Gesundheits-Apps auf Rezept: Warum viele Verordnungen verfallen

Benedikt Hübenthal
App auf Rezept: Warum viele Patienten DiGA nicht nutzen

Digitale Anwendungen gehören mittlerweile fest zum medizinischen Alltag in Deutschland. Ob bei Rückenschmerzen, Tinnitus oder psychischen Belastungen: Immer mehr Menschen kommen mit sogenannten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) in Berührung. Dennoch offenbart der Alltag eine spürbare Diskrepanz zwischen der ärztlichen Verordnung und der tatsächlichen Nutzung durch die Betroffenen.

Hohe Bekanntheit, zögerliche Einlösung

Laut einer repräsentativen Erhebung des Digitalverbands Bitkom ist das Konzept der „App auf Rezept“ mittlerweile mehr als der Hälfte der Bundesbürger (56 Prozent) ein Begriff. Jeder Fünfte (20 Prozent) hat demnach bereits ein entsprechendes Rezept von seiner Arztpraxis oder Psychotherapeuten erhalten. Allerdings lösten lediglich 15 Prozent diese Verordnung auch tatsächlich bei ihrer Krankenkasse ein. Ein relevanter Teil der verschriebenen digitalen Hilfen bleibt somit ungenutzt in der Schublade liegen.

Hilfe bei langen Wartezeiten

Dabei könnten digitale Programme eine wichtige Lücke in der Versorgung schließen. Rund 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine Gesundheits-App gezielt einsetzen würden, um monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz oder einen Termin beim Facharzt zu überbrücken. Ein Drittel der Teilnehmenden (33 Prozent) ist zudem überzeugt, dass eine verordnete App die kontinuierliche Behandlung im gewohnten häuslichen Umfeld spürbar erleichtert.

Wissenslücken und fehlendes Vertrauen

Dass viele Rezepte verfallen, liegt vor allem an mangelnder Information und Vorbehalten. Fast die Hälfte der Bevölkerung (49 Prozent) wünscht sich eine intensivere Aufklärung direkt im Behandlungszimmer durch Ärzte und Therapeuten. Viele Patienten wissen schlichtweg nicht, wie die Anwendungen funktionieren oder welchen konkreten gesundheitlichen Mehrwert sie bieten:

  • Skepsis gegenüber der Wirksamkeit: 41 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ihnen ein digitales Programm bei ihren Beschwerden nennenswert helfen kann.
  • Unklares Konzept: Rund 27 Prozent verstehen den genauen Nutzen und die Funktionsweise einer App auf Rezept überhaupt nicht.
  • Bürokratische Hürden: Häufig empfinden Versicherte den Weg vom Papierrezept über den Freischaltcode der Krankenkasse bis zur Installation als zu kompliziert.

Hersteller schlagen Alarm

Während Patienten zögern, geraten auch die Entwickler digitaler Therapien zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. In einer begleitenden Branchenbefragung unter 34 DiGA-Anbietern erklärten 85 Prozent der Unternehmen, dass sich ihre Lage in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert habe. Mehr als drei Viertel stufen die Investitionssicherheit unter den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen als gering oder sehr gering ein. Dennoch bleibt die Innovationskraft spürbar: Die Hälfte der Entwickler plant, in den nächsten 24 Monaten weitere digitale Gesundheitsanwendungen auf den Markt zu bringen.

Was bedeutet das für Pflege und Angehörige?

Für pflegebedürftige Menschen und deren pflegende Angehörige können zertifizierte Gesundheits-Apps eine wertvolle Unterstützung bieten – sei es zur gezielten Mobilisation, zur kognitiven Aktivierung oder zur Linderung von Begleitsymptomen. Damit digitale Therapien ihren Nutzen jedoch voll entfalten können, bedarf es klarer Erklärungen und einer unkomplizierten Einlösung. Patienten sollten bei Unklarheiten ihre behandelnden Mediziner gezielt auf den Ablauf ansprechen und sich die einzelnen Schritte der digitalen Therapie erläutern lassen.

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