Arzneimittelversorgung in Gefahr: Pharmaverband fordert wirksame Standortklausel

Dominik Hübenthal
Medikamenten-Engpässe stoppen: BPI legt Konzept für Standortklausel vor

Die Verunsicherung im deutschen Gesundheitswesen wächst: Nach neuen gesetzlichen Sparmaßnahmen befürchtet die pharmazeutische Industrie drastische Einschnitte für den Produktionsstandort Deutschland. Angesichts drohender Abwanderungen und anhaltender Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln drängt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) nun auf klare politische Weichenstellungen.

Lieferengpässe bedrohen die pflegerische Versorgung

Gerade in der Alten- und Krankenpflege gehören fehlende Medikamente längst zum belastenden Alltag. Ob lebenswichtige Antibiotika, Schmerzmittel oder Blutdrucksenker: Wenn Präparate monatelang nicht lieferbar sind, stehen Pflegekräfte und medizinisches Personal vor enormen Herausforderungen. Die Verlagerung der Grundstoff- und Arzneimittelproduktion nach Asien hat das europäische Gesundheitssystem anfällig für weltweite Lieferkettenprobleme gemacht.

BPI legt konkretes Konzept zur Stärkung der Produktion vor

Um die heimische Versorgung langfristig zu sichern, fordert der BPI eine wirksame Standortklausel in den Vergütungs- und Erstattungsregeln. Ziel ist es, Hersteller finanziell und regulatorisch zu belohnen, wenn sie Forschung, Wirkstoffproduktion und Abfüllung in Deutschland oder der Europäischen Union belassen. Nur durch verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen könne verhindert werden, dass sich weitere Pharmaunternehmen aus der Grundversorgung zurückziehen.

Die Kernpunkte der geforderten Standortklausel:

  • Belohnung europäischer Produktionsketten: Rabattverträge der Krankenkassen müssen Kriterien enthalten, die europäische Produktionsstätten gezielt berücksichtigen.
  • Faire Erstattungspreise: Kostendeckende Preise für Standardmedikamente, um die Insolvenz- und Abwanderungswelle bei Generikaherstellern zu stoppen.
  • Abbau bürokratischer Hürden: Schnellere Zulassungs- und Produktionserweiterungsverfahren innerhalb der EU zur Stärkung der Versorgungssicherheit.

Pflegebedürftige und Pflegekräfte brauchen Planungssicherheit

Für Pflegebedürftige sind verlässliche Medikamentenpläne überlebenswichtig. Das ständige Umstellen auf Ersatzpräparate birgt Risiken von Wechselwirkungen und verunsichert Pflegebedürftige wie Angehörige gleichermaßen. Ein robuster, krisenfester Pharmastandort ist daher kein reines Wirtschaftsthema, sondern eine zentrale Voraussetzung für die würdevolle und sichere Versorgung von Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland.

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