Krebsrisiko durch Übergewicht massiv unterschätzt: Studie liefert alarmierende Zahlen

Djamal Sadaghiani
Krebsrisiko durch Übergewicht: Studie zeigt doppelt so hohe Gefahr

Übergewicht und Adipositas gelten schon lange als Risikofaktoren für verschiedene Krebsarten. Doch das tatsächliche Ausmaß dieser Gefahr wurde offenbar lange Zeit massiv unterschätzt. Eine aktuelle und groß angelegte Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) liefert nun alarmierende Zahlen, die verdeutlichen: Unser Körpergewicht hat einen weitaus größeren Einfluss auf die Krebsentstehung als bisher angenommen.

Mehr als jede zehnte Krebserkrankung durch Übergewicht

Bislang gingen Mediziner und Wissenschaftler davon aus, dass etwa zwei bis acht Prozent aller Krebserkrankungen direkt auf ein zu hohes Körpergewicht zurückzuführen sind. Die neuen Ergebnisse der DKFZ-Forschungsgruppe zeichnen jedoch ein drastischeres Bild. Laut den Auswertungen könnten mehr als zehn Prozent aller Krebsfälle mit überschüssigem Körperfett zusammenhängen – die Zahlen stiegen in der detaillierten Analyse von rund 5,5 Prozent auf bis zu 11,5 Prozent an.

Damit verursacht Übergewicht fast doppelt so viele Krebserkrankungen wie frühere Schätzungen vermuten ließen. Diese Erkenntnis könnte die zukünftigen Strategien in der Krebsprävention grundlegend verändern.

Warum der BMI als Maßstab oft nicht ausreicht

Für ihre Studie analysierten die Forschenden die Gesundheitsdaten von über 450.000 Frauen und Männern über einen Zeitraum von durchschnittlich zwölf Jahren. In dieser Zeit traten mehr als 50.000 neue Krebsfälle auf. Der entscheidende Unterschied zu früheren Studien liegt in der Methodik.

Bisherige Untersuchungen stützten sich meist auf den Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert berechnet sich lediglich aus Körpergröße und Gewicht, unterscheidet jedoch nicht zwischen Muskel- und Fettmasse. Vor allem aber verrät der BMI nicht, wo das Fett im Körper gespeichert wird. Die DKFZ-Forscher zogen daher aussagekräftigere Maße wie den Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis heran. Denn gerade das Fett im Bauchraum gilt als hochgradig stoffwechselaktiv. Es schüttet Botenstoffe aus, die chronische Entzündungsprozesse im Körper fördern und so die Entstehung von Tumoren begünstigen.

Zusätzliche methodische Hürden beseitigt

Ein weiteres Problem früherer Studien: Viele Menschen verlieren in den Jahren unmittelbar vor einer Krebsdiagnose ungewollt an Gewicht. Wird dieser krankheitsbedingte Gewichtsverlust nicht herausgerechnet, verfälscht das die Statistiken. Durch die Bereinigung dieser methodischen Verzerrungen kam das wahre Risiko von Adipositas erst vollständig ans Licht.

Frauen und jüngere Erwachsene besonders gefährdet

Die detaillierten Auswertungen der Wissenschaftler deuten auf zwei weitere besorgniserregende Trends hin:

  • Höheres Risiko bei Frauen: Der durch Übergewicht bedingte Anteil der Krebserkrankungen scheint bei Frauen noch größer zu sein als bei Männern.
  • Jüngere Altersgruppen: Auch bei Erwachsenen unter 60 Jahren spielt das Körperfett tendenziell eine stärkere Rolle bei der Krebsentstehung als bei älteren Senioren.

Ein Weckruf für die Gesundheitsvorsorge

Die Ergebnisse aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum sind ein eindringlicher Appell, der weltweiten Zunahme von Übergewicht entschlossen entgegenzutreten. Wenn Adipositas für deutlich mehr Krebsfälle verantwortlich ist als gedacht, bedeutet das im Umkehrschluss auch: Effektive Strategien zur Gewichtsreduktion und Vorbeugung von Übergewicht könnten einen enormen Beitrag zur Krebsprävention leisten.

Für den Einzelnen bedeutet das, verstärkt auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten. Ein gesundes Körpergewicht schützt nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern ist auch einer der effektivsten Schutzschilde gegen Krebs.

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