Krankenstand sinkt: Psychische Leiden nun Hauptgrund für Fehltage
Die stetig steigenden Krankheitsausfälle am Arbeitsplatz haben in den vergangenen Monaten immer wieder für hitzige Debatten gesorgt. Nun gibt es zumindest eine vorsichtige Entwarnung: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 sind die Krankschreibungen in deutschen Unternehmen leicht zurückgegangen. Dies geht aus einer aktuellen und umfassenden Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor.
Leichter Rückgang der Fehltage im ersten Halbjahr 2026
Nach den extremen Höchstwerten der Vorjahre zeigt die Kurve nun erstmals wieder leicht nach unten. Im Durchschnitt waren Erwerbstätige in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 an 9,6 Tagen krankgeschrieben. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vorjahres lag dieser Wert noch bei 9,9 Tagen. Auch der allgemeine Krankenstand verringerte sich minimal von 5,4 Prozent auf aktuell 5,3 Prozent. Das bedeutet konkret, dass von Januar bis Ende Juni an jedem Arbeitstag durchschnittlich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben waren.
Psychische Erkrankungen verdrängen Atemwegsinfekte
Besonders bemerkenswert ist die deutliche Verschiebung bei den Ursachen für die Arbeitsausfälle. Während in der Vergangenheit meist Erkältungswellen und Grippe die Hauptgründe für volle Wartezimmer waren, haben nun psychische Leiden die Spitzenposition eingenommen. Laut dem Bericht der DAK-Gesundheit verzeichneten psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout einen alarmierenden Anstieg von neun Prozent.
Die häufigsten Ursachen für Krankschreibungen im Überblick:
- Psychische Erkrankungen: Mit 184 Fehltagen je 100 Versicherten bilden sie nun die häufigste Ursache für das Fehlen am Arbeitsplatz.
- Atemwegserkrankungen: Erkältungen und Grippe verzeichnen einen starken Rückgang von 21 Prozent und liegen mit 175 Fehltagen je 100 Versicherten nur noch auf dem zweiten Platz.
- Muskel-Skelett-Erkrankungen: Rückenleiden und ähnliche Beschwerden folgen dicht dahinter mit 174 Fehltagen je 100 Versicherten.
DAK-Chef fordert Fokus auf Langzeiterkrankungen
Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, bewertet die aktuelle Entwicklung grundsätzlich positiv. Der leichte Rückgang beim Krankenstand sei erfreulich und zeige deutlich, wie schnell sich die Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen nach oben oder unten entwickeln könnten. Dennoch warnt Storm davor, die Hände in den Schoß zu legen. Er sieht weiterhin dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei der großen Zahl von Langzeiterkrankungen, die mit enorm vielen Fehltagen einhergehen und Betriebe sowie das Gesundheitssystem stark belasten.
Für die repräsentative Analyse wertete das Berliner IGES-Institut die anonymisierten Daten von rund 2,2 Millionen erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit aus. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Unternehmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements künftig noch stärker auf die mentale Gesundheit ihrer Belegschaft achten müssen, um langfristige Ausfälle zu vermeiden.
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