KI erkennt Herzschwäche an der Stimme

Djamal Sadaghiani
Künstliche Intelligenz erkennt Herzinsuffizienz an Stimme und Atmung

Ein unsichtbares Warnsignal: Die Stimme verrät den Herzzustand

Millionen Menschen leiden an einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz. Wenn der Herzmuskel nicht mehr kräftig genug pumpt, staut sich unweigerlich Flüssigkeit im Gewebe und in der Lunge – ein oft lebensbedrohlicher Zustand, der in der Medizin als hydropische Dekompensation bezeichnet wird. Bisher erforderten die Diagnose und die engmaschige Überwachung dieses Zustands aufwendige klinische Untersuchungen. Doch ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Felix Hohendanner am Deutschen Herzzentrum der Charité hat nun einen bahnbrechenden neuen Ansatz vorgestellt.

Künstliche Intelligenz (KI) ist demnach in der Lage, eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz allein durch die Analyse von Sprach- und Atemmustern zu beurteilen. Was für das menschliche Ohr völlig unbemerkt bleibt, filtert der smarte Algorithmus in Sekundenbruchteilen hochpräzise heraus.

Wie Wasser im Körper den Klang verändert

Der medizinische und physikalische Hintergrund dieser innovativen Technologie ist so faszinierend wie logisch: Sammelt sich bei einer Herzschwäche Wasser im Körper an, verändert sich die Ausbreitung der Schallwellen im Gewebe. Dies wirkt sich direkt auf die Mikrodynamik der Stimmbänder, den Resonanzraum und die Atmung aus.

  • Präzise Mustererkennung: Die KI erkennt feinste Frequenzabweichungen und akustische Marker, die eindeutig auf gefährliche Flüssigkeitseinlagerungen hindeuten.
  • Klinische Bestätigung: In einer aktuellen Pilotstudie konnte die Software zuverlässig zwischen Patienten bei der Klinikaufnahme (mit hohem Flüssigkeitsstand) und bei der Entlassung (nach erfolgreicher Entwässerungstherapie) unterscheiden.

Ein digitales Frühwarnsystem für die Kardiologie

Die vielversprechenden Erkenntnisse stammen aus der sogenannten VAMP-HF-Studie. Das erklärte Ziel der Kardiologen und Forscher ist es, die KI künftig als echtes Frühwarnsystem im Alltag der Patienten zu etablieren. Die Behandlung einer Herzschwäche umfasst meist Medikamente zur Stärkung des Herzens sowie Diuretika zur Entwässerung. Die Wirksamkeit dieser Therapie muss engmaschig überwacht werden.

Laut den Experten der Charité könnte die Stimmanalyse genau hier ansetzen: Wenn die Medikamente nicht mehr optimal wirken und sich unbemerkt wieder Wasser in der Lunge staut, schlägt das System frühzeitig Alarm – lange bevor der Patient unter akuter Atemnot leidet. Künftig könnte es bereits ausreichen, wenn Betroffene regelmäßig einen kurzen Text in eine Smartphone-App sprechen, um ihren Arzt über den aktuellen Status zu informieren. Dies würde nicht nur schwere Notfälle und Krankenhausaufenthalte drastisch reduzieren, sondern auch die Lebensqualität der Pflegebedürftigen und Patienten massiv steigern.

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