Tausende Behandlungsfehler bestätigt: Neuer Bericht zeigt anhaltende Risiken

Benedikt Hübenthal
Behandlungsfehler in Deutschland: Aktuelle Statistik des Medizinischen Dienstes

Medizinische Eingriffe und Therapien sollen heilen, doch wenn Fehler unterlaufen, sind die Folgen für Betroffene oft gravierend. Wie aus der aktuellen Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes hervorgeht, verharrt die Zahl der offiziell nachgewiesenen Behandlungsfehler in Deutschland auf einem unverändert hohen Niveau. In Tausenden Fällen erlitten Patientinnen und Patienten dadurch gesundheitliche Schäden.

Jeder vierte Verdachtsfall bestätigt sich

Die Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes prüften bundesweit 11.735 vermutete Behandlungsfehler. In 3.098 Fällen wurde ein Behandlungsfehler festgestellt, der zu einem messbaren gesundheitlichen Schaden führte. Bei rund 2.700 dieser Fälle war der ärztliche oder pflegerische Fehler auch die direkte Ursache für die erlittene Schädigung. In 97 Fällen führte der Fehler nachweislich zum Tod oder trug maßgeblich dazu bei.

Rund zwei Drittel aller Vorwürfe betrafen Behandlungen im stationären Bereich, insbesondere in Krankenhäusern, während etwa ein Drittel auf die ambulante Versorgung entfiel. Besonders häufig standen operative Eingriffe im Fokus: Mit knapp 30 Prozent bezogen sich die meisten Vorwürfe auf die Orthopädie und Unfallchirurgie, gefolgt von der Inneren Medizin sowie der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Schwere Zwischenfälle und hohe Dunkelziffer

Besonders besorgniserregend sind sogenannte „Never Events“ – schwerwiegende Ereignisse, die durch etablierte Sicherheitsroutinen eigentlich vollständig vermeidbar sein sollten. Dazu zählen:

  • Verwechslungen von Patienten oder Operationsseiten
  • Im Körper vergessene Operationsmaterialien und Instrumente
  • Gravierende Medikations- und Dosierungsfehler bei starken Wirkstoffen

Nach Angaben des Medizinischen Dienstes wurden rund 150 solcher Fälle dokumentiert. Experten betonen jedoch, dass die Gutachten nur die Spitze des Eisbergs abbilden. Da es in Deutschland an einem zentralen, verpflichtenden Melderegister für Behandlungsfehler fehlt, bleibt die Dunkelziffer enorm. Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit jährlich Hunderttausende vermeidbare Schadensereignisse in Kliniken auftreten.

Milliardenkosten für das Gesundheitssystem

Neben dem individuellen Leid verursachen Behandlungsfehler auch erhebliche finanzielle Belastungen. Zusätzliche Operationen, verlängerte Krankenhausaufenthalte und langwierige Rehabilitationsmaßnahmen belasten die gesetzlichen Krankenkassen jedes Jahr mit Milliardenbeträgen. Der Medizinische Dienst fordert daher verstärkte verbindliche Präventionsmaßnahmen, digitale Sicherheitschecks sowie mehr Transparenz im Klinik- und Praxisalltag.

Was Betroffene und Angehörige tun können

Wer nach einer Operation oder medikamentösen Therapie den Verdacht auf einen Behandlungsfehler hat, sollte sich direkt an die eigene gesetzliche Krankenkasse wenden. Die Kassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, Versicherte bei der Klärung von Behandlungsfehlern kostenfrei zu unterstützen und können ein unabhängiges Gutachten beim Medizinischen Dienst in Auftrag geben. Dieses Gutachten ist für Betroffene ein wichtiges Instrument, um eventuelle Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüche fundiert geltend zu machen.

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