Ernüchternde Bilanz: Warum die elektronische Patientenakte kaum genutzt wird
Große Hoffnungen begleiteten den bundesweiten Start der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie sollte Befunde bündeln, Doppeluntersuchungen verhindern und die medizinische sowie pflegerische Versorgung nahtlos miteinander vernetzen. Doch 18 Monate nach dem Roll-out fällt das Zwischenfazit ernüchternd aus: Obwohl die digitale Akte fast jedem ein Begriff ist, findet sie im Alltag der Versicherten kaum statt.
Hohe Bekanntheit, aber kaum aktive Nutzung
Die Schere zwischen Wissen und tatsächlicher Anwendung klafft weit auseinander. Laut einer aktuellen repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Branchenverbands Pharma Deutschland kennen zwar rund 81,5 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die ePA. Wirklich genutzt wird sie allerdings nur von knapp 23,5 Prozent. Die Nutzerzahlen verharren damit seit Monaten auf einem niedrigen Niveau und kommen schlicht nicht voran.
Konstruktionsfehler und fehlende Anreize
Branchenvertreter sprechen von deutlichen Schwachstellen im System. Hauptursache für die Zurückhaltung seien komplizierte Anmeldeprozesse und ein spürbarer Mangel an praktischem Nutzen im täglichen Leben. Während kommerzielle Gesundheitsanwendungen mit intuitiver Bedienung, Terminerinnerungen und unkomplizierter Datenverwaltung punkten, wirkt die ePA für viele Versicherte schwerfällig und sperrig.
Kritisiert wird zudem, dass weder für gesetzliche Krankenkassen noch für Arztpraxen oder Apotheken wirksame Anreize bestehen, die Plattform aktiv voranzutreiben und tief in den Behandlungsalltag einzubinden. Digitalisierung setze sich nicht von alleine durch, wenn der konkrete Mehrwert für Behandelnde und Patienten unsichtbar bleibe.
Was die Zurückhaltung für die Pflege bedeutet
Gerade in der Pflege zeigt sich, wie dringend praxistaugliche digitale Werkzeuge gebraucht werden. Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige stehen oft vor der Herausforderung, komplexe Medikationspläne, Facharztberichte und Krankenhausentlassbriefe mühsam in Papierform zu koordinieren. Eine reibungslos funktionierende digitale Akte könnte hier enorme Entlastung schaffen – vorausgesetzt, Zugangsbarrieren fallen weg und auch ambulante Pflegedienste sowie pflegende Familienmitglieder erhalten unkomplizierten Zugriff auf relevante Daten.
Das E-Rezept als Vorbild
Dass digitale Transformation im Gesundheitswesen gelingen kann, beweist das elektronische Rezept. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hat es sich flächendeckend etabliert, weil es den Gang zur Praxis und Apotheke spürbar vereinfacht. Für die elektronische Patientenakte fordern Verbände daher eine grundlegende Neuausrichtung: Weg von einer reinen technischen Sammelstelle hin zu einem anwenderfreundlichen Werkzeug, das spürbare Hilfestellung im Versorgungsalltag bietet.
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