Gefahr im Trinkwasser: EU senkt Grenzwert für Ewigkeitschemikalie drastisch

Djamal Sadaghiani
TFA-Grenzwert gesenkt: EU warnt vor Ewigkeitschemikalie im Wasser

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schlägt Alarm: Der sichere Grenzwert für die tägliche Aufnahme der sogenannten Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) wurde drastisch gesenkt. Grund dafür sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die weitreichende Folgen für unseren Stoffwechsel und den Hormonhaushalt belegen.

Was ist TFA und woher kommt es?

Trifluoressigsäure, kurz TFA, ist die kleinste und langlebigste Form der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS). Diese Stoffe werden aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in zahllosen Alltagsprodukten eingesetzt – von der beschichteten Bratpfanne bis hin zur wetterfesten Funktionskleidung. Besonders problematisch ist jedoch der Einsatz bestimmter Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft. Beim Abbau dieser Pflanzenschutzmittel entsteht TFA und sickert unaufhaltsam in die Böden und das Grundwasser.

Da die Chemikalie biologisch nahezu nicht abbaubar ist, reichert sie sich kontinuierlich in der Umwelt an. So gelangt sie über das Trinkwasser sowie über pflanzliche Lebensmittel direkt in den menschlichen Körper. Das Tückische daran: Mit herkömmlichen Wasseraufbereitungsverfahren der kommunalen Wasserwerke lässt sich der Stoff derzeit kaum herausfiltern.

Gefahr für die Schilddrüse: Warum die EFSA jetzt handelt

Bislang galt eine tägliche Aufnahme von 0,05 Milligramm TFA pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich. Laut der EFSA wurde dieser Wert nun auf 0,014 Milligramm korrigiert – das entspricht einer deutlichen Absenkung um rund das 3,5-Fache. Zusätzlich wurde von den Experten der EU-Behörde erstmals eine akute Referenzdosis festgelegt. Diese definiert, wie viel eines Stoffes maximal innerhalb von 24 Stunden ohne gesundheitliches Risiko aufgenommen werden darf.

Der entschiedene Schritt der Behörde stützt sich auf aktuelle toxikologische Studien. Diese zeigen, dass TFA den Thyroxinspiegel im Körper nachweislich verändert. Thyroxin ist ein lebenswichtiges Hormon, das von der Schilddrüse produziert wird und eine zentrale Rolle bei der Regulierung des gesamten Stoffwechsels spielt. Eine Störung dieses sensiblen Hormonhaushalts kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Zudem weist die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) darauf hin, dass TFA im Verdacht steht, fortpflanzungsschädigende Eigenschaften zu besitzen.

Welche Konsequenzen drohen für Landwirtschaft und Verbraucher?

Die neuen Richtwerte der EFSA sind zunächst wissenschaftliche Empfehlungen zur Risikobewertung und noch keine gesetzlich bindenden Grenzwerte für das Trinkwasser. Dennoch entfalten sie eine enorme politische Sprengkraft. Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten sind nun angehalten, diese neuen Erkenntnisse bei der Festlegung künftiger Verbraucherschutzmaßnahmen zwingend zu berücksichtigen.

Experten gehen davon aus, dass der Druck auf die Hersteller von fluorierten Pflanzenschutzmitteln massiv steigen wird. Sollten die Zulassungen für bestimmte Pestizide, die sich nachweislich zu TFA abbauen, auf EU-Ebene widerrufen werden, stünde die Landwirtschaft vor großen Umbrüchen.

Was bedeutet das für den Alltag?

Für den Endverbraucher gibt es kurzfristig kaum Möglichkeiten, der Aufnahme von TFA vollständig zu entgehen, da der Stoff bereits flächendeckend in der Umwelt zirkuliert. Akute Panik ist dennoch nicht angebracht, da die Grenzwerte mit hohen Sicherheitsfaktoren kalkuliert sind. Die aktuellen Maßnahmen der EU-Behörden sind jedoch ein essenzieller und längst überfälliger Schritt, um den weiteren Eintrag dieser Ewigkeitschemikalien in unseren Wasserkreislauf zu stoppen. Nur so kann die langfristige Gesundheit der Bevölkerung – und hierbei insbesondere die von vulnerablen Gruppen wie Kindern, Kranken und Senioren – wirkungsvoll geschützt werden.

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