Die Verschreibung von Cortison gehört zu den häufigsten und gleichzeitig wirkungsvollsten medizinischen Maßnahmen in der Behandlung älterer Menschen. Ob bei chronischen Gelenkentzündungen, schweren Atemwegserkrankungen oder Autoimmunleiden – Cortison ist oft das einzige Mittel, das rasche Linderung verschafft und die Lebensqualität spürbar verbessert. Doch gerade im fortgeschrittenen Alter ist diese Therapie mit besonderen Herausforderungen verbunden. Der alternde Körper reagiert empfindlicher auf Medikamente, der Stoffwechsel arbeitet langsamer, und oft müssen bereits andere Arzneimittel eingenommen werden.
Als renommierter Experte im Bereich der Seniorenpflege und Gesundheitsberatung bei PflegeHelfer24 ist es mein Ziel, Ihnen mit diesem Artikel einen absolut verlässlichen, detaillierten und praxisnahen Leitfaden an die Hand zu geben. Wir beleuchten nicht nur die medizinischen Hintergründe der Cortison-Therapie, sondern widmen uns vor allem den alltäglichen Herausforderungen. Sie erfahren, wie Sie Nebenwirkungen wie Hautveränderungen oder einem erhöhten Osteoporoserisiko effektiv begegnen, welche Hilfsmittel Ihren Alltag erleichtern und worauf Sie bei der Ernährung zwingend achten müssen.
Der Begriff Cortison wird umgangssprachlich oft als Sammelbegriff für eine ganze Gruppe von Medikamenten verwendet, die in der Fachsprache als Glukokortikoide bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um künstlich hergestellte Hormone, die dem körpereigenen Hormon Cortisol nachempfunden sind. Dieses Hormon wird natürlicherweise in den Nebennierenrinden produziert und ist lebenswichtig. Es steuert Stoffwechselvorgänge, reguliert den Blutdruck und dämpft Entzündungsreaktionen im Körper.
In der Geriatrie (Altersmedizin) sind Glukokortikoide wie Prednisolon oder Dexamethason unverzichtbar. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn das Immunsystem überreagiert oder schwere chronische Entzündungen den Körper belasten. Zu den häufigsten Anwendungsgebieten bei Senioren ab 65 Jahren zählen:
Rheumatoide Arthritis und Polymyalgia rheumatica: Entzündliche Gelenk- und Muskelerkrankungen, die ohne Behandlung zu massiven Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und schweres Asthma: Hier sorgt Cortison dafür, dass die chronisch entzündeten Atemwege abschwellen und die Patienten wieder frei atmen können.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, die auch im Alter schwere Schübe verursachen können.
Autoimmunerkrankungen und schwere Hautleiden: Beispielsweise Schuppenflechte oder allergische Reaktionen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift.
Die Wirkung von Cortison ist oft phänomenal: Schmerzen klingen ab, Schwellungen gehen zurück, und die Beweglichkeit kehrt zurück. Doch dieser medizinische Segen hat seinen Preis. Besonders bei einer Langzeittherapie (Einnahme über mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre) greift das Medikament tief in den Stoffwechsel ein. Dies erfordert von Ihnen als Patient oder als pflegender Angehöriger ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Disziplin.
Eine gute Aufklärung gibt Sicherheit im Pflegealltag
Die Art und Weise, wie Sie Ihr Cortison-Präparat einnehmen, hat einen massiven Einfluss auf die Verträglichkeit und das Risiko von Nebenwirkungen. Der Körper produziert sein eigenes Cortisol in einem festen Tagesrhythmus (dem sogenannten zirkadianen Rhythmus). Der Höhepunkt der körpereigenen Ausschüttung liegt in den frühen Morgenstunden, während die Produktion am Abend und in der Nacht fast vollständig ruht.
Um den natürlichen Rhythmus Ihres Körpers so wenig wie möglich zu stören, sollten Sie folgende unumstößliche Regeln beachten:
Die morgendliche Einnahme: Nehmen Sie die gesamte Tagesdosis (sofern Ihr Arzt nichts anderes verordnet hat) morgens zwischen 6:00 Uhr und 8:00 Uhr ein. Dies simuliert den natürlichen Hormonschub des Körpers und minimiert die Unterdrückung der eigenen Nebennierenfunktion.
