Behandlungsfehler: AOK fordert gesetzliche Pflicht zur Offenheit und leichtere Beweisführung

Dominik Hübenthal
AOK fordert Pflicht zur Aufklärung bei Behandlungsfehlern

Nach der Veröffentlichung der aktuellen Behandlungsfehler-Statistik durch den Medizinischen Dienst Bund (MD Bund) wächst der Druck auf die Politik, die Rechte von Patientinnen und Patienten im Schadensfall grundlegend zu reformieren. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, fordert einen gesetzlich verankerten, transparenten Umgang mit medizinischen Fehlern sowie eine spürbare Absenkung der rechtlichen Hürden für Betroffene.

Transparenz darf keine Holschuld der Betroffenen sein

Bislang erfahren Patientinnen und Patienten häufig nur dann von einem Behandlungs- oder Pflegefehler, wenn sie selbst einen konkreten Verdacht schöpfen und aktiv nachfragen. Für medizinische Laien ist ein Versäumnis oder ein fehlerhafter Ablauf im Klinik- oder Praxisalltag jedoch meist kaum erkennbar. Der AOK-Bundesverband unterstützt deshalb die Forderung nach einer gesetzlich geregelten Bringschuld der Behandelnden.

Ein transparenter Umgang mit Fehlern müsse im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert werden, damit Kliniken und Praxen verpflichtet sind, Betroffene unverzüglich und unaufgefordert über vermutete Zwischenfälle aufzuklären. Diese Pflicht sollte nach Ansicht der Kassen auch dann greifen, wenn Schäden durch schadhafte Medizin- oder Blutprodukte Dritter verursacht wurden.

Hürden bei der Beweislast senken

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt die juristische Beweislast. Geschädigte stehen heute vor der enormen Herausforderung, nicht nur den Fehler an sich, sondern auch den direkten ursächlichen Zusammenhang mit dem erlittenen Gesundheitsschaden lückenlos nachzuweisen. Vor diesem Hintergrund fordert die AOK eine deutliche Erleichterung: Reicht künftig der Nachweis einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit aus, ließen sich berechtigte Entschädigungsansprüche wesentlich schneller und gerechter durchsetzen.

Prävention und moderne Fehlerkultur stärken

Neben rechtlichen Nachbesserungen mahnen Patienten- und Kassenvertreter eine gelebte Sicherheitskultur in allen Bereichen des Gesundheitssystems an:

  • Konsequente Fehlermeldesysteme: Kritische Ereignisse und Beinahe-Schäden müssen systematisch erfasst und analysiert werden.
  • Prävention bei Medikationsfehlern: Digitale Kontrollmechanismen können helfen, gefährliche Wechselwirkungen und falsche Dosierungen zu vermeiden.
  • Schutz für Pflegebedürftige: Auch im Pflegealltag bedarf es transparenter Melde- und Unterstützungsstrukturen, um Risiken frühzeitig abzuwenden.

Ziel der Reformforderungen ist es, das Gesundheitssystem von einer defensiven Haltung hin zu einer offenen Lernkultur zu führen, in der aus Fehlern gelernt wird, bevor vermeidbare Schäden entstehen.

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