Gesundheits-Apps: Viel Lifestyle, wenig Medizin

Benedikt Hübenthal
Gesundheits-Apps & Fitnesstracker: Studie zeigt verschenktes Potenzial

Fitnesstracker, Smartwatches und Gesundheits-Apps sind aus dem Alltag vieler Deutscher nicht mehr wegzudenken. Doch während die digitalen Helfer fleißig Schritte zählen und den Schlaf überwachen, bleibt ihr eigentlicher medizinischer Nutzen oft auf der Strecke. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte.

Selbstoptimierung schlägt medizinischen Nutzen

Die Zahlen der Studie sprechen eine deutliche Sprache: Die große Mehrheit der Nutzer verwendet Wearables und Gesundheits-Apps primär als Lifestyle-Gadgets. So geben 33 Prozent der Befragten an, die Anwendungen zur allgemeinen Verbesserung ihres Lebensstils zu nutzen. Das Überwachen des eigenen Gewichts sowie der generelle Wunsch nach Selbstoptimierung folgen mit jeweils 25 Prozent auf den weiteren Plätzen.

Geht es jedoch um handfeste medizinische Zwecke, sinkt die Nutzungsbereitschaft drastisch. Lediglich 18 Prozent der Anwender setzen die Technik zur Überwachung chronischer Erkrankungen ein. Noch geringer ist der Anteil derer, die eine Health-App auf direkte Empfehlung ihres Arztes nutzen – hier sind es gerade einmal 13 Prozent. Auch spezifische medizinische Felder wie die Herzgesundheit (sieben Prozent) oder telemedizinische Anwendungen (sechs Prozent) spielen im Alltag der Nutzer bislang eine deutlich untergeordnete Rolle.

Die digitale Kluft zwischen Jung und Alt

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der starke Generationenunterschied. Digitale Gesundheitslösungen bieten gerade für ältere Menschen ein enormes Potenzial in der Prävention und im Gesundheitsmanagement. Dennoch stoßen die Geräte in dieser Altersgruppe auf das geringste Interesse.

  • Junge Generation: 80 Prozent der 25- bis 34-Jährigen nutzen bereits eine Smartwatch oder ziehen eine Anschaffung konkret in Betracht.
  • Ältere Generation: Bei den über 65-Jährigen liegt dieser Wert bei lediglich 44 Prozent.

Laut den Experten von Deloitte liegt das vor allem an mangelnder Nutzerfreundlichkeit. Um die Zielgruppe der Senioren besser zu erreichen und sie von den gesundheitlichen Vorteilen zu überzeugen, müssten Entwickler und Anbieter die Bedienbarkeit ihrer Anwendungen deutlich vereinfachen und stärker an den Bedürfnissen älterer Patienten ausrichten.

Wunsch nach besserer Vernetzung

Obwohl aktuell 30 Prozent der Befragten noch keinen spürbaren gesundheitlichen Nutzen durch ihre Wearables wahrnehmen, ist die grundsätzliche Bereitschaft für eine stärkere medizinische Integration vorhanden. Beeindruckende 83 Prozent der Verbraucher befürworten es, wenn ihre gesammelten Gesundheitsdaten direkt in die professionelle medizinische Versorgung eingebunden würden.

Das zeigt: Die Bürger sind durchaus bereit, den Schritt von der reinen Selbstoptimierung hin zur echten digitalen Medizin zu gehen. Nun sind App-Entwickler, Ärzte und das Gesundheitssystem gefragt, dieses brachliegende Potenzial endlich voll auszuschöpfen und sichere, nutzerfreundliche Schnittstellen für den Datenaustausch zu schaffen.

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