Niemals auf nüchternen Magen: Cortison kann die Magenschleimhaut reizen. Nehmen Sie die Tabletten immer während oder direkt nach dem Frühstück mit einem großen Glas Leitungswasser (kein Grapefruitsaft!) ein.
Magenschutz beachten: Wenn Sie zusätzlich Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac (sogenannte NSAR) einnehmen, steigt das Risiko für Magengeschwüre drastisch. In der Regel verschreibt der Arzt dann einen Magenschutz (z. B. Pantoprazol).
Niemals abrupt absetzen (Ausschleichen): Dies ist die wichtigste Regel überhaupt! Wenn Sie Cortison über längere Zeit einnehmen, stellt Ihr Körper die eigene Produktion ein. Setzen Sie das Medikament plötzlich ab, gerät der Körper in eine lebensgefährliche Krise (die sogenannte Addison-Krise), da plötzlich gar kein Cortisol mehr vorhanden ist. Die Dosis muss über Wochen oder Monate in winzigen Schritten reduziert werden – man nennt dies Ausschleichen.
Eine der gravierendsten und am meisten gefürchteten Nebenwirkungen einer langfristigen Cortison-Therapie im Alter ist der Knochenschwund, medizinisch Osteoporose genannt. Cortison hemmt die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und fördert gleichzeitig die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten). Zudem verringert es die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm. Die Folge: Die Knochen verlieren an Dichte, werden porös und können schon bei geringsten Belastungen oder leichten Stürzen brechen. Typisch sind Wirbelkörperbrüche, Oberschenkelhalsbrüche oder Handgelenksfrakturen.
Gerade bei Senioren ist ein Oberschenkelhalsbruch oft ein dramatisches Ereignis, das den Verlust der Selbstständigkeit bedeuten kann. Daher ist eine konsequente Osteoporose-Prophylaxe ab dem ersten Tag einer Cortison-Langzeittherapie zwingend erforderlich:
Kalzium und Vitamin D3: Ihr Arzt sollte Ihnen ein Präparat verschreiben, das täglich etwa 1.000 Milligramm Kalzium und 800 bis 1.000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 liefert. Vitamin D ist essenziell, damit das Kalzium überhaupt in die Knochen eingebaut werden kann.
Knochendichtemessung (DXA-Scan): Bestehen Sie auf regelmäßigen Untersuchungen Ihrer Knochendichte. So kann der Arzt frühzeitig gegensteuern und bei Bedarf spezielle Osteoporose-Medikamente (z. B. Bisphosphonate) verordnen.
Bewegung ist Medizin: Sanftes Krafttraining, Spaziergänge oder Wassergymnastik setzen mechanische Reize auf die Knochen, was den Knochenaufbau stimuliert.
Praxis-Tipp für den Pflegealltag: Da das Sturzrisiko durch poröse Knochen und eine oft cortisonbedingte Muskelschwäche extrem hoch ist, sollten Sie das Wohnumfeld sturzsicher gestalten. Beseitigen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche. Hier kommen auch die Hilfsmittel von PflegeHelfer24 ins Spiel: Ein Hausnotruf ist bei Osteoporose-Patienten unerlässlich. Sollte es zu einem Sturz kommen, garantiert der Hausnotruf, dass innerhalb von Minuten professionelle Hilfe eintrifft – ein Knopfdruck genügt. Auch ein Treppenlift kann eine enorme Erleichterung sein, wenn die Beinkraft nachlässt und das Treppensteigen zu einem unkalkulierbaren Risiko wird.
Ein Hausnotruf bietet schnelle Hilfe nach Stürzen
Moderne Hilfsmittel sichern die Mobilität im Alter
Cortison greift massiv in den Kohlenhydratstoffwechsel ein. Es sorgt dafür, dass die Leber mehr Zucker produziert und gleichzeitig die Körperzellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin reagieren (Insulinresistenz). Das Ergebnis ist ein Anstieg des Blutzuckerspiegels. Bei vielen Senioren, die vielleicht ohnehin schon eine Veranlagung zu Alterszucker (Diabetes Typ 2) haben, kann die Cortison-Therapie den Ausbruch der Krankheit provozieren. Man spricht dann von einem Steroid-Diabetes.
