Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen: DAK meldet 30 Prozent mehr Verdachtsfälle

Djamal Sadaghiani
Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen: DAK verzeichnet deutlichen Anstieg

Manipulierte Rezepte, nicht erbrachte Pflegeleistungen und Scheinabrechnungen belasten die gesetzlichen Krankenkassen in Millionenhöhe. Wie aus dem aktuellen Fehlverhaltensbericht der DAK-Gesundheit hervorgeht, stieg die Zahl neu erfasster Verdachtsfälle auf Abrechnungsbetrug in den Jahren 2024 und 2025 um rund 30 Prozent auf etwa 2.300 Fälle an. Insgesamt bearbeitete das Ermittlerteam der Kasse knapp 4.900 laufende und neue Vorgänge, was einem Zuwachs von 20 Prozent entspricht.

Millionenschaden für das Gesundheitssystem

Der durch unrechtmäßige Abrechnungen entstandene Gesamtschaden belief sich im zweijährigen Berichtszeitraum auf 15,6 Millionen Euro. Zwar lag diese Summe leicht unter dem Wert der Vorperiode, bleibt jedoch auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Der Kasse gelang es nach eigenen Angaben, rund 5,9 Millionen Euro an unberechtigt ausgezahlten Geldern zu sichern und zurückzuholen. Etwa 23 Prozent der abgeschlossenen Verdachtsfälle konnten zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Pflegebereich besonders stark im Fokus

Für den Pflegesektor liefert der Bericht alarmierende Zahlen: Fast jeder zweite erfasste Betrugsfall entfiel auf den Leistungsbereich der Pflege. Der finanzielle Schaden summierte sich hierbei auf rund 3,6 Millionen Euro. Die Verteilung zeigt deutliche Schwerpunkte:

  • Häusliche Krankenpflege: Über zwei Millionen Euro Schaden durch falsch deklarierte oder nicht geleistete Hausbesuche.
  • Außerklinische Intensivpflege: Rund eine Million Euro Schaden, unter anderem durch falsche Personalschlüsselabrechnungen.
  • Pflegeversicherung: Mehr als 600.000 Euro Schaden, insbesondere im Zusammenhang mit unberechtigt abgerechneter Verhinderungspflege.

Die Kasse betont, dass die überwiegende Mehrheit der Pflegedienste und Pflegekräfte absolut ehrlich und verlässlich arbeite. Dennoch führe der Missbrauch durch einzelne Anbieter und kriminelle Netzwerke zu einem spürbaren Vertrauens- und Finanzverlust.

Rezeptfälschungen bei teuren Medikamenten

Den finanziell größten Einzelschaden verzeichnete die Krankenkasse im Bereich der Arznei- und Verbandmittel mit 5,5 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren vor allem organisierte Rezeptfälschungen für hochpreisige Krebsmedikamente und neuartige Abnehmspritzen. Weitere Schadenssummen entstanden bei Fahrtkosten (1,8 Millionen Euro), Hilfsmitteln (1,6 Millionen Euro) sowie Heilmitteln wie Physiotherapie (800.000 Euro).

Organisierte Kriminalität und Ruf nach KI-Einsatz

Laut den Ermittlern der DAK-Gesundheit agieren Betrüger zunehmend professionell und in bandenmäßigen Strukturen, die systematisch Schwachstellen in den Prüfprozessen ausnutzen. Um diesen Entwicklungen wirksam entgegenzutreten, fordert die Kasse klarere gesetzliche Rahmenbedingungen für den Einsatz moderner Prüftechnologien. Neben der flächendeckenden Nutzung des E-Rezepts soll vor allem der Einsatz künstlicher Intelligenz bei der automatisierten Betrugserkennung kassenübergreifend gestärkt und datenschutzrechtlich abgesichert werden.

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