Schärferer Streit um Arzttermine: Kassen weisen Ärzte-Kritik zurück

Djamal Sadaghiani
Arzttermine für Kassenpatienten: Krankenkassen weisen Kritik der Ärzte zurück

Für gesetzlich Versicherte und pflegende Angehörige gehört die Suche nach zeitnahen Facharztterminen längst zu den zermürbendsten Hürden im Alltag. Nun spitzt sich der Konflikt zwischen der Ärzteschaft und den gesetzlichen Krankenkassen weiter zu. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen die finanziellen Sparvorgaben der Bundespolitik sowie neue Pflichten zur Vergabe freier Termine im Rahmen der Notfallreform.

Ärzte warnen vor längeren Wartezeiten

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schlägt Alarm: Aufgrund von Einsparungen im ambulanten Sektor drohe eine spürbare Verschlechterung der Versorgung. Gesetzlich Versicherte müssten sich darauf einstellen, künftig noch länger auf notwendige Termine zu warten. Zusätzlichen Unmut löst bei niedergelassenen Medizinern die im Bundestag beschlossene Verschärfung der Terminmeldepflicht aus. Praxen müssen künftig feste Terminkontingente an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen übermitteln, anstatt wie bisher lediglich spontan freie Kapazitäten weiterzugeben. Ärzteverbände sehen darin einen unzulässigen Eingriff in die Praxisorganisation, der bürokratischen Mehraufwand erzeuge, ohne auch nur eine zusätzliche Behandlungsminute zu schaffen.

Krankenkassen kontern Vorwürfe der Unterfinanzierung

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen weist die Warnungen der Mediziner mit deutlichen Worten zurück. Laut dem GKV-Spitzenverband steigt die Vergütung für ärztliche Leistungen im kommenden Jahr um 2,2 Prozent, was einem Zuwachs von mehr als einer Milliarde Euro entspricht. Die Behauptung, Behandlungen müssten wegen schlechterer Bezahlung reduziert werden, entbehre daher der Grundlage.

Auch das Ende früherer Extrazahlungen für kurzfristig vergebene Termine verteidigen die Kassen. Ziel dieser Bonuszahlungen sei es gewesen, die Wartezeiten für Patienten spürbar zu verkürzen. Da die Terminknappheit in den vergangenen Jahren jedoch trotz dieser Sonderhonorare gewachsen sei, sei die Streichung der Boni die einzig logische Konsequenz. Nach Auffassung der Krankenkassen dient die verbindliche Meldepflicht der Gerechtigkeit: Gesetzlich Versicherte sollen nicht gegenüber Privatpatienten benachteiligt werden.

Was bedeutet der Streit für Patienten und Pflegebedürftige?

Für ältere und chronisch kranke Menschen sowie deren betreuende Familien ist eine verlässliche ambulante Versorgung überlebenswichtig. Verzögerte Diagnosen und monatelanges Warten auf Facharzttermine können bestehende Beschwerden verschlimmern und Pflegesituationen destabilisieren.

  • Terminservicestelle nutzen: Über die bundesweite Rufnummer 116117 oder die dazugehörige Website können dringende Facharzttermine vermittelt werden, vorausgesetzt, es liegt eine Überweisung mit entsprechendem Vermittlungscode vor.
  • Hausarztzentrierte Versorgung: Der eigene Hausarzt fungiert weiterhin als zentrale Schnittstelle. Im Rahmen eines sogenannten Hausarztvermittlungsfalls kann die Praxis in dringenden Situationen oft schneller einen Kontakt zu Spezialisten herstellen.
  • Krankenkassen-Service: Viele gesetzliche Kassen bieten eigene Terminvergabeservices an, die Angehörige bei der Suche nach Fachärzten aktiv unterstützen können.

Während sich Verbände und Krankenkassen gegenseitig die Verantwortung zuschieben, bleibt für die Betroffenen vor allem eines entscheidend: Der Zugang zu medizinischer Hilfe muss sich am gesundheitlichen Bedarf orientieren – und nicht an bürokratischen Machtkämpfen.

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