Das Tückische daran: Ein leicht erhöhter Blutzucker verursacht anfangs keine Schmerzen. Erst wenn die Werte massiv entgleisen, kommt es zu Symptomen wie extremem Durst, häufigem Wasserlassen, Müdigkeit und Sehstörungen. Was Sie tun müssen:
Regelmäßige Blutzuckerkontrollen: Lassen Sie Ihren Nüchternblutzucker und den Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) regelmäßig vom Hausarzt überprüfen.
Ernährungsanpassung: Reduzieren Sie einfache Kohlenhydrate (Zucker, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, süße Getränke). Setzen Sie stattdessen auf komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und viel Gemüse. Diese lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.
Gewichtskontrolle: Cortison steigert häufig den Appetit und führt zu einer veränderten Fettverteilung (Stammfettsucht, Vollmondgesicht). Achten Sie auf eine kalorienangepasste Ernährung, um Übergewicht zu vermeiden, da dieses die Insulinresistenz weiter verschlimmert.
In vielen Fällen normalisiert sich der Blutzuckerspiegel wieder, sobald das Cortison reduziert oder abgesetzt wird. Bis dahin kann es jedoch notwendig sein, vorübergehend blutzuckersenkende Tabletten oder sogar Insulin einzusetzen.
Eine Nebenwirkung, die im Pflegealltag besonders häufig zu beobachten ist, ist die Veränderung der Hautstruktur. Cortison hemmt die Zellteilung und die Produktion von Kollagen. Bei einer Langzeittherapie wird die ohnehin im Alter dünner werdende Haut extrem fragil. Sie wird geradezu durchscheinend – man spricht von der sogenannten Pergamenthaut (medizinisch: Atrophie).
Diese Hautveränderung hat weitreichende Konsequenzen:
Schon leichte Stöße oder das bloße Abziehen eines Pflasters können zu tiefen Hautrissen (Skin Tears) und Blutergüssen führen.
Die Wundheilung ist durch das Cortison massiv verzögert. Aus kleinen Kratzern können schnell chronische Wunden werden.
Das Risiko für Hautinfektionen (durch Bakterien oder Pilze) steigt, da die natürliche Hautbarriere geschwächt ist.
Tipps zur Hautpflege bei Cortison-Therapie:
Verwenden Sie bei der täglichen Körperpflege ausschließlich milde, pH-neutrale Waschlotionen. Vermeiden Sie ausgedehnte, heiße Bäder, da diese die Haut zusätzlich austrocknen. Nach dem Waschen sollten Sie die Haut nicht trockenrubbeln, sondern nur sanft abtupfen. Cremen Sie den Körper täglich mit rückfettenden, harnstoffhaltigen (Urea) Pflegecremes ein, um die Feuchtigkeit in der Haut zu binden. Bei Wunden sollten Sie keine herkömmlichen Klebepflaster verwenden, sondern spezielle, silikonbeschichtete Wundauflagen, die beim Wechseln die Haut nicht einreißen.
Sollte die Körperpflege aufgrund von Gelenkschmerzen oder Schwäche zu beschwerlich werden, ist die Inanspruchnahme von ambulanter Pflege oder einer Alltagshilfe eine sinnvolle Überlegung. Professionelle Pflegekräfte wissen genau, wie sie mit empfindlicher Pergamenthaut umgehen müssen und können bei der täglichen Grundpflege unterstützen. Auch ein Badewannenlift oder ein barrierefreier Badumbau (zum Beispiel eine bodengleiche Dusche mit Sitzgelegenheit) reduzieren das Risiko von Stößen und Verletzungen im Badezimmer enorm.
