüsse mit großen Zippern.

  • Hosen sollten einen dehnbaren Gummizug haben (sogenannte Schlupfhosen). Enge Jeans oder Hosen mit komplizierten Gürtelschnallen sind ungeeignet.

  • Weite Ärmel und weite Halsausschnitte erleichtern das Überziehen enorm.

  • Schuhe sollten idealerweise mit langen Schuhlöffeln angezogen werden können (z.B. Slipper) oder Klettverschlüsse besitzen. Bücken ist pures Gift für eine arthrotische Hüfte oder Wirbelsäule.

Toilettengang und Intimpflege: Würde bewahren, Schmerzen vermeiden

Der Gang zur Toilette muss oft schnell gehen. Wenn dann Knie und Hüfte schmerzen, ist die Sturzgefahr besonders hoch. Das Hinsetzen auf eine normal niedrige Toilette erfordert viel Kraft in den Oberschenkeln und zwingt die Knie in eine starke Beugung.

Die Toilettensitzerhöhung

Die einfachste und effektivste Lösung ist eine Toilettensitzerhöhung. Diese wird einfach auf das bestehende WC-Becken montiert und erhöht die Sitzfläche um 10 bis 15 Zentimeter. Der Winkel in Hüfte und Knie bleibt dadurch viel stumpfer, was das Aufstehen und Hinsetzen schmerzfrei macht. Ergänzt werden sollte dies durch fest an der Wand montierte Haltegriffe oder hochklappbare Stützklappgriffe, an denen sich der Patient mit den Armen hochdrücken kann.

Die Intimpflege

Die Intimpflege ist oft mit Scham besetzt. Wenn der Patient aufgrund von Schulter- oder Wirbelsäulenarthrose nicht mehr selbst an den Intimbereich heranreicht, müssen Sie unterstützen. Arbeiten Sie hier mit Einmalwaschlappen und warmem Wasser. Bitten Sie den Patienten, sich auf der Toilette leicht nach vorne oder zur Seite zu neigen, um die Bereiche zugänglich zu machen, ohne dass Sie die Beine des Patienten gewaltsam spreizen müssen (was bei Hüftarthrose extrem schmerzhaft wäre).

Hilfsmittel bei Arthrose: Technische Unterstützung für mehr Lebensqualität

Sie müssen und können die körperlichen Einschränkungen Ihres Angehörigen nicht allein mit Muskelkraft kompensieren. Der Einsatz von Hilfsmitteln ist essenziell. Als Spezialist für Seniorenpflege weiß PflegeHelfer24, wie entscheidend die richtige technische Ausstattung für den Verbleib in den eigenen vier Wänden ist.

Badewannenlifte und Duschhilfen

Wie bereits erwähnt, ist das Bad ein Gefahrenherd. Ein Badewannenlift wird in die Wanne gestellt. Der Patient setzt sich auf den Sitz auf Höhe des Wannenrandes und wird per Knopfdruck sanft ins Wasser abgelassen und später wieder hochgefahren. Dies schont die Gelenke komplett und ermöglicht wieder entspannende Wärmebäder. Für die Dusche sind neben dem Duschstuhl auch rutschfeste Matten und Haltegriffe zwingend erforderlich.

Treppenlifte für uneingeschränkte Mobilität im Haus

Treppensteigen ist der absolute Feind von Knie- und Hüftarthrose. Das ständige Beugen unter voller Gewichtsbelastung führt zu extremen Belastungsschmerzen und beschleunigt den Knorpelabbau. Ein Treppenlift (Sitzlift) ist oft die einzige Möglichkeit, das obere Stockwerk weiterhin sicher zu erreichen. Moderne Systeme lassen sich auch an kurvigen und sehr schmalen Treppen installieren.

Elektromobile und Elektrorollstühle für draußen

Wenn die Arthrose so weit fortgeschritten ist, dass längere Spaziergänge unmöglich werden, droht die soziale Isolation. Ein Rollator reicht oft nicht aus, da er bei Schulter- und Handgelenksarthrose schwer zu schieben ist. Hier bieten Elektromobile (Seniorenmobile) oder Elektrorollstühle die perfekte Lösung. Sie ermöglichen es dem Patienten, selbstständig einkaufen zu gehen oder Ausflüge zu machen, ohne die Gelenke zu belasten.

