Neue Studie: Wo die Menschen in Deutschland am ältesten werden

Dominik Hübenthal
Lebenserwartung in Deutschland: Große regionale Unterschiede

Die Menschen in Deutschland erreichen statistisch gesehen wieder ein höheres Alter. Nach den pandemiebedingten Einbrüchen der vergangenen Jahre setzt sich der Aufwärtstrend bei der Lebenserwartung fort. Allerdings verläuft diese Erholung keineswegs überall im Land im gleichen Tempo. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, die auf den amtlichen Sterblichkeitsdaten basieren.

Männer gewinnen an Lebenszeit, gemischtes Bild bei Frauen

Besonders bei den Männern zeigt sich ein durchweg positiver Trend: In sämtlichen 16 Bundesländern konnte das männliche Geschlecht bei der Lebenserwartung zulegen und liegt nun bundesweit wieder über dem Vorpandemieniveau von 2019. Bayern durchbrach dabei als zweites Bundesland nach Baden-Württemberg die bedeutende Schwelle von 80 Jahren.

Bei den Frauen fällt die Entwicklung hingegen deutlich uneinheitlicher aus. Zwar verzeichnen auch sie im Durchschnitt weiterhin eine höhere Lebenserwartung als Männer, doch der Zuwachs fiel insgesamt spürbar moderater aus. In mehreren Bundesländern gab es sogar leichte Rückgänge – besonders deutlich in Thüringen, wo der statistische Wert für Frauen um ein halbes Jahr sank. Bundesweit verharren Frauen in knapp der Hälfte der Bundesländer noch immer unter ihren Höchstwerten aus der Zeit vor 2020.

Süden bleibt Spitzenreiter bei der Langlebigkeit

Die geografische Kluft innerhalb der Bundesrepublik bleibt beachtlich. Unangefochtener Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich ist Baden-Württemberg. Neugeborene Mädchen können dort mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 84,6 Jahren rechnen, Jungen erreichen im Schnitt 80,6 Jahre. Auch Bayern und Sachsen schneiden überdurchschnittlich gut ab.

Am unteren Ende der Skala finden sich vor allem Bundesländer im Norden und Osten: Bei den Männern weisen Sachsen-Anhalt mit 76,8 Jahren sowie Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Werte auf. Bei den Frauen verzeichnen das Saarland mit 82,1 Jahren und Bremen die geringsten Aussichten. Zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht liegt bei Männern damit eine Lücke von fast vier Jahren, bei Frauen beträgt die Differenz rund 2,6 Jahre.

Rauchgewohnheiten und Lebensbedingungen als Faktoren

Fachleute des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung erklären einen wesentlichen Teil der geschlechtsspezifischen Unterschiede mit veränderten Lebensgewohnheiten in den vergangenen Jahrzehnten. Während starker Tabakkonsum bei Männern bereits vor Generationen seinen Höchststand erreichte und anschließend kontinuierlich zurückging, griffen Frauen historisch erst deutlich später vermehrt zur Zigarette. Die gesundheitlichen Spätfolgen machen sich bei älteren Frauen daher bis heute bemerkbar.

Neben individuellen Risikofaktoren spielen zudem strukturelle Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle für ein langes Leben: Regionale Einkommensunterschiede, Bildungsniveaus sowie die medizinische Infrastruktur und die flächendeckende ärztliche Versorgung beeinflussen die Gesundheit der Bevölkerung maßgeblich.

Herausforderung und Chance für die Pflege

Die wachsende Zahl an Hochbetagten unterstreicht zugleich die Dringlichkeit zukunftssicherer Pflegestrukturen. Ein längeres Leben bringt häufig auch einen längeren Bedarf an gesundheitlicher Begleitung und Unterstützung im Alltag mit sich. Umso wichtiger werden präventive Gesundheitsförderung, der Erhalt der Mobilität im Alter sowie wohnortnahe, barrierefreie Angebote, die ein selbstbestimmtes Altern in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

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