Die richtige Pflege schützt empfindliche Pergamenthaut
Cortison fördert den Abbau von Eiweiß im Körper. Da Muskeln größtenteils aus Eiweiß bestehen, kann es bei längerer Einnahme zu einem spürbaren Muskelschwund und einer ausgeprägten Muskelschwäche kommen, der sogenannten Myopathie. Betroffen sind meistens die rumpfnahen Muskelgruppen, also die Oberschenkel-, Becken- und Oberarmmuskulatur.
Für Senioren bedeutet dies oft eine massive Einschränkung im Alltag. Das Aufstehen aus einem tiefen Sessel, das Treppensteigen oder das Heben der Arme beim Haarekämmen fallen plötzlich extrem schwer. Dies verstärkt wiederum die ohnehin bestehende Sturzgefahr.
Gegenmaßnahmen:
Eiweißreiche Ernährung: Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, muss dem Körper ausreichend Baumaterial zur Verfügung gestellt werden. Achten Sie auf hochwertige Proteinquellen wie mageres Fleisch, Fisch, Quark, Eier, Linsen und Nüsse.
Physiotherapie: Ein gezieltes Muskelaufbautraining unter fachkundiger Anleitung ist unerlässlich. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt Krankengymnastik verschreiben.
Mobilitätshilfen nutzen: Wenn die Kraft in den Beinen nachlässt, sollten Sie Ihren Stolz beiseitelassen und Hilfsmittel akzeptieren. Ein Rollator gibt Sicherheit beim Gehen. Für längere Strecken im Freien, etwa für den Einkauf oder den Ausflug in den Park, bietet ein Elektromobil oder ein Elektrorollstuhl ein enormes Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit zurück. Für das eigene Zuhause ist, wie bereits erwähnt, ein Treppenlift oft die einzige Möglichkeit, weiterhin alle Etagen des Hauses sicher nutzen zu können.
Die Augen sind besonders empfindlich gegenüber Glukokortikoiden. Zwei Erkrankungen treten im Zusammenhang mit Cortison besonders häufig auf:
Zum einen der Katarakt (Grauer Star), eine Trübung der Augenlinse, die zu einem verschwommenen, nebligen Sehen führt. Zum anderen das Glaukom (Grüner Star), bei dem der Augeninnendruck gefährlich ansteigt. Ein unbehandeltes Glaukom schädigt den Sehnerv unwiderruflich und kann zur Erblindung führen. Das Tückische am Grünen Star ist, dass er völlig schmerzfrei verläuft und vom Patienten selbst erst bemerkt wird, wenn bereits große Teile des Gesichtsfeldes ausgefallen sind.
Die zwingende Regel lautet daher: Wer langfristig Cortison einnimmt, muss mindestens einmal, besser zweimal im Jahr zur Kontrolle zum Augenarzt. Der Augeninnendruck muss zwingend gemessen werden. Sollte eine Sehverschlechterung eintreten, zögern Sie nicht, sofort einen Termin zu vereinbaren.
Cortison wird oft genau deshalb verschrieben, weil es das Immunsystem dämpft (Immunsuppression). Was bei Rheuma oder Autoimmunerkrankungen erwünscht ist, hat jedoch einen großen Nachteil: Die Abwehrkräfte gegen Viren, Bakterien und Pilze sind geschwächt. Ältere Menschen haben ohnehin ein weniger reaktionsfreudiges Immunsystem. Unter Cortison steigt das Risiko für Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte oder Gürtelrose (Herpes Zoster) signifikant an. Zudem verlaufen Infektionen oft untypisch: Da Cortison Fieber und Entzündungszeichen unterdrückt, kann eine schwere Infektion anfangs fast symptomlos verlaufen.
Schutzmaßnahmen für den Alltag:
Impfschutz aktualisieren: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Impfungen gegen Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung), Influenza (Grippe), Corona und Gürtelrose. Wichtig: Unter einer hochdosierten Cortison-Therapie dürfen in der Regel keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden. Klären Sie dies immer vorab ab.
Hygiene beachten: Gründliches Händewaschen, das Meiden von großen Menschenmengen in der Erkältungssaison und das Tragen einer Maske in Wartezimmern schützen vor Ansteckung.