Hausnotruf: Sicherheit bei Sturzgefahr

Arthrose führt zu einer Instabilität der Gelenke (sogenanntes Giving-Way-Phänomen, bei dem das Knie plötzlich nachgibt). Die Sturzgefahr ist immens hoch. Ein Hausnotruf ist daher ein absolutes Muss. Über einen kleinen Sender am Handgelenk oder um den Hals kann der Patient nach einem Sturz sofort Hilfe rufen, auch wenn er nicht mehr selbst aufstehen kann. Die Pflegekasse übernimmt bei anerkanntem Pflegegrad in der Regel die monatlichen Kosten für das Basisgerät in Höhe von 25,50 Euro.

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Barrierefreier Badumbau: Zuschüsse und Möglichkeiten

Oft reichen kleine Hilfsmittel nicht aus, besonders wenn die Badezimmertür zu schmal für den Rollator ist oder die Dusche einen hohen Einstieg hat. Ein barrierefreier Badumbau ist dann der nachhaltigste Weg, um die häusliche Pflege sicherzustellen.

Dazu gehört in der Regel der Einbau einer bodengleichen (ebenerdigen) Dusche, die Installation eines unterfahrbaren Waschbeckens und die Anpassung der Toilettenhöhe. Das Beste daran: Wenn Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat, zahlt die Pflegekasse im Rahmen der Wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Leben zwei Pflegebedürftige im Haushalt (z.B. beide Elternteile), kann sich der Zuschuss sogar auf bis zu 8.000 Euro verdoppeln.

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Finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse (Aktuelle Sätze)

Pflege kostet Geld und Kraft. Der Gesetzgeber hat deshalb umfangreiche finanzielle Hilfen im Sozialgesetzbuch (SGB XI) verankert. Voraussetzung für alle Leistungen ist, dass ein Pflegegrad (1 bis 5) durch den Medizinischen Dienst (MD) festgestellt wurde. Beantragen Sie diesen unbedingt so früh wie möglich bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen.

Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden in den letzten Jahren regelmäßig angepasst, um der Inflation und den steigenden Kosten gerecht zu werden. Hier sind die aktuellen, erhöhten Beträge (Stand ab 2025), die Ihnen zustehen:

Pflegegeld (für die häusliche Pflege durch Angehörige)

Das Pflegegeld wird direkt auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen und ist als finanzielle Anerkennung für Sie als pflegenden Angehörigen gedacht. Es steht zur freien Verfügung. Die Sätze wurden zum 1. Januar 2025 um 4,5 Prozent erhöht:

  • Pflegegrad 1: kein Anspruch auf Pflegegeld

  • Pflegegrad 2:347 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 3:599 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 4:799 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 5:990 Euro pro Monat

Pflegesachleistungen (für ambulante Pflegedienste)

Wenn Sie die Pflege nicht allein schaffen und einen professionellen ambulanten Pflegedienst beauftragen (z.B. für das Waschen oder das Anziehen), rechnet dieser die Pflegesachleistungen direkt mit der Pflegekasse ab. Auch diese Beträge wurden 2025 erhöht:

  • Pflegegrad 1: kein Anspruch

  • Pflegegrad 2:796 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 3:1.497 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 4:1.859 Euro pro Monat

  • Pflegegrad 5:2.299 Euro pro Monat

Tipp: Sie können Pflegegeld und Pflegesachleistungen auch kombinieren (sogenannte Kombinationsleistung). Wenn der Pflegedienst beispielsweise nur 50 % der zustehenden Sachleistungen verbraucht, erhalten Sie noch 50 % des Pflegegeldes ausgezahlt.

Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel

Zusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistungen steht jedem Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 ein Entlastungsbetrag zu. Dieser wurde 2025 auf 131 Euro monatlich angehoben (zuvor 125 Euro). Dieser Betrag ist zweckgebunden und kann für anerkannte Alltagshilfen, Putzkräfte oder Betreuungsgruppen genutzt werden. Er wird nicht bar ausgezahlt, sondern gegen Einreichen von Rechnungen erstattet.

Für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (wie Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Bettschutzeinlagen) zahlt die Kasse nun 42 Euro pro Monat (zuvor 40 Euro). Diese sogenannten "Pflegeboxen" können Sie sich bequem monatlich nach Hause liefern lassen.

