Drohende Pleitewelle: Fachärzte schlagen wegen neuer OP-Pläne Alarm
Spezialisierte ambulante Operationszentren und Praxiskliniken in ganz Deutschland blicken mit großer Sorge in die Zukunft. Nach einer deutlichen Warnung des Spitzenverbands der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) droht zahlreichen Praxen, die sich auf das ambulante Operieren fokussiert haben, im kommenden Jahr eine schwere Insolvenzwelle. Auslöser für diese düstere Prognose ist ein geplanter politischer Kurswechsel bei den Vergütungsregeln für operative Eingriffe.
Politische Kehrtwende gefährdet erhebliche Investitionen
Hintergrund des Konflikts sind die sogenannten Hybrid-DRG, also sektorengleiche Fallpauschalen. Diese Pauschalen wurden eingeführt, damit eine Operation einheitlich bezahlt wird – ganz unabhängig davon, ob sie in einer Arztpraxis oder in einem Krankenhaus stattfindet. Ziel der Politik war es, die Ambulantisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben und teure sowie für Patienten oft belastende Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
Viele Fachärzte und Betreiber ambulanter Operationszentren vertrauten auf diese Zusage. Sie investierten erhebliche Summen in moderne Medizintechnik, hochmoderne OP-Säle, Hygienestandards sowie qualifiziertes medizinisches Personal. Durch die nun im Bundestag diskutierten und forcierten Änderungen droht diesen Einrichtungen jedoch nach Darstellung der Fachärzte unvermittelt die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen zu werden.
Aus für Hybrid-DRG setzt fatale Fehlanreize
Die aktuellen Regierungspläne sehen vor, die sektorengleiche Vergütung schrittweise wieder abzuschaffen. Künftig soll entscheidend sein, ob ein Patient über Nacht im Bett bleibt oder nicht. Wer nach einem Eingriff am selben Tag nach Hause entlassen wird, soll deutlich geringer nach den regionalen Gebührenordnungen vergütet werden. Verbringt der Patient hingegen mindestens eine Nacht im Krankenhaus, bleibt die höhere Vergütung bestehen. Ab 2028 sollen die Hybrid-DRG dann vollständig durch rein stationäre Kurzzeitfallpauschalen ersetzt werden.
Der SpiFa und weitere Berufsverbände sehen darin eine gesundheitspolitische Rolle rückwärts. Es würden Fehlanreize geschaffen, die Krankenhäuser dazu verleiten, Betroffene unnötig über Nacht im Bett zu behalten, um lukrativere Pauschalen abzurechnen. Für ambulante Praxiskliniken, die keine stationäre Unterbringung anbieten und Patienten schonend am selben Tag nach Hause entlassen, sei dieser finanzielle Abschlag existenzbedrohend.
Gravierende Folgen für Patienten und die Pflege
Sollte die befürchtete Pleitewelle eintreffen, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung:
- Längere Wartezeiten: Wenn ambulante OP-Zentren schließen, verlagern sich Eingriffe wie Leistenbruchoperationen, Gelenkspiegelungen oder urologische Operationen wieder zurück in die ohnehin überlasteten Kliniken.
- Zusätzliche Belastung der Pflegekräfte: Mehr stationäre Übernachtungen binden dringend benötigtes Pflegepersonal auf Krankenhausstationen für Fälle, die medizinisch problemlos zu Hause ausheilen könnten.
- Höhere Kosten für Beitragszahler: Unnötige Krankenhausaufenthalte treiben die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen weiter in die Höhe.
Forderung nach Vertrauensschutz und Verlässlichkeit
Ärzteverbände fordern die Bundespolitik mit Nachdruck auf, den eingeschlagenen Weg zu überdenken. Eine moderne und patientengerechte Medizin lebe von verlässlichen Rahmenbedingungen. Wenn Investitionen in den ambulanten Bereich durch kurzfristige Gesetzesänderungen entwertet würden, werde das Vertrauen der Ärzteschaft nachhaltig zerstört – mit gravierenden Folgen für das gesamte Gesundheitssystem.
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