Mundpflege: Cortison-Asthmasprays können Pilzinfektionen (Soor) im Mund- und Rachenraum begünstigen. Spülen Sie nach jeder Anwendung des Sprays den Mund gründlich mit Wasser aus oder essen Sie eine Kleinigkeit.
Eine gesunde Ernährung stärkt die Abwehrkräfte
Gute Hygiene schützt vor Infektionen
Eine weitere bekannte Nebenwirkung ist die sogenannte Mineralokortikoide Wirkung. Cortison veranlasst die Nieren dazu, Natrium (Salz) und Wasser im Körper zurückzuhalten, während gleichzeitig vermehrt Kalium ausgeschieden wird. Dies führt zu Wassereinlagerungen (Ödemen), besonders in den Beinen und im Gesicht (das typische "Vollmondgesicht").
Das zurückgehaltene Wasser erhöht das Volumen in den Blutgefäßen, was unweigerlich zu einem Anstieg des Blutdrucks führt (Hypertonie). Dauerhafter Bluthochdruck schädigt das Herz und die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle massiv. Gleichzeitig kann ein Kaliummangel zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfen und extremer Müdigkeit führen.
Ihre Ernährungs- und Überwachungsstrategie:
Streng salzarme Ernährung: Verzichten Sie auf das Nachsalzen der Speisen. Meiden Sie Fertigprodukte, Wurstwaren, salzige Käsesorten und Tütensuppen, da diese extrem viel verstecktes Salz enthalten. Würzen Sie stattdessen mit frischen Kräutern.
Kaliumreiche Lebensmittel bevorzugen: Integrieren Sie Bananen, Aprikosen, Tomaten, Kartoffeln und Spinat in Ihren Speiseplan, um den Kaliumverlust auszugleichen.
Blutdrucktagebuch führen: Messen Sie Ihren Blutdruck täglich zur gleichen Zeit und dokumentieren Sie die Werte für Ihren Arzt. Sollte der Blutdruck dauerhaft über 140/90 mmHg liegen, muss dieser medikamentös eingestellt werden.
Ein Aspekt, der bei der Cortison-Therapie oft übersehen wird, sind die Auswirkungen auf die Psyche und das zentrale Nervensystem. Cortison kann die Stimmungslage massiv beeinflussen. Die Bandbreite reicht von leichter Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen bis hin zu depressiven Verstimmungen, Aggressivität oder gar euphorischen Zuständen.
Besonders die abendliche Einnahme von Cortison führt unweigerlich zu Schlaflosigkeit, da das Hormon den Körper in eine Art künstlichen "Wach- und Stresszustand" versetzt. Deshalb ist die morgendliche Einnahme, wie oben beschrieben, so essenziell.
Für pflegende Angehörige ist es wichtig zu wissen: Stimmungsschwankungen oder plötzliche Gereiztheit des Patienten sind oft keine böse Absicht, sondern eine chemische Reaktion des Gehirns auf das Medikament. Mit viel Verständnis, einer ruhigen Umgebung und gegebenenfalls einer Dosisanpassung durch den Arzt lassen sich diese Symptome meist gut in den Griff bekommen.
Sichern Sie sich Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und Bettschutzeinlagen im Wert von 40 € monatlich – komplett kostenfrei ab Pflegegrad 1.
Jetzt kostenfrei beantragen
Die Langzeittherapie mit Cortison und die damit verbundenen Begleiterkrankungen (wie Osteoporose, Muskelschwäche, Sehverschlechterung) können im fortgeschrittenen Alter dazu führen, dass die Selbstständigkeit im Alltag nachlässt. Wenn Sie oder Ihr Angehöriger bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität oder der hauswirtschaftlichen Versorgung dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind, haben Sie Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse. Voraussetzung dafür ist die Anerkennung eines Pflegegrades.
Viele Senioren scheuen sich davor, einen Pflegegrad zu beantragen, weil sie den Begriff "Pflegebedürftigkeit" mit Bettlägerigkeit assoziieren. Doch das ist ein Irrtum. Bereits ein Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 kann gewährt werden, wenn die Mobilität durch Muskelschwäche eingeschränkt ist oder Hilfe bei der Medikamentengabe und Haushaltsführung benötigt wird.