Für detaillierte rechtliche Grundlagen und weiterführende Informationen zu Ihren Ansprüchen empfehlen wir das offizielle Portal des Bundesgesundheitsministeriums.

Dienstleistungen zur Entlastung: Sie müssen nicht alles alleine schaffen

Die Pflege eines an Arthrose erkrankten Angehörigen ist ein Marathon, kein Sprint. Wer versucht, alles allein zu stemmen, gerät schnell in die Überlastung (Burnout). Nutzen Sie daher die vorhandenen Dienstleistungen, um sich Freiräume zu schaffen.

Ambulante Pflege und Alltagshilfe

Ein ambulanter Pflegedienst kann Ihnen die schwersten körperlichen Aufgaben abnehmen. Wenn die Pflegekräfte morgens kommen, um Ihren Angehörigen aus dem Bett zu holen, zu waschen und anzuziehen, fällt die größte körperliche Belastung für Sie weg. Alltagshilfen kümmern sich hingegen um den Haushalt, gehen einkaufen oder begleiten Ihren Angehörigen zum Arzt. Dies kann über den oben erwähnten Entlastungsbetrag finanziert werden.

24-Stunden-Pflege als Alternative zum Pflegeheim

Wenn die Arthrose so stark ausgeprägt ist, dass der Patient nachts mehrfach Hilfe beim Umdrehen im Bett benötigt oder nicht mehr allein zur Toilette gehen kann, reicht ein ambulanter Dienst oft nicht mehr aus. Bevor der Weg ins Pflegeheim führt, ist die sogenannte 24-Stunden-Pflege eine hervorragende Alternative. Hierbei zieht eine Betreuungskraft (oft aus dem osteuropäischen Ausland) mit in den Haushalt ein. Sie übernimmt die Grundpflege, den Haushalt und ist auch nachts ansprechbar. Dies bietet dem Patienten den Verbleib in der gewohnten Umgebung und Ihnen als Angehörigem die maximale Entlastung.

Pflegeberatung nach § 37 Abs. 3 SGB XI

Wenn Sie Pflegegeld beziehen und die Pflege allein organisieren, sind Sie gesetzlich verpflichtet, regelmäßig (je nach Pflegegrad halb- oder vierteljährlich) einen Beratungseinsatz durch eine professionelle Pflegekraft abzurufen (§ 37 Abs. 3 SGB XI). Sehen Sie dies nicht als Kontrolle, sondern als Chance! Die Pflegeberater geben Ihnen direkt vor Ort wertvolle Tipps zu Handgriffen, prüfen, ob neue Hilfsmittel nötig sind, und zeigen Ihnen schonende Techniken für den Umgang mit den arthrotischen Gelenken Ihres Angehörigen.

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Ernährung und Bewegung: Den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen

Auch wenn Arthrose nicht heilbar ist, können Ernährung und Bewegung den Verlauf der Krankheit und vor allem die Schmerzintensität maßgeblich beeinflussen. Als pflegender Angehöriger haben Sie oft großen Einfluss auf den Speiseplan und den Tagesablauf.

Entzündungshemmende Ernährung bei Arthrose

Der Knorpelabbau geht oft mit entzündlichen Prozessen einher. Bestimmte Lebensmittel fördern diese Entzündungen, andere hemmen sie:

  • Vermeiden: Fleisch (insbesondere Schweinefleisch) und Wurstwaren enthalten viel Arachidonsäure. Diese Omega-6-Fettsäure ist ein massiver Treiber für Entzündungen in den Gelenken. Reduzieren Sie den Fleischkonsum auf ein Minimum. Auch Zucker und Weißmehlprodukte sollten stark eingeschränkt werden.

  • Bevorzugen: Setzen Sie auf Omega-3-Fettsäuren, da diese stark entzündungshemmend wirken. Sie finden sich reichlich in fettem Seefisch (Lachs, Makrele, Hering) sowie in Leinöl, Walnussöl und Chiasamen. Viel frisches Gemüse, Beeren und Gewürze wie Kurkuma und Ingwer sollten täglich auf dem Speiseplan stehen.

