Neues Online-Tool soll Antibiotika-Therapien treffsicherer machen

Djamal Sadaghiani
Antibiotikaresistenzen im Blick: RKI und BfArM veröffentlichen neues Online-Tool

Immer häufiger verlieren bewährte Antibiotika ihre Wirksamkeit, weil Krankheitserreger unempfindlich gegenüber den Medikamenten werden. Um diesem Trend entgegenzuwirken und behandelnden Ärzten schnelle Orientierung zu bieten, haben das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine neue digitale Anwendung an den Start gebracht. Die Online-Plattform bündelt aktuelle Resistenzdaten und soll dabei unterstützen, direkt die passende medikamentöse Entscheidung zu treffen.

Präzise Datenbasis für Praxis und Klinik

Bislang standen Mediziner häufig vor dem Problem, dass Angaben zur Resistenzlage in den offiziellen Fachinformationen der Präparate veraltet oder nicht zentral verfügbar waren. Die neue Plattform schließt diese Informationslücke. Sie greift direkt auf die bundesweite Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des Robert Koch-Instituts zurück, in der Daten aus stationären und ambulanten Einrichtungen fortlaufend erfasst werden.

Über das Tool lässt sich schnell und übersichtlich einsehen, wie hoch der Anteil resistenter Keime bei bestimmten Erreger-Antibiotikum-Kombinationen in Deutschland ausfällt. Ärzte können gezielt nach Wirkstoffen und Keimen filtern, um auf Basis der aktuellen Lage das am besten geeignete Medikament für ihre Patienten auszuwählen.

Klassifizierung nach WHO-Standard

Zur besseren Einordnung stützt sich das System auf die AWaRe-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dabei werden die Wirkstoffe in drei Hauptkategorien unterteilt:

  • Access: Antibiotika mit breitem Einsatzspektrum und vergleichsweise geringem Resistenzrisiko, die bevorzugt verschrieben werden sollen.
  • Watch: Wirkstoffe mit höherem Risiko für Resistenzbildungen, die nur bei klar definierten Indikationen zum Einsatz kommen dürfen.
  • Reserve: Notfall- und Reserveantibiotika für schwere Infektionen mit multiresistenten Erregern, die äußerst restriktiv verabreicht werden müssen.

Bedeutung für die Patientenversorgung und Pflege

Ein gezielter Einsatz von Antiinfektiva ist ein wesentlicher Baustein, um Therapieversagen zu verhindern. Insbesondere für ältere Menschen und pflegebedürftige Personen, die durch geschwächte Immunsysteme anfälliger für hartnäckige Infektionen sind, ist die Wahl des passenden Präparats überlebenswichtig. Das neue Werkzeug soll künftig jährlich aktualisiert werden, um eine dauerhaft verlässliche Entscheidungsgrundlage im medizinischen Alltag zu gewährleisten.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.