Welche Vorteile bringt ein Pflegegrad?
Pflegegeld: Ein monatlicher finanzieller Betrag, der Ihnen zur freien Verfügung steht, wenn Angehörige die Pflege übernehmen. Ab Pflegegrad 2 erhalten Sie spürbare finanzielle Unterstützung.
Pflegesachleistungen: Wenn Sie einen professionellen Pflegedienst beauftragen (z. B. für die Wundversorgung der Pergamenthaut, das Richten der Cortison-Medikation oder das Anziehen von Kompressionsstrümpfen), rechnet dieser direkt mit der Pflegekasse ab.
Entlastungsbetrag: Unabhängig vom Pflegegrad (bereits ab Pflegegrad 1) stehen Ihnen monatlich 125 Euro zur Verfügung, die Sie beispielsweise für eine Haushaltshilfe, eine Alltagsbegleitung oder Einkaufshilfen nutzen können.
Zuschüsse zur Wohnumfeldverbesserung: Die Pflegekasse zahlt bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme für den barrierefreien Umbau Ihrer Wohnung. Dies ist extrem wichtig, wenn Sie aufgrund von Cortison-bedingter Muskelschwäche oder Osteoporose einen Treppenlift einbauen lassen müssen oder einen barrierefreien Badumbau (z. B. Einbau einer ebenerdigen Dusche oder eines Badewannenlifts) planen.
Zuschuss für Pflegehilfsmittel: Sie erhalten monatlich bis zu 40 Euro für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (wie Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Betteinlagen).
Sollte der Pflegebedarf sehr hoch sein, kann auch eine 24-Stunden-Pflege in Betracht gezogen werden. Hierbei zieht eine Betreuungskraft mit in den Haushalt ein und sorgt für Sicherheit, Begleitung und hauswirtschaftliche Versorgung rund um die Uhr. Das Team von PflegeHelfer24 berät Sie gerne unverbindlich zu all diesen Themen und unterstützt Sie bei der Beantragung des Pflegegrades sowie bei der Auswahl der passenden Hilfsmittel und Pflegekräfte.
Weitere offizielle Informationen zu Pflegegraden und gesetzlichen Ansprüchen finden Sie direkt beim Bundesministerium für Gesundheit.
Eine Pflegeberatung hilft bei der Beantragung von Leistungen
Senioren nehmen im Durchschnitt täglich fünf oder mehr verschiedene Medikamente ein. Wenn Cortison hinzukommt, ist höchste Vorsicht geboten, da es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann:
Schmerzmittel (NSAR): Die Kombination von Cortison mit Medikamenten wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen erhöht das Risiko für Magen-Darm-Blutungen drastisch.
Blutzuckersenker: Da Cortison den Blutzucker ansteigen lässt, muss die Dosis von Diabetes-Medikamenten (Tabletten oder Insulin) oft erhöht werden.
Blutdrucksenker und harntreibende Mittel (Diuretika): Cortison treibt den Blutdruck in die Höhe und fördert die Kaliumausscheidung. Werden gleichzeitig entwässernde Medikamente eingenommen, kann es zu einem gefährlichen Kaliummangel kommen.
Blutverdünner (Marcumar, DOAKs): Cortison kann die Wirkung von gerinnungshemmenden Medikamenten beeinflussen. Engmaschige Kontrollen der Blutgerinnungswerte sind Pflicht.
Die Lösung: Führen Sie einen vollständigen und aktuellen Medikamentenplan (Bundeseinheitlicher Medikationsplan). Zeigen Sie diesen Plan bei jedem Arztbesuch und in der Apotheke vor. Kaufen Sie keine rezeptfreien Mittel (auch keine pflanzlichen Präparate) ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker, da auch diese mit Cortison interagieren können.
Um Ihnen den Umgang mit der Therapie so einfach und sicher wie möglich zu machen, haben wir die wichtigsten Punkte in einer praktischen Checkliste zusammengefasst. Gehen Sie diese Punkte regelmäßig durch:
Einnahme-Routine: Nehme ich das Cortison jeden Morgen zwischen 6:00 und 8:00 Uhr zum Frühstück ein?
