Alarm in Notaufnahmen: Fast jede zweite Klinik meldet schwere Überlastung
In den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser spitzt sich die Lage weiter zu. Eine aktuelle Blitzumfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) zeichnet ein beunruhigendes Bild der aktuellen Versorgungslage: In knapp der Hälfte der Notfallzentren (45 Prozent) herrschte am Erhebungsstichtag eine gravierende Überfüllung – in der Fachsprache als „Overcrowding“ bezeichnet. Bei fast 14 Prozent der befragten Häuser wurde die Situation sogar als schwerwiegend oder gefährlich eingestuft.
Wenn der Abfluss stockt: Das Phänomen des Exit-Blocks
Die Hauptursache für den massiven Rückstau in den Notaufnahmen liegt meist nicht allein am Patientenaufkommen an der Pforte, sondern an fehlenden Kapazitäten im weiteren Klinikbetrieb. Über 60 Prozent der teilnehmenden Kliniken meldeten einen sogenannten „Exit-Block“. Dabei können Patientinnen und Patienten nach abgeschlossener Erstversorgung nicht auf eine reguläre Station verlegt werden, weil dort schlichtweg keine freien Betten zur Verfügung stehen.
In der Folge verbleiben behandlungsbedürftige Menschen oft stundenlang auf den Liegen der Notaufnahme. Dies bindet wichtige räumliche und personelle Ressourcen, die für neu eintreffende Akutfälle fehlen.
Leitstellen leiten trotz Abmeldung weiter Patienten zu
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der DGINA-Erhebung betrifft die Zuweisung durch Rettungsdienste:
- Kapazitätsgrenzen erreicht: Fast ein Drittel (32,1 Prozent) der befragten Notaufnahmen meldete der Integrierten Leitstelle offiziell eine vollständige Erschöpfung der Aufnahmekapazitäten.
- Kein Zuweisungsstopp: Trotz dieser Notfallmeldung wurden vier von fünf betroffenen Kliniken (79,1 Prozent) weiterhin mit Notfallpatienten durch den Rettungsdienst angefahren.
- Gefahr für die Behandlungsqualität: Fachmediziner warnen davor, dass unter solchen extremen Bedingungen eine individuelle und zeitgerechte Versorgung kaum mehr gewährleistet werden kann.
Personalnot verschärft die Krise
Neben dem Mangel an stationären Betten verschärft der anhaltende Personalmangel die Situation spürbar. Zahlreiche Notaufnahmen beklagen unbesetzte Stellen im Pflegedienst sowie im ärztlichen Bereich. Fehlen Fachkräfte auf den peripheren Stationen, müssen dort Betten gesperrt werden – was den Abfluss aus der Notaufnahme zusätzlich blockiert.
Die Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin fordert daher grundlegende strukturelle Reformen. Die Überlastung der Zentralen Notaufnahmen sei kein isoliertes Problem der Abteilungen selbst, sondern ein deutliches Symptom für Fehlsteuerungen im gesamten Gesundheitssystem. Nötig seien eine bessere Patientensteuerung im Vorfeld, ein verlässliches Echtzeit-Monitoring der Kapazitäten sowie tragfähige Konzepte zur Entlastung des Klinikpersonals.
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