Sanfte Bewegungstherapien: Wer rastet, der rostet

Es klingt paradox: Obwohl die Gelenke schmerzen, ist Bewegung das Wichtigste bei Arthrose. Nur durch Bewegung wird die Gelenkschmiere produziert und Nährstoffe werden in den restlichen Knorpel einmassiert. Ohne Bewegung verhungert der Knorpel regelrecht und die Gelenkkapsel schrumpft, was zu noch mehr Steifigkeit führt.

Achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger sich bewegt, aber ohne die Gelenke mit Gewicht zu belasten. Optimal sind:

  • Wassergymnastik / Schwimmen: Im Wasser trägt der Körper nur noch einen Bruchteil seines Gewichts. Die Gelenke können frei und schmerzarm durchbewegt werden.

  • Fahrradfahren / Ergometer: Das Sitzen auf dem Sattel entlastet Knie und Hüfte, während die kreisende Bewegung die Gelenke schmiert. Ein Heimtrainer (Ergometer) im Wohnzimmer ist ideal, da er wetterunabhängig genutzt werden kann.

  • Physiotherapie: Lassen Sie sich vom Hausarzt regelmäßig Krankengymnastik verschreiben. Der Physiotherapeut kann verklebte Faszien lösen und gezielt Muskeln aufbauen, die die kranken Gelenke stützen.

Eine bunte, appetitlich angerichtete Mahlzeit auf einem rustikalen Holztisch. Auf dem Teller liegen frischer Lachs, knackiges grünes Gemüse und Walnüsse, daneben steht ein Glas stilles Wasser.

Eine entzündungshemmende Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren unterstützt die Gelenkgesundheit.

Checkliste: Ist Ihr Zuhause arthrosegerecht?

Um Ihnen die Umsetzung im Alltag zu erleichtern, nutzen Sie diese Checkliste, um potenzielle Gefahrenquellen und Schmerzverursacher in der Wohnung zu eliminieren:

  • Sind Stolperfallen wie lose Teppiche und Türschwellen entfernt?

  • Ist das Bett auf einer Komforthöhe, die ein leichtes Aufstehen ermöglicht?

  • Ist in der Dusche ein stabiler Duschstuhl oder Klappsitz vorhanden?

  • Gibt es Haltegriffe an der Toilette und in der Dusche?

  • Ist eine Toilettensitzerhöhung installiert?

  • Sind Treppen mit einem Treppenlift gesichert oder können vermieden werden?

  • Trägt Ihr Angehöriger Kleidung mit Klettverschlüssen oder Gummizügen statt Knöpfen?

  • Ist ein Hausnotruf-System für den Fall eines Sturzes eingerichtet?

  • Haben Sie einen Pflegegrad beantragt, um finanzielle Zuschüsse für Umbauten und Hilfsmittel zu erhalten?

Zusammenfassung: Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

Die Pflege eines Angehörigen mit Arthrose erfordert viel Einfühlungsvermögen, Wissen und die richtige Technik. Erinnern Sie sich stets an die Grundregel der Kinästhetik: Ziehen und Schieben statt Heben. Nutzen Sie die verbliebenen Ressourcen Ihres Angehörigen und lassen Sie ihm morgens Zeit, um den Anlaufschmerz zu überwinden. Arbeiten Sie bei der Körperpflege mit Wärme und passen Sie die Kleidung (z.B. durch Klettverschlüsse) an die eingeschränkte Beweglichkeit an.

Machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer und nutzen Sie technische Hilfsmittel wie Badewannenlifte, Treppenlifte oder Elektromobile, um Schmerzen zu reduzieren und die Mobilität zu erhalten. Die Pflegekasse bietet Ihnen durch Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Zuschüsse zum barrierefreien Badumbau (bis zu 4.000 Euro) massive finanzielle Unterstützung. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Form von ambulanten Pflegediensten oder einer 24-Stunden-Pflege in Anspruch zu nehmen, wenn die Belastung für Sie zu groß wird.

Vergessen Sie bei aller Fürsorge für Ihren Angehörigen niemals sich selbst. Nur wenn Sie Ihren eigenen Rücken schonen und sich Auszeiten nehmen, können Sie diese wertvolle und anspruchsvolle Aufgabe auf Dauer meistern.

Häufige Fragen zur Pflege bei Arthrose

Hier finden Sie die wichtigsten Antworten für pflegende Angehörige rund um das Thema Arthrose.

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