Hitzefalle Krankenhaus: Kaum ein Patientenzimmer in Deutschland gekühlt

Djamal Sadaghiani
Hitzeschutz in Kliniken: Nur 5 Prozent der Patientenzimmer gekühlt

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, verwandeln sich zahlreiche Krankenhäuser in Deutschland in gefährliche Wärmestauen. Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeichnet ein ernüchterndes Bild: Bundesweit sind lediglich rund fünf Prozent aller Patientenzimmer mit einer Klimatisierung ausgestattet.

Alarmierende Zahlen: Mehrheit der Kliniken ohne jede Kühlung

Die Ergebnisse der Befragung unter bundesweit 458 Krankenhäusern verdeutlichen das Ausmaß des Nachholbedarfs:

  • 59 Prozent der Kliniken verfügen über keinerlei Möglichkeit, Patientenzimmer aktiv herunterzukühlen.
  • 41 Prozent der Häuser können zumindest einen Teil kühlen – dort sind im Mittel jedoch nur etwa 11 Prozent der Zimmer klimatisiert.
  • Während Intensivstationen und Operationssäle meist temperiert sind, bleiben Normalstationen, Notaufnahmen und Pausenräume der Beschäftigten größtenteils der Hitze ausgesetzt.
  • Besonders groß ist der Nachholbedarf in psychiatrischen Einrichtungen, wo Kühlmöglichkeiten noch seltener vorhanden sind als in Allgemeinkrankenhäusern.

Lebensgefahr für vulnerable Menschen und Belastung für das Personal

Extremtemperaturen belasten den menschlichen Organismus massiv. Für ohnehin geschwächte, ältere oder chronisch kranke Patientinnen und Patienten kann die unerträgliche Raumwärme lebensbedrohliche Folgen haben. Gleichzeitig steigen in Hitzeperioden die Behandlungszahlen: Über die Hälfte der Kliniken verzeichnete bei Hitzewellen ein spürbar höheres Patientenaufkommen.

Für die Pflegekräfte und das medizinische Personal bedeutet dies eine doppelte Belastung. Sie müssen bei schweißtreibenden Temperaturen und oft unter Schutzkleidung Höchstleistungen erbringen. Nicht überraschend stieg laut Umfrage in vielen Häusern während extremer Hitzetage auch der Krankenstand unter den Mitarbeitenden deutlich an.

Investitionsstau als zentrale Ursache

Als Hauptgrund für die fehlende Kältetechnik nennen 97 Prozent der befragten Kliniken mangelnde finanzielle Ressourcen. Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommen die Bundesländer ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Investitionskostenfinanzierung seit Jahren nur unzureichend nach. Derzeit würden lediglich etwa 60 Prozent der tatsächlich anfallenden Kosten für Gebäude und Infrastruktur übernommen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert daher ein schnelles, bundesweites Investitionsprogramm. Bis zum Sommer 2027 müssten Kliniken und Pflegeeinrichtungen finanziell in die Lage versetzt werden, moderne Kühltechnik und nachhaltige Verschattungssysteme zügig nachzurüsten, um Patienten und Pflegepersonal wirksam vor künftigen Hitzewellen zu schützen.

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