Sprungbrett eigene Praxis: Viele angestellte Ärzte planen Niederlassung
Die Anstellung in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ist für viele Mediziner keine dauerhafte Absage an die Selbstständigkeit, sondern ein gezielter Zwischenschritt. Einer aktuellen bundesweiten Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge können sich rund 20.000 der bundesweit etwa 55.000 ambulant tätigen angestellten Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeuten eine eigene Praxis vorstellen.
Hohe Bereitschaft vor allem bei jungen Medizinern
Die Umfrage verdeutlicht, dass die Anstellung von vielen Nachwuchskräften als wertvolle Orientierungsphase genutzt wird, um praktische Erfahrungen vor einer Praxisgründung oder -übernahme zu sammeln. Besonders ausgeprägt ist das Interesse in der jüngeren Generation:
- Unter 35-Jährige: Fast 40 Prozent dieser Altersgruppe planen konkret den Schritt in die eigene Niederlassung, weitere 45 Prozent zeigen sich dafür offen.
- Altersgruppe 35 bis 39 Jahre: Knapp ein Drittel der Befragten beabsichtigt, sich künftig mit einer eigenen Praxis niederzulassen.
- Gesamtbild: Über alle Altersgruppen hinweg streben 14,8 Prozent die Selbstständigkeit fest an, während 21,8 Prozent diesen Weg für die Zukunft nicht ausschließen.
Bürokratie und finanzielle Hürden bremsen Existenzgründer
Obwohl das Interesse an beruflicher Autonomie und individueller Patientenversorgung groß ist, zögern viele Interessierte vor dem endgültigen Schritt. Als größte Hindernisse nannten die Befragten vor allem administrative Belastungen, komplexe Zulassungsverfahren sowie fehlende betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse. Auch die Finanzierung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen bei den Vorbehalten eine tragende Rolle.
Vertreter der vertragsärztlichen Versorgung betonen daher die Notwendigkeit, bürokratische Hürden spürbar abzubauen und gezielte Beratungsangebote zu schaffen. Verlässliche Rahmenbedingungen seien entscheidend, um das vorhandene Potenzial an niederlassungswilligen Fachkräften abzurufen und die flächendeckende ambulante Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.
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