Medikationsplan: Ist mein Medikamentenplan aktuell und liegt er für Notfälle griffbereit (z. B. an der Pinnwand oder im Portemonnaie)?
Knochenschutz: Nehme ich täglich mein verschriebenes Kalzium- und Vitamin-D-Präparat ein? Wann war meine letzte Knochendichtemessung?
Sturzprävention: Sind alle Stolperfallen (Kabel, Teppiche) in der Wohnung beseitigt? Habe ich einen Hausnotruf installiert, um im Notfall Hilfe rufen zu können? Benötige ich Mobilitätshilfen wie einen Rollator oder einen Elektromobil?
Ernährung: Achte ich auf eine eiweißreiche, kaliumreiche, aber salz- und zuckerarme Kost?
Kontrolltermine: Sind die Termine beim Augenarzt (Augeninnendruck), Hausarzt (Blutzucker, Blutdruck) und Facharzt fest im Kalender notiert?
Körperpflege: Verwende ich rückfettende Lotionen für meine Haut? Sind meine Wundauflagen hautfreundlich?
Pflegegrad: Habe ich prüfen lassen, ob mir ein Pflegegrad zusteht, um finanzielle Unterstützung für Hilfsmittel (z. B. Treppenlift, Badewannenlift) oder ambulante Pflege zu erhalten?
Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Cortison einnehmen, befinden Sie sich in einer besonderen medizinischen Situation. Bei einem Unfall, einer schweren plötzlichen Erkrankung oder einer Operation braucht Ihr Körper extrem viel Cortisol, um den Stress zu bewältigen. Da Ihre eigenen Nebennieren durch die Therapie ruhen, kann der Körper dieses Cortisol nicht selbst produzieren. Ein Notarzt muss Ihnen in einer solchen Situation sofort hochdosiertes Cortison spritzen, um einen lebensgefährlichen Schock zu verhindern.
Tragen Sie daher zwingend immer einen Cortison-Notfallausweis (Steroid-Ausweis) bei sich. Diesen erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt oder in der Apotheke. Er sollte bei Ihren Ausweispapieren oder direkt beim Hausnotruf-Sender aufbewahrt werden, damit Rettungskräfte sofort Bescheid wissen.
Die Cortison-Therapie ist im Alter oft ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite rettet sie Leben, lindert unerträgliche Schmerzen und ermöglicht bei schweren Erkrankungen wie Rheuma oder COPD überhaupt erst wieder eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Auf der anderen Seite fordert sie vom Patienten und seinen Angehörigen ein hohes Maß an Disziplin, Wachsamkeit und Vorsorge.
Das Wichtigste, was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten, ist das Bewusstsein für die Prävention. Warten Sie nicht, bis die Knochen brechen, sondern nehmen Sie vom ersten Tag an Kalzium und Vitamin D. Warten Sie nicht, bis der Blutzucker entgleist, sondern passen Sie Ihre Ernährung frühzeitig an. Und vor allem: Setzen Sie das Medikament niemals eigenmächtig ab.
Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das deutsche Pflegesystem bietet weitreichende Unterstützung, sei es durch die Vergabe eines Pflegegrades, die Finanzierung von Wohnumfeldverbesserungen wie einem barrierefreien Badumbau oder die Bereitstellung von Hilfsmitteln wie Elektrorollstühlen und Hausnotrufsystemen. Auch professionelle Pflegekräfte, sei es durch ambulante Pflege oder eine 24-Stunden-Pflege, können den Alltag mit Cortison massiv erleichtern und sicherer machen.
Behalten Sie Ihren Körper genau im Blick, kommunizieren Sie offen mit Ihren behandelnden Ärzten und nutzen Sie die verfügbaren Beratungsangebote. Mit der richtigen Einstellung, einer konsequenten Überwachung und den passenden Hilfsmitteln lässt sich eine Cortison-Therapie im Alter sehr gut und sicher in den Alltag integrieren, sodass Sie Ihre zurückgewonnene Lebensqualität in vollen Zügen genießen können.
Wichtige Antworten auf einen Blick